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Dieter Nuhr legt nach: "Man kann über alles reden, nur nicht über den Islam"

Dieter Nuhr lässt sich in Sachen Islam-Witze nicht unterkriegen. In einem Interview beklagt er, man dürfe nicht über den Islam reden, weil dies zu körperlicher Gewalt führe.

Darf Satire alles? Nein, darf sie nicht - beleidigen, lügen, andere belästigen, da ist die Grenze für Dieter Nuhr. Und irgendwie gehört auch der Islam zu den Dingen, über die man nicht sprechen darf. So jedenfalls sagt er es in einem Interview mit "Planet Interview". "Man könne alles über Christus sagen, aber nicht über Mohammed. Über jede andere Religion kann man reden, nur über den Islam nicht, weil es zu konkreter körperlicher Gewalt führt", so der Kabarettist. Erst vor Kurzem hatte es eine erbitterte Toleranz-Diskussion gegeben, weil Nuhr in seinem Bühnenprogramm ein paar Islam-Witze reißt.

Nun legt er also nach. "Mich interessiert die Einschränkung der Freiheitsrechte nicht nur, wenn sie von der NSA kommt. So wie für uns das Thema Toleranz selbstverständlich die Toleranz gegenüber Ausländern einschließt, genauso wichtig finde ich die Forderung an religiöse Gruppen, sich unseren Vorstellungen von Toleranz anzupassen", sagt er, will sich dabei aber nicht nur Muslime beschränken. "Sollte es einen Gott geben, wäre der doch selbst in der Lage, sich vor solchen Dingen zu schützen. Dafür braucht es keine Imame oder Bischöfe. Das sind für mich ohnehin Gestalten des öffentlichen Lebens, deren Funktion ich nicht so richtig verstehe."

Nuhrs umstrittene Islam-Witze

  • "Der Islam ist nur tolerant, wo er keine Macht hat."
  • "Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie davon, alles entscheiden zu müssen."
  • "Wenn man nicht wüsste, dass der Koran Gottes Wort ist, könnte man meinen, ein Mann hätte ihn geschrieben."
  • "Da wird massakriert, was das Zeug hält, im Namen Gottes"

Nachdem der Osnabrücker Erhat Toka Nuhr wegen "Beschimpfung von Bekenntnissen und Religionsgesellschaften" angezeigt hatte, gab es vereinzelt Demonstrationen bei Auftritten des Satirikers. Das Verfahren wurde allerdings eingestellt. Über die Anzeige sagte er nun: "Mich stört, wenn ein Salafist meint, ich dürfe über ihn und sein Verhalten keine Witze machen, weil er einem bestimmten religiösen Glauben anhängt. Das finde ich lächerlich."

In dem Gespräch mit "Planet Interview" verriet Nuhr auch, dass er den Koran gelesen habe, wenngleich es "echt 'ne Quälerei" gewesen sei. "Das ist ein echt schwieriges Buch", dennoch plant er, sich in Zukunft noch einmal mit der heiligen Schrift zu beschäftigen. "Ich habe den Drang, das zu verstehen und außerdem ein gewisses Misstrauen unserer Presse gegenüber. Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie dort einer vom anderen abschreibt und dann am Ende etwas entsteht, was mit der Realität nichts mehr zu tun hat."

nik
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