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Oscar-Verleihung 2017: Casey Affleck – über seinem Oscar-Gewinn liegt ein Schatten

Casey Affleck hat den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen. Künstlerisch gibt es an dieser Entscheidung nichts auszusetzen. Dennoch versetzte sie die Überbringerin Brie Larson in eine schwierige Lage.

Casey Affleck nimmt seinen Oscar entgegen

Casey Affleck nimmt seinen Oscar als bester Hauptdarsteller entgegen. Wie schon bei den Golden Globes überreichte auch diesmal Brie Larson die Trophäe.

Schauspielerin Brie Larson ließ sich nichts anmerken. Als die beste Hauptdarstellerin des Vorjahres den Umschlag öffnete, um den besten Hauptdarsteller dieses Jahres zu verkünden, lächelte sie leicht und verkündete den Namen des Siegers: "And the Oscar goes to ... Casey Affleck." 

Als der 41-Jährige die Bühne betrat, umarmte sie ihn sogar kurz. Was insofern bemerkenswert ist, als dass Larson Affleck diese Geste vor wenigen Wochen noch verweigert hatte. Anfang Januar überreichte sie den Golden Globe als besten Hauptdarsteller in einem Drama - und musste auch da Affleck auf die Bühne rufen. Sie überreichte ihm brav die Trophäe, drehte dann aber ohne Umarmung und Herzlichkeit ab. 


Brie Larsons kühles Verhalten hat einen Grund. Der liegt sieben Jahre zurück: 2010 hatten zwei Frauen ein Klage wegen sexueller Belästigung gegen den jüngeren Bruder von Hollywood-Star Ben Affleck eingereicht. Eine Producerin und eine Kamerafrau, die mit Affleck zusammen "I'm Still Here" gedreht hatten, erhoben pikante Vorwürfe gegen den Schauspieler wegen dessen Verhaltens bei den Dreharbeiten zu der Pseudodoku und forderten 2,25 beziehungsweise 2 Millionen Dollar.

Klage gegen Casey Affleck 

Die Klage wurde damals außergerichtlich beigelegt. Seither gibt es keine neuen Vorwürfe gegen Affleck. Doch wenn eine solche Geschichte einmal in der Welt ist, geht sie nicht mehr weg. Im Vorfeld der diesjährigen Oscar-Verleihung gab es einige Tweets und Artikel, die noch einmal an den Vorfall erinnerten.

Da die Academy vorrangig schauspielerische Leistungen bewertet und nicht einen tadellosen Charakter, gibt es an der Entscheidung für Affleck nichts auszusetzen. Seine Darstellung eines traumatisierten Hausmeisters in dem Drama "Manchester by the Sea" ist berührend und ohne Zweifel preiswürdig.

Brie Larsons Zwiespalt

Die Überbringerin Larson steckte in diesem Jahr allerdings in einem besonderen Zwiespalt. Denn die Schauspielerin hat bei der Oscar-Verleihung im vergangenen Jahr klar Position bezogen. Lady Gaga hatte damals ihren Song "Til It Happens to You" auf der Bühne performt, der aus einem Film über den sexuellen Missbrauch an Universitäten in den USA stammt. Gegen Ende betraten zahlreiche Männer und Frauen die Bühne, alle Opfer sexuellen Missbrauchs. Brie Larson eilte nach dem Auftritt zur Bühne, um möglichst viele der Männer und Frauen zu umarmen. Ein starkes Bekenntnis der Solidarität mit Missbrauchs-Opfern.

Da entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet sie Casey Affleck die Trophäe überreichen musste - und das gleich zwei Mal. Brie Larson hat diese Herausforderung professionell bewältigt, hat gleichzeitig das Gesicht gewahrt, einen Eklat aber vermieden. Der wäre wenige Minuten später eh vergessen gewesen: Dann riefen Warren Beatty und Faye Dunaway nämlich den falschen Oscargewinner aus - und alles stand Kopf.