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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Stoppt Blatter, zerschlagt die Fifa!

"For the Game. For the World". Papperlapapp. Das Motto der Fifa heißt längst: "For the Money". Zu retten sind dieser korrupte Verein und sein Präsi nicht mehr.

Von Andreas Hoidn-Borchers

Obacht, ein paar Zeilen lang wird das jetzt etwas juristisch-dröge, aber das muss leider sein. Geht auch sofort wieder weg. Also, ein schneller Blick ins Strafgesetzbuch, Paragraph 129, Absatz 1, wir zitieren wörtlich: "Wer eine Vereinigung gründet, deren Zwecke oder deren Tätigkeit darauf gerichtet sind, Straftaten zu begehen, oder wer sich an einer solchen Vereinigung als Mitglied beteiligt, für sie um Mitglieder oder Unterstützer wirbt oder sie unterstützt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

So, und wer jetzt nicht sofort "Fifa" sagt und "Sepp Blatter" und "korrupte Bande", der kriegt die Rote Karte gezeigt und wird dazu verdonnert, lebenslang die Aufzeichnung der Schande von Gijon zu gucken: den grauenerregenden Nichtkick Deutschland gegen Österreich im letzten Gruppenspiel bei der WM 1982. Fußballfans wissen sofort, worum es geht. Für den kleinen Rest eine kurze Nachhilfe: Damals schoben sich beide Nationalmannschaften in einer Art Nichtangriffspakt fast während des gesamten Spiels den Ball zu, um jenes schnell gefallene 1:0 für Deutschland nicht zu gefährden, das beiden Teams den Einzug ins Achtelfinale garantierte – zu Lasten der hilflosen und immer wütender werdenden Algerier, die bei jedem anderen Ergebnis weitergekommen wären. Auf der Tribüne wedelten algerische Fans mit Geldbündeln.

Unkontrolliertes Eigenleben

Nach diesem abgekarteten Spiel hat der Weltfußballverband Fifa jedenfalls eine seiner letzten sinnvollen Regeländerungen vorgenommen. Seither müssen die letzten Spiele in einer Gruppe parallel ausgetragen werden, um Absprachen, Manipulationen und Schmu zu verhindern oder wenigstens zu erschweren. Und wer sich an dieser Stelle nicht sofort lachend auf den Boden wirft, dem helfen wir auf die Sprünge: Das dürfte vermutlich das letzte Mal gewesen sein, dass die Fifa, deren Name – Zufall? Vorhersehung? – irgendwie immer ein wenig an einen andere Zusammenschluss aus dem Süden Italiens erinnert; dass also die Fifa etwas GEGEN Schmu, Manipulation, Absprachen und Korruption unternommen hat.

Seit Jahren führt der Fußballverband ein kaum kontrolliertes Eigenleben, das vor allem von einem Gesetz geprägt ist: dem Gesetz der Gier. Die Fifa vermarktet immer mehr weltweite Turniere und diktiert die Bedingungen dafür: Wer wo was verkaufen darf zum Beispiel. Sie vergibt nach – zurückhaltend formuliert – undurchsichtigen Kriterien Weltmeisterschaften an Länder wie zuletzt Katar, die allenfalls bedingt austragungsfähig erscheinen. Und die Politik spurt, nicht nur in Entwicklungsländern. Vor der WM in Deutschland 2006 setzte die Fifa zum Beispiel durch, dass sie ihre gewaltigen Einnahmen nicht versteuern muss. Der Verband zahlt ohnehin praktisch keine Steuern. Er ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. Ja, Sie dürfen sich weiter auf dem Boden wälzen.

Nur neun Verhaftungen?

Wer sich mit den Machenschaften der Fifa nur ein wenig beschäftigt, den können die jüngsten Meldungen nicht erstaunen: Neun Funktionäre wegen Verdachts auf Korruption verhaftet, darunter der Vize-Präsident; die Fifa-Zentrale in Zürich durchsucht; ein Verfahren wegen Geldwäsche und Schmiergeldzahlungen eröffnet. Wer sich nur ein wenig auskennt, der fragt sich eher: Warum erst jetzt? Warum nur neun? Was ist mit all den anderen Mitgliedern dieser ehrenwerten Gesellschaft, die einmal gegründet worden war im Geiste der Völkerverständigung und die sich im Laufe der Jahrzehnte mit dem rasanten Wandel des Fußballs und der Medien zu einer Gelddruckmaschine entwickelt hat. Das Motto der Fifa lautete einst: "For the Good of the Game." Es wurde vor ein paar Jahren geändert in: "For the Game. For the World." Längst ist es Zeit für eine Ergänzung: "For the Money."

Geführt wird die Fifa seit 1998 vom Schweizer Sepp Blatter. Er hält seinen Verband allen Ernstes für "einflussreicher als jedes Land der Erde und jede Religion". Unter seiner Amtsführung ist die Korruption nicht eingerissen; sie gab es schon früher. Aber sie scheint mittlerweile ein regelrechter Zweig des Geschäftsmodells Fifa geworden zu sein, und Blatter ist gewiss kein Teil der Lösung dieses Problems. Er ist selbst ein Problemfall. Am Freitag will er sich für eine weitere Amtszeit wählen lassen. Wenn die restlichen Funktionäre noch einen Funken Verstand und etwas Ehre im Leib haben, sollten sie das verhindern – und ihren Verband in einem schmerzhaften Selbstheilungsprozess so durchleuchten und reformieren, dass er nicht Gefahr läuft, tatsächlich unter Paragraf 129,1 des Strafgesetzbuches zu fallen.

Denn wenn die Fifa es nicht aus eigener Kraft schafft, werden es endlich andere tun müssen. Dann gibt es nur diese Alternative: Zerschlagt die Fifa!

Andreas Hoidn-Borchers fiebert dem morgigen Relegationsspiel entgegen und hofft auf die verdiente Klatsche für den HSV. Zur Weiterbildung in Sachen Fifa/Blatter empfiehlt er die grandiose Seite 3 von Holger Gertz in der "Süddeutschen" von heute. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.

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