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TV-Programm: Invasion der Mehrteiler

Mit hohen Kosten produzierte Mehrteiler sollen den Zuschauer erfreuen. Leider will das Publikum von der Krönung des Programms häufig gar nichts wissen.

Das deutsche Fernsehen meint es gut mit seinen Zuschauern: Ob "Der Wunschbaum" oder "Mein Vater der Kaiser" - eine auffällig hohe Zahl selbstproduzierter Mehrteiler flimmern seit Jahresanfang über die Bildschirme. Die Produktionskosten sind hoch, für den ARD-Dreiteiler "Der Wunschbaum" etwa sprechen Branchenkreise von bis zu sieben Millionen Euro. Die Einschaltquoten indes lassen oft zu Wünschen übrig. Trotzdem setzen die Sender weiter auf ihre Mehrteiler-Schmuckstücke: Die ARD steht mit der Henning-Mankell- Verfilmung "Die Rückkehr des Tanzlehrers", das Zweite mit dem Historienfilm "Nero" in den Sende-Startlöchern.

Der Mehrteiler-Marathon

Zu Beginn des Monats legten die Sender mit ihrem Mehrteiler- Marathon los. Am 2. Januar liefen gleich zwei ARD-Produktionen: Der Rokoko-Ballade "Das unbezähmbare Herz", die auf etwa 3,5 Millionen Produktionskosten taxiert wird, folgte "Das Konto", ein Wirtschaftsthriller mit Heino Ferch in der Hauptrolle - ungefähre Kosten mindestens 2,5 Millionen Euro. Während sich für die historische Romanze rund 4,5 Millionen Zuschauer erwärmten, blieb "Das Konto" mit bis zu 3,3 Millionen vor den Bildschirmen eher unter den Quoten-Hoffnungen. Die beiden Filme richteten sich an weitgehend unterschiedliche Zielgruppen und seien sich daher nicht in die Quere gekommen, heißt es von der ARD-Filmtochter Degeto.

Zur Erstausstrahlung ins Spätprogramm verbannt

Eine "Verschwendung" durch das Senden mehrerer Fernsehfilme in dichter Folge sieht auch der Leiter des Marler Adolf Grimme Instituts, Bernd Gäbler, nicht. Er sei froh über jeden Euro, der ins Programm investiert werde. Außerdem lägen zwischen Produktionen wie dem Wirtschaftsthriller "Das Konto" und "Der Wunschbaum", einer Familiensaga aus der Zeit um 1900, allein thematisch "Lichtjahre". Teils wären jedoch bessere Sendeplätze von Vorteil gewesen. "Das Konto" etwa wurde erst um 22.00 Uhr, am zweiten Abend noch später gezeigt. "Das hätte ich besser platziert", sagte Gäbler.

Insgesamt Rückgang der 90-Minüter

"Januar ist Mehrteilerzeit", sagt Karl-Otto Saur vom Bundesverband der Fernsehproduzenten. Eine übermäßige Häufung an ausgestrahlten Stücke erkenne er insgesamt aber nicht. Vielmehr gebe es im deutschen Fernsehen einen Rückgang bei den 90-Minütern. Seiner Einschätzung nach würden in diesem Jahr nicht mehr als 200 davon produziert, vor drei Jahren seien es noch mehr als 300 gewesen. "Auf Grund der hohen Produktionskosten ist zudem eine absolute Orientierung am Geschmack der Zuschauer angesagt". Und dazu gehören seiner Ansicht nach in erster Linie Krimis und Familienkomödien.

Obwohl Augustus schwächelte, kommt Nero

Auch das ZDF setzt auf neue Mehrteiler - zumindest drei folgen noch in diesem Jahr. Trotz eher mageren Interesses der Zuschauer am Zweiteiler "Mein Vater, der Kaiser" über den römischen Kaiser Augustus - an beiden Januarabenden sahen rund 3,5 Millionen Deutsche zu - will das ZDF auch am Historienfilm festhalten, obwohl die Lizenz nach Schätzungen in Branchenkreisen etwa 2,5 Millionen Euro kostete. "Der Erfolg des Mehrteilers "Napoleon" aus dem vergangenen Jahr ist eben nicht einfach auf die Römerzeit umzuschreiben", sagt ZDF- Programmdirektor Thomas Bellut. Demnächst steht "Nero" auf dem Programm.

Deutsche Zuschauer wollen angeblich " die menschliche Dimension"

Für gute Quoten in Deutschland sei bei diesen internationalen Koproduktionen ein größeres Mitspracherecht nötig. Die Zuschauer wollen nach Einschätzung Belluts deutsche oder international bekannte Schauspieler in Hauptrollen sehen, außerdem müsse die Erzählform weniger wortlastig sein, als es etwa Italiener und Spanier liebten. "Den Deutschen kommt es mehr auf die menschliche Dimension drumherum als auf pompöse kriegerische Handlungen an."

Dass ausländischer Stoff hier zu Lande gut ankommt, hat auch der ZDF-Mehrteiler "Die Rückkehr des Vaters" mit mehr als fünf Millionen Zuschauern an beiden Sendeabenden gezeigt. Der Trick bei dieser italienischen Adaption: Der Sender übernahm nur die Idee, trimmte die Geschichte aber mit Schauspielern in heimischer Umgebung auf den deutschen Geschmack.

Nadine Schwede/DPA

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