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Kinokritik

"The Circle": Wenn das Silicon Valley außer Kontrolle gerät

Der gläserne Mensch kommt: In der Bestseller-Verfilmung "The Circle" verfällt Emma Watson dem Sog einer mächtigen Tech-Firma in Kalifornien. Leider hat die Dystopie auch als Film ihre Schwächen.

The Circle

Mae (Emma Watson) auf dem riesigen Firmengelände von The Circle

Im Grunde ist "The Circle" ein Horrofilm. Es ist gruselig, wie selbstverständlich die junge Mae Holland ( ) ihre Privatsphäre für die Karriere opfert. Es ist brutal, wie fast unmerklich immer mehr Tabus gebrochen werden. Und es ist unheimlich, wie lässig Tom Hanks als eine Art Jobs/Zuckerberg/Ted-Talk-Held einen Firmen-Leitspruch wie "Geheimnisse sind Lügen" verkauft. Trotzdem ist "The Circle" kein guter Film und das ist verdammt schade.

Denn die Themen, die verhandelt werden, sind auch heute, vier Jahre nach der Veröffentlichung der Buchvorlage, brandaktuell. In "The Circle" geht es um totale Überwachung, um Datensicherheit, und um einen Technik-Kult, der religionsartig immer mehr Anhänger rekrutiert. Die Firma, in der Mae Holland ihren Traumjob antritt, ist eine Mischung aus Facebook, Google und sämtlichen Start-Up-Klischees, die man aus dem so kennt. Holland ist begeistert vom hippen, engagierten Team dort und die Sequenzen, in denen das Apple-ähnliche Firmengelände vorgestellt wird machen Spaß  - und gehen nah. Denn jeder, der sich schon mal stundenlang bei Facebook, Twitter oder WhatsApp verloren hat, wird Hollands anfängliche Überforderung mit der "total freiwilligen" Teilnahme an den sozialen Netzwerken der Firma nachvollziehen können. 

Der Film hat die gleichen Probleme wie das Buch - und auch Emma Watson hilft nicht

Doch Likes und Zuspruch machen süchtig und so steigt Holland schnell auf. Sie wird zum persönlichen Versuchskaninchen von Circle-Chef Eamon Bailey (Hanks) und zur öffentlichen Gallionsfigur der Firma. Ausgestattet mit einer Mini-Kamera sendet sie 24 Stunden am Tag aus ihrem Leben - und erfährt als eine Art Kardashian des Silicon Valleys die Höhen und Tiefen des Internetruhms.

Der Film hat die gleichen Probleme wie auch schon der Bestseller von Dave Eggers: Die Figuren sind holzschnittartig angelegt, die Welt ist zu offensichtlich in Gut und Böse eingeteilt, die Dramaturgie ist einfältig. Das mag als Stilmittel eingesetzt worden sein, macht das emotionale Erleben des Stoffs jedoch sowohl im Buch als auch auf der Leinwand schwer. Eine vielschichtigere Schauspielerin als Emma Watson hätte dem Material vielleicht mehr Tiefe verleihen können, so wird leider auch im Film nicht klar, warum die Protagonistin leichtfertig ihre Überzeugungen aufgibt, sogar Familie und Freunde verrät. Die Botschaft des Buchs, immerhin eine düstere Warnung vor einem komplett transparenten Leben, kommt nur schwach beim Zuschauer an - und auch der Grusel, der beim finalen Szenario durchaus angebracht wäre, fällt aus.

"The Circle" läuft ab dem 7. September in den deutschen Kinos

sst
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo