HOME

Stern Logo Medienkolumne

Die Medienkolumne: Nachrichten mit Claus und Gundula

Mit aller Macht und furchtbar verkrampft will das ZDF seine Nachrichtensendungen amerikanisieren. Immer ganz flockig sein - das geht nicht mit jedem der bisher braven News-Angestellten gut.

Von Bernd Gäbler

Es gibt sie noch, die guten und sachlichen Leute auf dem Bildschirm. Unter den wenigen ganz tollen, den vielen Möchtegern- und den Scharen von inkompetenten Moderatoren und Teleprompter-Ablesern tauchen auch immer noch einzelne freundliche Menschen auf, die sich nicht allein selbst inszenieren, sondern in den Dienst ihrer Sache stellen. Einige Moderatoren im Regionalen gehören dazu, auch einige Nachrichtensprecher wie Ellen Arnhold, Susanne Daubner oder Marc Bator in der ARD. Drängen sie nicht gerade ins Bunte, Volksmusikalische oder andere höhere Sphären wie einst Susan Stahnke, Eva Herman oder bekunden wie Jens Riewa, was für eine Granate "Michelle" doch im Bett sei, dann genießen sie beim Publikum keine euphorische, aber eine ruhige Sympathie.

Katholisch-verlegen verliebt

Im ZDF gehören Barbara Hahlweg, Gundula Gause und Heinz Wolf zur sympathischen Moderatorenriege. Sie verlesen ihre Nachrichten in der aktuellen "heute"-Sendung und sitzen im "heute-journal" brav am Nebentisch, bis sie dran sind mit ihrem sachlichen Nachrichtenüberblick. Soweit, so gut. Müsste nicht alles immerzu erneuert werden und zwar in Richtung flott. Claus Kleber und Gundula Gause sind schon wegen des wunderbaren Stabreims ein einzigartiges TV-Paar. Außerdem wirkt Gundula Gause immer so, als sei sie ein wenig katholisch-verlegen verliebt in den notorischen Kopf-Schiefleger.

Für Kleber ist es nie genug

Für Claus Kleber kann es nie genug sein mit der "Amerikanisierung". Der forschen Ersatzfrau Dunja Hayaly erlaubte er schon mal, ganz locker ihren Hund auf den Moderatorentisch zu platzieren und zum Jahresende klatschten Kleber und Gause sich mit "High Five" ab, als würden sie einem Basketballteam der NBA angehören. Immer "amerikanischer" werden auch die Inhalte, die inzwischen wie selbstverständlich Eingang in die Nachrichten finden. Dazu gehören sentimentale Beiträge über Kinder, die durch Organspenden gerettet wurden, aus dem Standard-Repertoire der Boulevard-Magazine. Zum Tod von Johnny Cash lief nur ein Song. Außerdem wird, als gäbe es keine vollständigen Namen mehr - ganz amerikanisch - radikal geduzt: Aus Tel Aviv berichtet "Karin" und dann gibt es: "Nachrichten mit Gundula".

Heinz schmatzt

Aber was Claus einführt, muss auch Marietta nachmachen. An der Seite von Marietta Slomka verrichtet der stets etwas bieder wirkende Heinz Wolf solide seinen Dienst an der Nachrichtenfront. Aber auch hier soll es unbedingt menscheln und kuschelig-privat anmuten. Nach der Sendung gehen sie gerne noch zusammen "einen Happen essen oder ein Glas Wein trinken" ließ Frau Slomka schon in Interviews verlauten und blinkert neuerdings ein wenig herüber, wenn sie zu Heinz Wolf ("Nachrichten mit Heinz") übergibt. Regelmäßig fühlt sich dieser dann jäh ins Rampenlicht gezerrt und reagiert stets gleich: Auf ein kurzes Schmatzen folgt ein jähes Hochreißen der Mundwinkel, als müsse er im Kindertheater einen Clown darstellen - dann erst geht es los mit dem bis dato üblichen Verlesen der News.

Doppelt "Tschüss" hält besser

Wie blödsinnig das alles ist, spürt der geneigte Zuschauer dann noch einmal am Schluss der Sendung. Alles ist vorbei. Mit den üblichen Hinweisen und Wünschen verabschiedet sich die Moderatorin, dann zieht die Kamera auf - und es gibt noch einen kleinen, nachgeklappten Doppelschluss. Auch Heinz verabschiedet uns noch einmal - nicht richtig, nicht laut, so halb hineingemurmelt ins Nirgendwo. Jetzt fehlt nur noch, dass uns von den Plakatwänden der Republik bald auch "Heinz" grüßt - mit zwei Fingern vor dem Auge.