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Karikaturen-Streit: Berliner Ausstellung unter Polizeischutz

Die nach islamischen Gewaltdrohungen geschlossene dänische Kunstausstellung in Berlin-Tiergarten ist wieder geöffnet worden. Nachdem Muslime die Entfernung eines satirisch-provozierenden Posters verlangt hatten, war die Galerie vergangene Woche geschlossen worden.

Das hat das zuständige Bezirksamt Mitte am Montag mitgeteilt. Es bestätigte damit auch einen Bericht der "Berliner Morgenpost" (Dienstag). Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) sagte dem Blatt, der Bezirk organisiere einen privaten Wachdienst, "der mit zwei Personen in der Galerie anwesend ist und im Notfall eingreifen kann". Die Ausstellung soll in unveränderter Form gezeigt werden.

"Dummer Stein" des Anstoßes

Die Ausstellung war in der vergangenen Woche geschlossen worden, nachdem Muslime die Entfernung eines satirisch-provozierenden Posters verlangt hatten, das die würfelförmige Kaaba in Mekka, ein Heiligtum des Islam, mit der Textzeile "Dummer Stein" zeigt. In der Nachbarschaft ist das Bild eines Mannes mit einer jüdisch-orthodoxen Kopfbedeckung und der Zeile "Dummer Hut" zu sehen. Die Ausstellung der dänischen Künstlergruppe Surrend, die schon mehrfach in der Vergangenheit durch provokante Kunstausstellungen von sich reden gemacht hat, präsentiert satirisch-politische Karikaturen und Plakate.

Der Kunstverein Tiergarten als Betreiber der Galerie hält seine Bedenken aufrecht und meinte in einer Presseerklärung am Montagabend, die Gründe, die für eine vorläufige Schließung der Galerie führten, "bestehen weiterhin". Der Kunstverein sehe nach wie vor die Frage der Sicherheit für Besucher der Ausstellung "nicht in befriedigendem Masse gewährleistet. Das bisher vorliegende Sicherheitskonzept der Polizei erscheine dem Kunstverein als "nicht ausreichend". Gleichzeitig betonte der Verein, dass es sich bei der Ausstellung "nicht im geringsten um eine anti-muslimische Ausstellung handelt".

Ausstellung unter Polizeischutz

Zuvor hatte Kulturstaatssekretär André Schmitz am Montag eine Wiedereröffnung der Galerie Nord angekündigt, ohne allerdings einen genauen Termin zu nennen. Die Schau solle aber Polizeischutz bekommen. Dies sei das Ergebnis von Beratungen mit Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Dieser habe eingeschätzt, dass die Schau dem Publikum wieder gezeigt werden könne. Vorgesehen sei demnach jede Stunde ein Kontrollgang durch die Polizei.

DPA