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Legendärer DDR-Künstler Seine Models fand er am Strand: FKK-Fotograf Klaus Ender gestorben


Er war einer der berühmtesten Nacktfotografen der Welt: Klaus Ender ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Nachruf auf einen Mann, der Akt zur Kunst machte.

Als junger Mann kam er nach Rügen – und fand seine Leidenschaft. Der damals 23-jährige Klaus Ender jobbte als gelernter Bäcker als Saisonaushilfe in einer Backstube in dem beliebten DDR-Urlaubsort. Am Strand der Ostseeinsel wurde er zum ersten Mal mit einem weit verbreiteten Phänomen des Arbeiterstaates konfrontiert: Freie Körperkultur – oder kurz FKK.

"Wenn mich die Schönheit eines Augenblicks übermannt, muss ich diesen Augenblick festhalten", beschrieb der Fotograf seine Kunst einmal. Von seinem ersten Gesellenlohn hatte sich der Bäckergeselle 1958 eine Kamera gekauft. Die Nackten am Strand von Rügen faszinierten und inspirierten Ender. Bald gründete er seinen eigenen Fotoclub in Sassnitz, bot die Bilder verschiedenen DDR-Magazinen an. Die griffen gerne zu, veröffentlichten die geschmackvollen Aufnahmen.

Ender avancierte zu einem der beliebtesten Fotografen der DDR. An über 50 Verlage verkaufte er seine Bilder. Der Autodidakt fand seine Modelle meist am Strand. Er sprach die Frauen direkt an, viele posierten gerne für seine Kamera. Die DDR-Führung ließ ihn gewähren. Nacktheit gehörte zu einer der wenigen Freiheiten im Sozialismus – und seine Fotos waren keine plumpen Pin-up-Bilder, sondern Kunst.

1975 initiierte Ender eine der größten Aktausstellung in der DDR. Die Wanderschau "Akt und Landschaft" war im ganzen Land zu sehen, mehr als 100.000 Besucher kamen. Sie ist damit eine der erfolgreichsten Fotoausstellung der DDR. 1981 übersiedelte Ender aus politischen Gründen nach Österreich. Mit zunehmendem Alter wandte er sich vermehrt der Aktfotografie ab. "Es zählt nur noch die Provokation, das Coole und Geile", kritisiert er. Stattdessen widmete er sich in seinen Fotos seiner zweiten Liebe: der Natur.

Klaus Ender arbeitete als Stasi-Mitarbeiter

2004 wurde bekannt, dass Ender 15 Jahre für die Stasi gearbeitet hatte. Ein Makel auf einer sonst glänzenden Karriere. Der Fotograf sagte damals dem "Spiegel" über seine bewegte Vergangenheit: "Ja, ich wurde angepinkelt, ja, ich habe zweimal miterlebt, wie meine Mutter vergewaltigt wurde, ja, ich wurde von Flüchtlingsmassen in den Schmutz der Oder getreten, ja, meine Verlobte hat sich das Leben genommen, ja, ich wollte unbedingt Akt-Fotograf werden, ja, ich hatte Sex mit vielen Mädchen, ja, ich habe der Nacktheit in der DDR einen natürlichen Glanz gegeben, und ja, ich war auch ein IM."

Ender starb am vergangenen Donnerstag auf seiner Lieblingsinsel Rügen im Alter von 81 Jahren. Der aus Berlin stammende Künstler konnte seit dem vergangenen Jahr nicht mehr fotografieren und seine Arbeiten wegen einer Augenerkrankung nicht mehr betrachten.  Seine Frau Gabriela Ender sagte: "Ihm war damit alles genommen, was sein Leben ausgemacht hatte."

mai

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