HOME

Neue Comic-Verfilmungen: Die Suche nach dem nächsten Iron Man

Im Kino jagt eine Comic-Verfilmung die nächste, in denen sich fast immer die gleichen Superhelden tummeln. Doch es sind auch ein paar Nachfolger für Captain America, Spider-Man und Co. in Sicht.

Von Patrick Heidmann

Wann genau begann eigentlich die Hochzeit der Comic-Verfilmungen? 2005, als Christopher Nolan mit "Batman Begins" den Dark Knight rebootete? Oder erst 2008, als "Iron Man" einen selbst in den USA fast in Vergessenheit geratenen Superhelden erfolgreich aus der Versenkung holte - und nebenbei den Ex-Junkie Robert Downey jr. zum Superstar machte?

Die altbewährten Recken

Unbestritten ist jedenfalls: all diese Retter und Rächer mit ihren Umhängen, Masken und Superkräften sind nicht nur nicht mehr aus den Kinos wegzudenken. Comic-Verfilmungen sind für die Hollywood-Studios viel mehr zu den wichtigsten Produktionen überhaupt geworden. Selbst in Deutschland, wo etwa "Iron Man" anfangs nicht annähernd auf das gleiche Interesse stieß wie in den USA, ist spätestens mit dem Erfolg von "Marvel's The Avengers" der Superhelden-Knoten geplatzt.

Aber wie lange hält der Boom noch an? Was bringt die Zukunft dieses Genres? Aktuell lautet das Motto meistens: mehr vom Gleichen. Deswegen geht aktuell mit "The Return of the First Avenger" Captain America in die nächste Runde, mit "The Amazing Spider-Man 2 - Rise of Electro" und "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" stehen im April und Mai weitere Fortsetzungen an. Und "Thor: The Dark Kingdom" ist soeben auf DVD und Blu-ray erschienen. Doch dabei bleibt es nicht, wie ein Blick auf die nächsten Monate zeigt.

Guardians of the Galaxy

Nie von den Guardians of the Galaxy gehört? Keine Sorge, wir auch nicht. Das Superhelden-Team stammt zwar auch aus dem Hause Marvel und ist insgesamt bereits seit 1969 im Einsatz. Doch in Sachen Popularität konnte es die Truppe nicht nur in Deutschland nie mit Hulk, Thor und Co. aufnehmen.

Trotzdem steht nun Ende August das erste Leinwandabenteuer an - und dem ersten Trailer nach zu urteilen wird Comedy bei den Guardians groß geschrieben. Scheinbar handelt es sich bei diesen 'Helden' um einen ziemlich bunt zusammengewürfelten Chaoshaufen, der sich im Weltall gerne mal mit den Falschen anlegt. Dass der ultra-sympathische Chris Pratt den Protagonisten spielt, Bradley Cooper einen schwer bewaffneten Waschbären gibt und Glenn Close oder Benicio Del Toro kleine Nebenrollen spielen, ist dabei auf jeden Fall vielversprechend. Allerdings hat erst vor ein paar Jahren "Watchmen - Die Wächter" gezeigt, dass Superhelden der ungewöhnlichen Art nicht immer als Erfolgsrezept taugen.

Fantastic Four

War da nicht schon mal was? Ach ja richtig, schon 2005 versuchten die "Fantastic Four" ihr Glück im Kino. Unter anderem mit Jessica Alba und dem späteren "Captain America" Chris Evans in den Hauptrollen und sogar einer Fortsetzung zwei Jahre später. Etwas Peinlicheres als diese beiden Filme hat das Superhelden-Genre selten je gesehen, weswegen man schon staunen darf, dass es noch Produzenten gibt, die dieses Franchise auch nur mit der Kneifzange anfassen.

