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Kunstaktion "Leg Gun" Ai Weiwei will Ihr Bein


In Shorts, Strohhut und schwarzer Socke hat der chinesische Protestkünstler Ai Weiwei mit seinem Bein als Waffe posiert. Und alle machen mit. Bleibt die Suche nach dem Sinn.
Von Sophie Albers Ben Chamo

Ein Satz, den man definitiv aus der ansonsten eher mittelmäßigen Berliner Ai-Weiwei-Ausstellung mitnimmt, ist der, dass der gefeierte Künstler ausschließt, China je zu verlassen. Egal, ob Vertreter seines eigenen Staates ihn einschüchtern, zusammenschlagen oder einsperren (was alles schon passiert ist), Ai Weiwei will in seiner Heimat bleiben und mit seinen Mitteln für ein besseres, freieres China kämpfen. Die neueste Aktion läuft gerade durchs Netz, heißt "Leg Gun" (Beingewehr) und hat sich zum offenbar hochansteckenden Phänomen entwickelt, das die Grenzen Chinas längst durchbrochen hat.

Den Auslöser gab es vor sechs Tagen, als der Meister selbst in Shorts, Strohhut und schwarzer Socke am Tisch sitzend sein Bein gezogen hat und offenbar schussbereit zielt. Das Foto postete er auf Instagram, einem der wenigen in China zugänglichen sozialen Netzwerke. Seitdem haben es ihm Hunderte auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen nachgetan: Tänzer, Skater, Künstler, Kinder, Alte, Junge, Godzilla, Barbie und auch Kermit zielen kontinentübergreifend, mit Schuh, ohne Schuh, mal Schwarz-Weiß, mal bunt, vor allem aber gemeinsam aus Protest. Nur gegen was da protestiert wird, war bisher nicht so richtig klar. Auch nicht, nachdem die "Washington Post" bei Ai Weiwei nachgefragt hat.

Terror, Waffen, Poesie

Der habe sich anfangs gesträubt, seine Kunst selbst zu interpretieren, heißt es, er habe dann aber gesagt: "Es geht um den reinen Nutzen der sozialen Medien. Darum, öffentliche Gedanken zu verschiedenen Themen aufzunehmen - die Macht, Individuen zu kontrollieren, Terror, Waffen, viele Themen ... den Körper als Waffe zu benutzen". Das schaffe man nicht mit einem Roman oder einem Film oder im Theater. "Das ist mehr wie Poesie. Manches ist so entleert, anderes so tiefgründig."

Obschon der Worte des kreativen Kritikers sucht und findet das Publikum auch eigene Erklärungen: Es gehe um die Schulmassaker in den USA, um die Brutalität des chinesischen Regimes, den 25. Jahrestag des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens, um die Waffengewalt weltweit, um den Terror.

Aber natürlich ist es ja genau das, was die Kunst zur Kunst macht. Sie gibt den Impuls, die Erklärung liegt im Auge und Hirn des Betrachters.

Hier geht es zu Ai Weiweis Leg-Gun-Fotos


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