HOME

Neues Herbstprogramm: Der Kampf um den TV-Markt wird härter

Derzeit rüsten sich die TV-Sender für die kommende Fernsehsaison. In Zeiten schrumpfender Werbeetats ist der Konkurrenzkampf härter denn je - zumal neue Wettbewerber aufgetaucht sind.

Die vier Geschäftsführer der RTL-Sender RTL, Vox, Super RTL und n-tv hören zur Zeit gerne auf den Beinamen "Die Phantastischen Vier". Denn mit der gleichnamigen Hiphop-Band touren sie und die Werbezeitenvermarktungsfirma IP Deutschland im Augenblick durch das Land, um ihre neuen Herbstprogramme bei den Werbekunden anzubieten. Bei den abendlichen Partys in den deutschen Großstädten wie Hamburg oder München schlüpfen Anke Schäferkordt (RTL), Frank Hoffmann (Vox), Claude Schmit (Super RTL) und Johannes Züll (n-tv) gerne in schillernde Revue-Kleidung und legen in Quartettformation ein paar Tanzschritte aufs Parkett.

Eine Gute-Laune-Tour für das neue Programm ist wichtig. Denn die RTL-Gruppe will genauso wie ihr Gegenüber, die ProSiebenSat.1 Media AG und ihr Vermarkter SevenOneMedia, eine gute Figur abgeben. Es geht um die Aufteilung der Werbegelder in Höhe von geschätzt rund 3,8 Milliarden Euro insgesamt in der kommenden Saison. Ein Unterfangen, das schwerer ist denn je, denn die Branche weiß, das im laufenden Jahr für die elektronischen Medien zwei Prozent weniger Geld in Werbung investiert wird als 2004. Der Wettbewerb ist noch härter als im Vorjahr, da plötzlich drei neue Konkurrenten aufgetaucht sind, die am großen Kuchen knabbern.

Das Vierte sendet Filme von NBC Universal

Mit Das Vierte, Nick und dem neu ausgerichteten Tele 5 wollen jetzt drei über Kabel und Satellit verbreitete Fernsehsender im frei empfangbaren TV am Geschehen teilnehmen, die bis vor kurzem noch keiner so richtig auf der Rechnung hatte. Das Vierte läuft auf der bisherigen Frequenz von NBC Giga und bietet mehrere Stunden täglich Filme aus der Library des US-Konzerns NBC Universal (12,8 Milliarden Dollar Umsatz). Tele 5 stellt auch fast komplett auf Filme und Serien um, bedient sich aus dem reichen Fundus der Tele München Gruppe und hat jüngst Deals mit den Firmen Intertainment und Kineos bekannt gegeben. Und Nick, mit dem US-Giganten Viacom im Rücken, nimmt wie einst das in Deutschland gescheiterte Nickelodeon die Kinder ins Visier.

Für Marktführer RTL wird die Saison schwer. Mit Chefin Anke Schäferkordt soll aber neuer Wind durch die Aachener Straße in Köln wehen. Bei ihren Präsentationen konnte die künftige Geschäftsführerin einen Spielfilm-Deal mit eben jenem Unternehmen NBC Universal ankündigen, das mit seinem Archiv selbst in Das Vierte an den Start geht. Bei eigenentwickelten Programmen setzt Schäferkordt auf "serviceorientierte" Formate wie "Super Nanny", "Die erste Wohnung", "Haltet den Dieb" und laut "kress report" "Families at War", "Die Hausmeister" und "Die Makler".

RTL 2 bringt Lothar Matthäus

Eigene Filme sind allerdings Mangelware. Als größtes TV-Ereignis im Herbst soll die aufwendige Verfilmung der Hamburger Sturmflut von 1962 gezeigt werden. Dafür konnte ein deutsches Staraufgebot gewonnen werden, darunter Benno Fürmann, Jan Josef Liefers, Heiner Lauterbach und Nadja Uhl. Vox verfügt über eine Reihe neuer US-Serien, n-tv freut sich besonders über den Polittalk mit "Welt am Sonntag"-Chefredakteur Christoph Keese. Der Sender RTL 2, der nicht mehr zur RTL-Familie gehört, favorisiert Science-Fiction-Programme wie "Battlestar Galactica" und die Fußballer-Soap "Borussia Banana" mit Lothar Matthäus.

Der Berliner Privatsender Sat 1 will in Zukunft verstärkt auf hochwertige Serien setzen. Mit Produktionen wie "Bis in die Spitzen" solle mehr Relevanz in das Format Serie gebracht werden, sagte die stellvertretende Sat-1-Geschäftsführerin Alicia Remirez in Hamburg. "In Deutschland wurde die Serie in den vergangenen Jahren etwas schleifen gelassen", sagte sie. "Wir wollen künftig mit mehr Intensität erzählen." Die erste Staffel von "Bis in die Spitzen" beginnt am 10. Oktober. Die 13 Folgen laufen immer montags um 21.15 Uhr.

Serie über einen Berliner Friseursalon

Die neue Produktion spielt in einem Berliner Friseursalon und ist eine Adaptation der BBC-Serie "Cutting it". Im Mittelpunkt steht Niki Henschel (Jeanette Hain), die zusammen mit ihrem Mann Philip (Tobias Oertel) einen Friseursalon führt. Plötzlich taucht ihre große Jugendliebe Finn (Ralph Herforth) auf, sexsüchtig, skrupellos und vor allem: noch immer verliebt in Niki. Er eröffnet zusammen mit seiner Frau Mia (Muriel Baumeister) genau gegenüber von Nikis Geschäft einen Konkurrenzsalon. Nikis berufliches und privates Leben geraten aus den Fugen, die Ehe droht zu zerbrechen.

Daneben hofft Sat 1 auf eine gute Performance von Bettina Rust als Talklady und Serien wie "Bis in die Spitzen". ProSieben verspricht sich viel von Heidi Klums neuer Model-Show und Filmen wie "Tsunami". Der ARD/ZDF- Kinderkanal hat für den Herbst sogar ein neues Erscheinungsbild geschaffen und will "noch bunter" werden. Arabella Kiesbauer verstärkt im Winter den Nachrichtender N24 und moderiert sogar eine Silvestergala für den Kultursender Arte.

Im bunten Programmgenre haben auch die öffentlich-rechtlichen Sender neue Angebote in petto: Die ARD ersetzt den Talk Jürgen Flieges durch die Telenovela "Sturm der Liebe", später folgt Yvonne Catterfelds Soap "Braut wider Willen". Dazu kommen die Serien "Türkisch für Anfänger" sowie "Liebe, Liebe", ein Nachfolgeprodukt von "Berlin, Berlin", auch aus der Feder von Autor David Safier. Das ZDF, Telenovela-erprobt durch "Bianca", lässt "Julia - Wege zum Glück" folgen. Neu sind auch die Serien "Hafenkante", "Feuer und Flamme" und "5 Sterne".

Die Sommerpause 2006 wird auf jeden Fall nicht so lange wie das Wiederholungskonzert in diesem Jahr: Denn im Juni beginnt in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft - Erstausstrahlungen garantiert.

che mit Material von DPA