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Chinesischer Künstler: Ai Weiwei kommt nach Deutschland

Knapp eine Woche, nachdem der Künstler und Dissident Ai Weiwei seinen Reisepass wieder bekommen hat, wird er am Flughafen in München erwartet. Auch ein Besuch in Berlin ist geplant.

Ai Weiwei ist derzeit auf dem Weg nach München

Am Donnerstagnachmittag soll der chinesische Künstler Ai Weiwei in München landen

Auf seiner ersten Auslandsreise seit seiner Festnahme vor vier Jahren wird der berühmte chinesische Künstler Ai Weiwei am Donnerstag in München erwartet. Wie seine Berliner Galerie Neugerriemschneider mitteilte, sollte der 57-Jährige mit der für 17 Uhr terminierten Lufthansa-Maschine landen. In den nächsten Tagen werde der Künstler auch nach Berlin kommen - wann, stehe noch nicht fest, sagte der Galerie-Mitarbeiter. "Jedenfalls nicht am Donnerstag."

Erst vor einer Woche hatte Ai Weiwei seinen Pass wiederbekommen. Seit seiner Festnahme 2011 hatten ihm die chinesischen Behörden das Reisedokument vorenthalten. Sein sechsjähriger Sohn lebt in Berlin. Vor einem Jahr hatte Ai Weiwei ihn - auch aus Angst vor der Unberechenbarkeit des chinesischen Regimes - dorthin geschickt.

"Alles verlief reibungslos", sagte ein chinesischer Freund zu den Formalitäten beim Abflug in Peking. 2011 war der regimekritische Künstler bei der Ausreise am Flughafen festgenommen, aber nie angeklagt worden. Am Mittag wurde die erwartete Ankunft des Lufthansa-Fluges 723 aus Peking in München mit 16.50 Uhr angegeben.

Großbritannien verwehrt sechsmonatiges Visum

Am Vormittag wurde indessen bekannt, dass Ai Weiwei ein sechsmonatiges Visum für Großbritannien verweigert wurde. Nach Angaben von Ai Weiwei vom Donnerstag warf ihm die britische Botschaft in Peking vor, eine "strafrechtliche Verurteilung" in seinem Visumsantrag verschwiegen zu haben. Der Künstler veröffentlichte im Internet einen Brief der Visa-Abteilung, die ihm nach eigenen Aussagen dennoch "ausnahmsweise" ein Visum für 20 Tage im September gewährte. Der Fall sorgte für Empörung im Internet und Kritik von Menschenrechtsgruppen.

Ai hob seinerseits hervor, dass er "nie wegen einer Straftat angeklagt oder verurteilt" worden sei. Er habe versucht, den Vorfall mit den britischen Behörden zu klären, die aber jeglicher "Fehleinschätzung" widersprochen hätten. Der berühmteste zeitgenössische Künstler Chinas war im Jahr 2011 für 81 Tage inhaftiert worden. Gegen eine Firma seiner Frau, die ihn als Angestellten führte, war im Jahr danach in einer Auseinandersetzung mit den Steuerbehörden eine Strafe von 2,4 Millionen Dollar verhängt worden.

Eine chinesische Mitarbeiterin der in den USA ansässigen Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch, Maya Wang, hielt den britischen Behörden vor, sie hätten ihre "Hausaufgaben nicht gemacht". Ai sei nie formell angeklagt oder verurteilt worden. Seine Festnahme und der Steuerfall seien "politisch motiviert" gewesen. Unter den vielen Kritikern im Internet war auch der prominente chinesische Anwalt Michael Anti, der im Kurzbotschaftendienst Twitter schrieb: "Schande für die britische Regierung!"


jho / DPA / AFP
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