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Medienkolumne: Warum Matze Knop einfach nicht witzig ist

Im deutschen Fernsehen gibt es gute und schlechte Parodien. Mit Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft steht uns vor allem die schlechtest mögliche ins Haus: in Form von Matze Knop.

Von Bernd Gäbler

Jetzt naht auf allen Kanälen der große Fußball. Damit verbunden ist leider auch ein anderer Auftritt: Sobald es um Fußball geht und lustig werden soll - der leibhaftige Franz Beckenbauer aber nicht greifbar ist - taucht Matze Knop auf: In Talk-Runden, in einer Werbeaktion von Coca-Cola, als "Kult"-Kaiser auf "bild.de", für "Waldis WM-Club" (ARD) ist er angekündigt, sogar im "Aktuellen Sportstudio" (ZDF) sollte er an diesem Sonnabend auftreten - was zum Glück unterblieb.

Angeblich ist Matze Knop total witzig. Angeblich parodiert Matze Knop kongenial Franz Beckenbauer. Tatsächlich aber demonstriert Matze Knop vor allem, wie genügsam er mit dem komödiantischen Prinzip der Parodie umgeht. Weil jeder Franz Beckenbauer kennt - so scheint er zu glauben - reicht es, zur Wiedererkennung ein paar simple Merkmale aufzuführen. So sagt er dann "Schau' mer mal", moduliert seine Stimme etwas bayerisch, murmelt "Lichtgestalt" und klebt sich eine Halbglatze auf. Jeder weiß nun: Das soll Franz Beckenbauer sein.

Leidliche Stimmimitation

Schlägt Matze Knop daraus witzige Funken und überraschende Pointen? Mitnichten. Mit etwas Verkleidung und leidlicher Stimm-Imitation gibt er sich zufrieden. Dann bringt er ein paar allgemeine Fußballweisheiten oder sagt: "Ja, gut äh...". Sein Witz funktioniert so: Er stellt sich in Maskerade neben Kevin Kuranyi und sagt "Mario Gomez" zu ihm. Ein Kracher! Einmal darf er sogar - auf Youtube ist das noch zu besichtigen - als "Kult-Kaiser" den wirklichen Franz Beckenbauer treffen. Wie nutzt er diese besondere Gelegenheit? Indem er Franz Beckenbauer Spielergebnisse tippen lässt! Öder geht es kaum.

Der höfliche Franz Beckenbauer erträgt Matze Knop geduldig. Als der richtige Franz Beckenbauer dann gegangen ist, fragt der Parodist eine Dame: "Wo bin ich denn hingegangen?" Da die Dame aber gar nicht auf die Idee kommt, den Mann mit der angeklebten Glatze mit Beckenbauer zu verwechseln, versteht sie die Frage nicht. Jeder halbwegs ambitionierte Comedian hätte dieses Video als misslungenen Versuch verworfen - Matze Knop aber präsentiert es stolz. Stolz worauf?

Lieber Frank Goosen oder Django Asül

Der Bielefelder Matze Knop hat in Dortmund Journalistik studiert. Dann wurde er Witzbold beim privaten Radio NRW. Dort reüssierte er in der Rolle des tumben Ruhrpott-Proleten "Richie" - und profilierte sich mit dieser Ballermann-Verdoppelung. Bald übertrug er die Rolle ins Fernsehen. Gemeinsam mit Oliver Pocher hat er dann entdeckt, dass es offenbar großen Bedarf gibt, das emotionale Massenerlebnis Fußball mit Humor zu verbinden. Allein - ob in Sketchen, "Panel-Runden" oder Talks: So richtig gelingt es meistens nicht. Am besten sind da noch kurze Radio-Pointen wie es sie zu Lukas Podolski oder Oliver Kahn gab. Auch Frank Goosen oder Django Asül machen schon mal lustige Bemerkungen zum Fußball - aber eben nicht in einer Rollenparodie.

Denn Parodie heißt nicht, einfach nachzuahmen, was ohnehin jeder kennt, sondern sich in Gestus, Habitus und Sprache des Dargestellten hineinzuversetzen. Darum konnte Loriot Bernhard Grzimek perfekt parodieren, selbst wenn er ihm nicht zum Verwechseln ähnlich sah. Genaue Beobachtung und präzise Arbeit sind die Basis jeder guten Parodie. Diese Tugenden pflegt Matze Knop nicht. Es gibt Tausende, die sich einbilden, sie könnten Marcel Reich-Ranicki parodieren: Tatsächlich lispeln sie nur. Auf diesem Niveau agiert auch Matze Knop - und Fortschritt ist leider nicht festzustellen.

Vielleicht bin ich ja zu empfindlich? Aber das liegt auch daran, dass es die gute Beckenbauer-Parodie jenseits von Matze Knop längst gibt: "Harald Schmidt: Was tun, Herr Beckenbauer?" ist ebenfalls auf YouTube anzuschauen. Olli Dittrich gibt hier Franz Beckenbauer in ganz anderer Manier. Er verzichtet - anders als noch zu Zeiten von "2 Stühle, eine Meinung" in "RTL-Samstagnacht" - auf jede oberflächliche Pointe, aber bringt "den Kaiser" ironisch zu sich selbst. Wenn er etwa weitschweifig gegensätzliche Ansichten in einen Satz frachtet, das macht Beckenbauer kenntlich. Hier spürt man Arbeit und Genauigkeit. Olli Dittrichs Beckenbauer-Parodie ist Kunst - Matze Knops nicht einmal Kunsthandwerk.

Für die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft kann man allen Zuschauern nur raten, dem schlechten Parodisten Matze Knop weiträumig auszuweichen.