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Filmkritik "Kartoffelsalat": Einmal Youtube auf Spielfilmlänge, bitte!

Wie man einen Film schauen kann, zu dessen Zielgruppe man definitiv nicht mehr zählt? Erklärungen suchen, und versuchen zu verstehen. Oder an Otto Waalkes und Jenny Elvers verzweifeln.

Kartoffelsalat - ein Film für die Zielgruppe. Unter anderem mit Youtube-Star FreshTorge und Humor-Altmeister Otto Waalkes.

Kartoffelsalat - ein Film für die Zielgruppe. Unter anderem mit Youtube-Star FreshTorge und Humor-Altmeister Otto Waalkes.

Der Regisseur warnt: Das sei kein Film für Kritiker, sondern für die Zielgruppe, die hätten halt einen ganz anderen Humor. Achso. Ein paar der Kritiker lachen, andere rutschen auf ihren Sitzen herum. Einerseits lässt man sich nicht gerne sagen, dass man zwei- bis dreimal so alt wie diese "Zielgruppe" ist. Und warum entschuldigt ein Regisseur schon vor der allerersten Vorführung seines Films?

Nun denn, "Kartoffelsalat", Youtube-Stars auf Kinolänge, mit durchgehendem Plot. Von Otto produziert und gastbeschauspielert. Einem Mann, den man sich nicht weiter wegdenken könnte von potentiellen Fans dieses Films. Wird hier eine Renaissance seines Humors zelebriert? Nein, auch 87 Minuten später bleibt unklar, wie Otto und Youtube zusammenpassen. Vielleicht steht dem Executive Producer schlicht die Ehrenrolle zu.

Wenig Handlung, noble Message

"Kartoffelsalat" erzählt die Geschichte eines Jungen, der von einer Eliteschule fliegt, weil der Schulleiter ihn dort nicht haben möchte. Seine Eltern beginnen zu zweifeln: Wird aus dem noch was? Na klar: Loser Torge metamorphiert sich (wobei Loser womöglich das Wort einer anderen Generation ist) in den Held der Schule, ach was, der Stadt. Denn als seine Mitschüler von einem Zombie-Virus befallen werden und anfangen, ihre Smartphones zu knabbern, tritt Torge, frei vom Virus, ihnen entgegen und heilt sie, indem er sie weiterbildet. Mit ihnen tanzt, rechnet oder handwerkert.


Schon darin steckt eine erste große pädagogische Message des Filmes: Bildung kann heilsam sein. Der Virus wirkt zudem nur bei denen, die gewissermaßen schon klug sind – hier also der zweite Anlauf: Diese Jugendlichen sind ganz und gar nicht dumm – auch wenn sie lieber auf Youtube surfen als Algebra verstehen zu wollen (Mathe war auch vor 30 Jahren keinesfalls Lieblingsfach). Und wem das als Moralpredigt nicht reicht, der darf sich auf das Filmfinale freuen. Da kredenzt Schulheld Torge nicht weniger als Philantropie in Reinform: "Lass dich nicht abstempeln und stemple keine anderen ab." Als ob den letzten Eltern bewiesen werden müsse, dass Internetstars auch gesellschaftliches Sendungsbewusstsein besitzen. Wissen die doch schon. (Spätestens, seitdem LeFloid für das Sommergespräch mit Merkel engagiert wurde.)

Alte Welt trifft neue Welt

 Nein, "Kartoffelsalat" ist kein klassisches Popcorn-Kino weil zu unappetitlich, kein warmgefiltertes Keinohrhasengenre. Der Film ist schrill, Low Budget und sehr, sehr klamaukig. Man muss sich mit Szenen zurechtfinden, in denen Redewendungen wie: "Das ist doch Käse", bildlich nachgespielt werden, mit Discounter-Goudascheiben auf dem Tisch. Nichts für Kritiker, verstanden.

Stattdessen führt der Film eine alte und eine neue Welt zusammen, schickt Youtube-Granden wie Dagi Bee, Y-Titty, Die Lochis, Bibi, Melina und noch viele andere auf die Leinwand, ein gemeinsames Experiment. 17 Millionen Fans der Youtuber, sagen die Macher, kumuliert, versteht sich. Internetkultur aufgepustet auf Spielfilmlänge. Mit Otto Waalkes und Jenny Elvers in der Nebenrolle (und ja, sie darf Alkoholwitze machen). Mehr Vermählung geht wohl nicht.

Mehr Kritik wohl auch nicht, vor der hat sich der Regisseur ja schon präventiv gefeiht. Wer kritisiert, gehört nicht zur Zielgruppe. Ziemlich clever eigentlich. 

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