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Pegasus-Projekt: Kunst entlang der Flüchtlingsrouten

Seit 15 Jahren forscht die Künstlerin Mia Florentine Weiss weltweit nach Orten der Geborgenheit. Im Sommer 2015 ertrinken Tausende Flüchtlinge auf der Suche danach im Mittelmeer. "Das Pegasus-Projekt".

Von Sophie Albers Ben Chamo

Reste eines Flüchtlingsbootes am Strand in Kos

Reste eines Flüchtlingsbootes am Strand in Kos, rechts am Horizont ist die Türkei zu sehen, Bodrum. Auch an diesem Strand werden immer wieder Leichen von Flüchtlingen angespült. 

Als die deutsche Performance-Künstlerin Mia Florentine Weiss vor 15 Jahren aufgebrochen ist, um in aller Welt nach den Schutzräumen der Menschen zu suchen, hatte niemand auch nur eine Ahnung davon, wie schmerzhaft aktuell und auf den Punkt die daraus resultierende Ausstellung im Sommer 2015 sein würde. Das "Pegasus-Projekt" zeigt, wie sehr die geopolitische Realität Sicherheit und Geborgenheit jedes einzelnen Menschen beeinflusst und zunehmend bedroht.

Ein Schicksal unter Millionen

Die Reise mit dem geflügelten Pferd - diesem Sinnbild für Freiheit und Unsterblichkeit, in dessen Schwingen Weiss Fundstücke der Suche sammelt - führte die Künstlerin am Ende auch nach Griechenland und in die Türkei. Hier begegnete sie in diesem Frühjahr unter anderem Naart, einem jungen Syrer, der über das Mittelmeer nach Griechenland fliehen konnte. Ein Schicksal unter Millionen Flüchtlingen weltweit, die keinerlei Schutzraum mehr haben.

Die Entwurzelung, der Verlust von Heimat, Familie und Vergangenheit sei so groß, dass sich viele Menschen der Frage "Was ist dein Ort der Geborgenheit?" entzogen hätten, erzählt sie. Stattdessen formulierten sie Sehnsucht: "Ich möchte eines Tages wieder auf der Straße Fußball spielen, ohne Angst haben", sagte ihr ein kleiner Junge.

Neugier und Wärme

Trotz der existentiellen Not der Menschen, die Weiss auf der mit ProAsyl erarbeiteten Flüchtlingsroute nach Europa getroffen hat, sei man ihr vor allem mit Offenheit, Neugier und menschlicher Wärme begegnet. Ein Flüchtlingsjunge habe ihr seine einzige Plastikspielfigur geschenkt, als Schutz, da Weiss ja ganz allein unterwegs sei. Ein syrisches Mädchen, das so traumatisiert ist, dass es stumm geworden sei, hängte ihr seine Kette um - als Talismann. "Ich habe jeden Tag geheult, sagt Weiss.

Nun ist der mit den Schicksalen und Geschichten der Flüchtlinge "aufgeladene" Pegasus unter anderem auch in Deutschland zu sehen:  


Vom 17. bis 20. September wird Weiss' Arbeit auf der Berlin Art Week gezeigt (Stand Jenny Falckenberg

Dann ist das "Pegasus-Projekt" bis November auf der Biennale in Venedig Teil der Ausstellung "Edges of Europe" im Palazzo Albrizzi.

Ab November wird es im Senckenberg-Museum in Frankfurt/M. ausgestellt.


Das Pegasus-Projekt im Video: