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Foto-Star Edith Shain gestorben Die Krankenschwester, die der Matrose küsste


Es war das wichtigste Foto ihres Lebens. Edith Shain galt als die Frau, die der Fotograf Alfred Eisenstaedt mit seinem Kussfoto vom Time Square zum Kriegsende weltberühmt gemacht hat. Nun ist die ehemalige Krankenschwester im Alter von 91 Jahren gestorben.
Von Sophie Albers

Am 15. August 1945 feiert Amerika das Ende des Zweiten Weltkrieges. Nach Deutschland hat auch Japan kapituliert. Millionen Menschen sind auf den Straßen New Yorks unterwegs. Unter ihnen ein Matrose, eine Krankenschwester und ein Fotograf. Als die Drei aufeinandertreffen, entsteht ein Foto, das zu einer Ikone des 20. Jahrhunderts wurde.

Die Krankenschwester hieß Edith Shain, und das Bild hat ihr Leben bis zum Ende bestimmt. Am Sonntag ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben.

Wer küsst wen?

"Am Tag des Sieges in Japan sah ich auf dem Times Square diesen Matrosen. Er schnappte sich jedes Mädchen in Sichtweite", hat der Fotograf Alfred Eisenstaedt einst über die Entstehung des Bildes verraten. "Ich bin mit meiner Leica vor ihm hergelaufen und habe immer wieder über meine Schulter geschaut. Dann sah ich plötzlich, wie er etwas Weißes griff. Ich drehte mich um und drückte ab, als der Matrose die Krankenschwester küsste." Vier Bilder habe er gemacht. Es dauerte keine Minute. Als das Bild im "Life"-Magazin erschien, war es schon eine Ikone.

Eines hatte Eisenstaedt in der Euphorie des Tages jedoch vergessen: sich die Namen der Küssenden zu notieren. So haben jahrzehntelang Unbekannte dem Kriegsende ihr Bild geliehen.

Große Unterstützerin der Veteranenverbände

Erst Ende der 70er Jahre, als die Zeitschrift "Life" einen Aufruf startete, das Geheimnis der Identitäten zu lüften, meldete sich unter anderem Edith Shain, eine Lehrerin aus Los Angeles, die zum Kriegsende im Doctor's Hospital in New York gearbeitet hatte. Sie war die einzige, die auch den Fotografen überzeugte und galt seitdem als die Krankenschwester vom berühmten Kussfoto. Der Matrose ist ein Unbekannter geblieben. Hunderte Männer erkannten sich in ihm wieder, doch keiner von ihnen wurde offiziell identifiziert.

Am vergangenen Sonntag ist Edith Shain in ihrem Haus in Los Angeles gestorben, wie nun ihr Sohn Justin Decker bekannt gab. Seitdem das Geheimnis um den Namen der geküssten Krankenschwester gelüftet ist, wurde Shain regelmäßig zu Gedankveranstaltungen, Paraden und Veteranentreffen eingeladen. Auch bei den New Yorker Jubiläumsfeiern zum Kriegsende war sie immer mit dabei. 2005 wurde der Kuss gar in einer Skulptur verewigt.

"Meine Mutter wollte sich immer neuen Herausforderungen stellen. Ihr Engagement für Veteranen des Zweiten Weltkrieges hat ihr die Energie gegeben, etwas Gutes zu tun", zitiert die Zeitung "The Guardian" Shains Sohn. Edith Shain hinterlässt drei Söhne, sechs Enkelkinder und acht Großenkel.


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