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"The Circle" Wenn das Silicon Valley außer Kontrolle gerät

The Circle
Mae (Emma Watson) auf dem riesigen Firmengelände von The Circle
© Frank Masi/Universumfilm
Der gläserne Mensch kommt: In der Bestseller-Verfilmung "The Circle" verfällt Emma Watson dem Sog einer mächtigen Tech-Firma in Kalifornien. Leider hat die Dystopie auch als Film ihre Schwächen.

Im Grunde ist "The Circle" ein Horrofilm. Es ist gruselig, wie selbstverständlich die junge Mae Holland (Emma Watson) ihre Privatsphäre für die Karriere opfert. Es ist brutal, wie fast unmerklich immer mehr Tabus gebrochen werden. Und es ist unheimlich, wie lässig Tom Hanks als eine Art Jobs/Zuckerberg/Ted-Talk-Held einen Firmen-Leitspruch wie "Geheimnisse sind Lügen" verkauft. Trotzdem ist "The Circle" kein guter Film und das ist verdammt schade.

Denn die Themen, die verhandelt werden, sind auch heute, vier Jahre nach der Veröffentlichung der Buchvorlage, brandaktuell. In "The Circle" geht es um totale Überwachung, um Datensicherheit, und um einen Technik-Kult, der religionsartig immer mehr Anhänger rekrutiert. Die Firma, in der Mae Holland ihren Traumjob antritt, ist eine Mischung aus Facebook, Google und sämtlichen Start-Up-Klischees, die man aus dem Silicon Valley so kennt. Holland ist begeistert vom hippen, engagierten Team dort und die Sequenzen, in denen das Apple-ähnliche Firmengelände vorgestellt wird machen Spaß  - und gehen nah. Denn jeder, der sich schon mal stundenlang bei Facebook, Twitter oder WhatsApp verloren hat, wird Hollands anfängliche Überforderung mit der "total freiwilligen" Teilnahme an den sozialen Netzwerken der Firma nachvollziehen können. 

Der Film hat die gleichen Probleme wie das Buch - und auch Emma Watson hilft nicht

Doch Likes und Zuspruch machen süchtig und so steigt Holland schnell auf. Sie wird zum persönlichen Versuchskaninchen von Circle-Chef Eamon Bailey (Hanks) und zur öffentlichen Gallionsfigur der Firma. Ausgestattet mit einer Mini-Kamera sendet sie 24 Stunden am Tag aus ihrem Leben - und erfährt als eine Art Kardashian des Silicon Valleys die Höhen und Tiefen des Internetruhms.

Der Film hat die gleichen Probleme wie auch schon der Bestseller von Dave Eggers: Die Figuren sind holzschnittartig angelegt, die Welt ist zu offensichtlich in Gut und Böse eingeteilt, die Dramaturgie ist einfältig. Das mag als Stilmittel eingesetzt worden sein, macht das emotionale Erleben des Stoffs jedoch sowohl im Buch als auch auf der Leinwand schwer. Eine vielschichtigere Schauspielerin als Emma Watson hätte dem Material vielleicht mehr Tiefe verleihen können, so wird leider auch im Film nicht klar, warum die Protagonistin leichtfertig ihre Überzeugungen aufgibt, sogar Familie und Freunde verrät. Die Botschaft des Buchs, immerhin eine düstere Warnung vor einem komplett transparenten Leben, kommt nur schwach beim Zuschauer an - und auch der Grusel, der beim finalen Szenario durchaus angebracht wäre, fällt aus.

"The Circle" läuft ab dem 7. September in den deutschen Kinos

sst

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