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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Nuhr macht Islam-Witze - ja und?

Nu(h)r kein Blatt vor den Mund nehmen: In Deutschland gilt die Freiheit der Kunst und der Meinung. Auch wenn das Religösen weh tut. Ein Plädoyer gegen die Meinungsdiktatur der Schwerblütigen.

Von Axel Vornbäumen

So frei ist dieses Land: Spötter Dieter Nuhr

So frei ist dieses Land: Spötter Dieter Nuhr

Der Islam gehört zu Deutschland. Das haben wir ja nun gelernt von Christian Wulff, dem Ex-Bundespräsidenten. Das Kabarett aber auch. Das ist so selbstverständlich, dass es dazu nicht einmal eines Bundespräsidenten-Wortes bedarf. Gelegentlich wäre es aber trotzdem nicht so schlecht, auch daran mal zu erinnern – vorzugsweise dann, wenn beide mal wieder aufeinanderprallen: Islam und Kabarett.

Schlag12 übernimmt das heute an dieser Stelle - bitte sehr: Das Kabarett gehört zu Deutschland!

Spricht sich gelassen aus. Scheint aber notwendig. Man kann sich übrigens beim Aufeinanderprallen von Kabarett und Islam auf beide Seiten schlagen. Auf die des Islams und die des Kabaretts, das sich über den Islam lustig macht. Das geht! Dazu braucht es gar nicht viel, ein bisschen Toleranz vielleicht. Und Selbstbewusstsein. So frei ist dieses Land.

Die Freiheit dieses Landes

Dieser Tage ist es mal wieder passiert, Kabarett und Islam sind aneinandergeraten, wieso auch nicht? Der Kabarettist Dieter Nuhr hat sich kritisch zum Islam geäußert, heißt es. Besser formuliert wäre: Er hat sich lustig gemacht über den Wertehaushalt einer Religionsgemeinschaft, die in mancher Hinsicht etwas vorgestrig wirkt. Ein Osnabrücker Muslim-Aktivist hat Anzeige erstattet und nennt Nuhr nun einen "Hassprediger", was ein mittlerweile eingeführter Begriff in der Islamismus-Debatte ist, allerdings in anderem Zusammenhang.

Sich über etwas lustig zu machen, ist Nuhrs Job, sonst wäre er ja gar kein Kabarettist. Und in der Wahl seiner Themen ist er frei. So frei ist dieses Land. Wir sind hier ja schließlich nicht im, sagen wir mal, Iran!

Wer hierzulande gegen die Freiheit der Themenwahl angeht, der plädiert quasi für ein Berufsverbot. Das hatten wir in diesem Land schon mal. Da wollen wir nicht mehr hin. So frei ist dieses Land, mittlerweile.

Die Schar der Beleidigten

Und Nuhr ist ja auch einigermaßen lustig, oder? Vielleicht nicht ganz so lustig wie Rainald Grebe, aber der ist ohnehin unerreicht, und letztlich ist das auch Geschmackssache. Grebe hat den Ossis einen mitgegeben, die könnten sich auch schön beleidigt fühlen... Aber wir schweifen ab.

Nuhr hat Sätze in seinem Programm, wie: "Der Islam ist nur tolerant, wo er keine Macht hat." Oder: "Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie davon, alles entscheiden zu müssen." Oder: "Wenn man nicht wüsste, dass der Koran Gottes Wort ist, könnte man meinen, ein Mann hätte ihn geschrieben." Doch, doch. Das ist schon lustig. Und Rainald Grebe würde mutmaßlich dazu sagen: Und stimmt ja auch!

Axel Vornbäumen mag das Leichte im Schweren, hasst political correctness und ist per se auf der Seite derer, die gegen die Diktatur der Schwerblütigen kämpfen. Wer will, kann dem Autor auf twitter folgen unter @avornbaeumen