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Roman Polanski: "Ein kleiner, lasterhafter Zwerg"

Der polnisch-französische Regisseur und Schauspieler Roman Polanski gehört zu den unkonventionellen Filmemachern unserer Zeit. Am 18. August feiert er seinen 70. Geburtstag.

Schauspieler sind für Roman Polanski aufbrausende Idioten, Filme drehen ist reines Show-Business und Männer sind stärker und größer als Frauen - auch wenn er selber nur knapp 1,64 misst. Der polnisch-französische Regisseur und Schauspieler sagt, was er denkt und gehört zu den unkonventionellen Filmemachern unserer Zeit. Am 18. August feiert Polanski seinen 70. Geburtstag.

Vom Frühwerk «Das Messer im Wasser» über den Kultfilm «Rosemary's Baby» bis zu «Der Tod und das Mädchen» reicht die Liste seiner Meisterwerke. Für den Getto-Überlebensfilm «Der Pianist» erhielt Polanski 2002 in Cannes die erste Goldene Palme seiner langen Karriere. Mit diesem außergewöhnlichen Film, der die authentische Geschichte des jüdischen Klavierspielers Wladyslaw Szpilman im Warschauer Getto erzählt, hat der Regisseur indirekt auch eigene, dramatische und traumatisierende Lebenserfahrungen zum Thema gemacht.

Polanski, eigentlich mit dem Vornamen Raymond, wurde 1933 in Paris als Sohn jüdischer Eltern geboren. Zwei Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ziehen die Eltern mit ihm in ihr Heimatland Polen zurück. Die Familie wird im Krakauer Getto interniert, Vater und Sohn überleben, die Mutter stirbt im Konzentrationslager.

Tragischer Mord seiner schwangeren Frau

«Der Pianist» gilt als der «persönlichste Film» des Regisseurs. Doch auch seine Horror-Filmparodien «Tanz der Vampire» und «Rosemary's Baby» wirken im Nachinein wie vorweggenommene Anspielungen auf das eigene Schicksal. Denn nach diesen Filmen wurde seine hochschwangere Frau, die Schauspielerin Sharon Tate und mehrere ihrer gemeinsamen Freunde, bestialisch von einer okkulten Sekte in Los Angeles ermordet. Polanski war zur Zeit des Verbrechens in London. Manche verdächtigten ihn, ein Anhänger der schwarzen Magie zu sein und mit seinen Filmen die Kräfte des Bösen beschworen zu haben.

Strafverfolgung in den USA

«Seit Sharons Tod - mag der äußere Schein auch dagegen sprechen - geht durch meine Lebensfreude ein Riss», schrieb der Filmemacher, der heute in dritter Ehe mit der 30 Jahre jüngeren Schauspielerin Emmanuelle Seigner verheiratet ist, in der 1984 erschienenen Autobiografie «Roman Polanski». «Ich hatte es satt, meine Biografien von mir gänzlich unbekannten Leuten zu lesen», erklärte er nach dem Erscheinen des Buches, in dem er sich auch dafür rechtfertigt, wegen Drogenmissbrauch und Verführung einer Minderjährigen im Jahr 1977, was in Kalifornien als Vergewaltigung gilt, vor Gericht gebracht worden zu sein. Der strafrechtlichen Verfolgung entzog sich der Künstler, der seit 1976 französischer Staatsbürger ist, dadurch, dass er die Vereinigten Staaten verließ. Seither lebt er in Paris.

"Keine Parallelen zum Privatleben"

Polanski erzählt nur ungern über sein Leben. «Man darf keine Parallelen zwischen der erdichteten Handlung und dem Privatleben eines Künstlers ziehen», warnte der Regisseur - auch wenn der erotische Thriller über Liebe und Leidenschaft, in dem seine Frau Emmanuelle Seigner mitspielt, Ähnlichkeiten zu seiner eigenen Lebensgeschichte aufweist.

In «Der Pianist» versteckt sich Polanski, der über sich schrieb, dass weite Kreise in ihm einen bösen, lasterhaften Zwerg sehen, hinter dem jüdischen Pianisten, der in ständiger Angst und bei elendem Hunger auf das Ende des Krieges wartet. «Ich habe den Stoff gefunden, um auch eigene Erlebnisse wiederauferstehen zu lassen, ohne zu viel über mich selbst zu erzählen.»

Sabine Glaubitz / DPA