Aber weil es sich bei diesem für 2015 geplanten neuen Film natürlich nicht um eine Fortsetzung, sondern um ein Reboot handelt, will man vermutlich ohnehin die Erinnerung das Debakel von damals einfach vergessen machen. Die auf jung getrimmte Besetzung klingt schon mal so, als könnte das gelingen. Verpflichtet (angeblich für mindestens zwei Filme) wurden vier derzeit schwer angesagte Shooting Stars: Miles Teller (im April in "Die Bestimmung - Divergent" und "Für immer Single?" zu sehen), Michael B. Jordan (demnächst außer in "Für immer Single?" auch in "Nächster Halt Fruitvale Station"), Kate Mara (bekannt aus "House of Cards") sowie Jamie Bell (ab 3. April als Sadist in "Nymphomaniac 2").

Ant-Man

Schon seit Jahren ist in Hollywood die Rede von einem Film über diesen dank einer chemischen Substanz sicherlich kleinsten Superhelden. Nun wird die Planung tatsächlich konkret. Das Drehbuch von Edgar Wright ("The World's End"), der auch Regie führen wird, ist fertig und mit Paul Rudd ist der passende Hauptdarsteller schon verpflichtet. Der Verdacht, dass aus der Sache eine eher lustige Angelegenheit werden könnte, liegt bei diesen Namen nahe. Aber Michael Douglas (als Erfinder von besagter Substanz) in seinem ersten Comic-Blockbuster weckt ebenfalls Interesse.

Achtung übrigens: bloß nicht verwechseln mit "Antboy", der seit dem 27. März in den deutschen Kinos läuft. Dabei handelt es sich nämlich um einen höchst charmanten dänischen Kinderfilm, im der kleine Held ein riesiger Fan von Superhelden ist - und nach einem Ameisenbiss plötzlich selbst ungeahnte Fähigkeiten an den Tag legt.

Batman vs. Superman

Was wurde im Internet nicht schon diskutiert (oder auch: geschimpft), als schon ein halbes Jahr nach dem Superman-Reboot "Man of Steel" bekannt wurde, dass es als nächstes zum Gipfeltreffen der beiden Umhang-Helden kommen soll. Und vor allem, als dann ausgerechnet Ben Affleck als nächster Batman-Darsteller verpflichtet wurde.

Was genau die Fans in diesem Film (der bislang keinen offiziellen Titel hat) erwarten wird, ist noch streng geheim. Aber folgende Fakten sind bekannt: Zack Snyder führt wieder Regie, Amy Adams wird erneut als Lois Lane zu sehen sein, Jesse Eisenberg spielt Lex Luthor und in die Rolle der Wonder Woman schlüpft die Israelin Gal Gadot. Ach, und der Starttermin wurde übrigens gerade um ein Jahr auf den Sommer 2016 verschoben.

Sonstige Gerüchte

Dass es im kommenden Jahr einen neuen "Avengers"-Film und später auch weitere Abenteuer von Thor, Captain America, Spider-Man und Wolverine geben wird, ist wohl gesichert. Und womöglich auch einen neuen "Iron Man", wenn Downey jr. sich mit den Produzenten finanziell einig wird. Ansonsten, so hört man, ist wohl auch ein eigenständiger Film für Scarlett Johanssons Black Widow vorstellbar. Außerdem ist ein "Spider-Man"-Spin-off über den Erzfeind Venom in Planung, ebenso eine Adaption des schwarzen Superhelden Black Panther.

Hartnäckig hält sich auch das Gerücht eines Leinwand-Auftritts der "Justice League", einem Pedant zu den Avengers, nur nicht aus dem Hause Marvel, sondern vom Konkurrenz-Comicverlag DC. Da würden dann Batman, Superman, Wonder Woman, Green Lantern und andere Superhelden gemeinsam gegen das Böse kämpfen. Und dann ist da auch noch die angedachte "Doctor Strange"-Verfilmung, in der Johnny Depp den magisch begabten Titelhelden spielen soll. Ob daraus etwas wird, dürfte vor allem eine Zeitfrage sein. Denn auf Depp warten mit neuen Fortsetzungen von "Alice im Wunderland" und "Fluch der Karibik" derzeit noch ganz andere Helden-Aufgaben.

Das Neueste zum Thema Kino und Film finden Sie auf unserem Twitter-Kanal @stern_kino.

Patrick Heidmann