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Kunsteinkäuferin Sheikha al Mayassa Alles - nur keine Nackten


Die wichtigste Kunsteinkäuferin der Welt ist eine Prinzessin aus Katar. Mit ihrem Millionen sorgt sie dafür, dass der Kunstmarkt komplett auf den Kopf gestellt wird.
Von Anja Lösel

Sie ist jung, schön und millionenschwer. Und als wäre das nicht genug, wurde Sheikha al Mayassa, die Schwester des Scheichs von Katar, nun auch noch zur einflussreichsten Frau des Kunstbetriebes gekürt. Auf der Liste der 100 wichtigsten Kunst-Personen, die das Magazin Art Review jedes Jahr herausbringt, ist sie nun die Nummer eins.

Die Frau mit den glühend-schwarzen Augen gilt schon seit 2011 als "Katars Kultur-Königin". Damals landete sie einen Riesencoup: Für 250 Millionen Dollar kaufte sie Paul Cézannes Gemälde "Die Kartenspieler". Es wurde damit zum teuersten Kunstwerk der Welt. Und zu einer der Attraktionen des neuen Nationalmuseums von Doha, das Ende 2014 eröffnet werden soll.

Weil das Wüsten-Emirat rund 3800 Quadratmeter dieses Museums zu füllen hat, kann die Sheika Mayassa auch in Zukunft sehr viel Kunst kaufen. Alles, was ihr gefällt.

Das macht sie für Künstler und Händler zur begehrtesten Frau der Welt. Star-Galeristen wie Larry Gagosian, Iwan Wirth und David Zwirner werben um sie, lassen sich von ihr zu Dinnerpartys einladen und hoffen auf gute Geschäfte.

Keine Jungs am Strand

Wer allerdings denkt, Sheikha al Mayassa bint Hamad bin Khalifa al Thani (so ihr korrekter Name) sei eine gelangweilte Prinzessin, die sich ein Museum als Spielzeug ausgesucht hat, der irrt. Sie kennt Kunst und Geschichte, hat in Paris an der Sorbonne studiert, ist klug und weltgewandt. Und genau das ist gefährlich. Denn ihren Einfluss weiß sie so gut zu nutzen, dass sie womöglich die gesamte Kunstproduktion verändern wird.

Klar ist: Ein islamischer Staat wie Katar wird zwar gern westliche Kunst ausstellen, aber auf keinen Fall unverhüllte Frauen oder nackte Menschen. Monet? Matisse? Schiele? Gern. Aber nur, wenn kein Akt zu sehen ist. Keine Jungs am Strand. Keine Schönheiten in der Badewanne. Nicht mal so Harmloses wie eine stillende Mutter oder ein Mädchen im Schwimmanzug. Die europäische Kunstgeschichte wird in einem Museum von Doha ein wenig anders aussehen als in London, Paris oder Berlin.

Und die zeitgenössische Kunst? Eine Performance der nackten Marina Abramovic in Katar - undenkbar. Ein nachgebautes Bordell von Paul McCarthy – no way. Selbst Gerhard Richters harmloses Party-Bild würde es nicht nach Doha schaffen - wegen der Miniröcke und der langen Damenbeine.

Babys in Bronze

Was aber kann die Sheika zeigen, ohne in ihrem eigenen Land anzuecken? Sie hat sich vorerst für Damien Hirst entschieden. Den Skandalkünstler aus London, der einen Hai in Formaldehyd zu Kunst erklärte und faulige Kalbsköpfe ins Museum legte.

Für zwei Millionen Dollar holte die Sheika eine große Hirst-Ausstellung ins Emirat. Parallel dazu lud sie den Künstler ein, 14 Riesenskulpturen aus Bronze vor eine Frauenklinik in Doha zu stellen. Titel: "Die wundersame Reise". Die Serie zeigt die Entwicklung eines Fötus im Mutterleib bis zum fertigen Baby. Sehr groß, sehr realistisch, sehr pathetisch - und sehr teuer. Von 20 Millionen wird gemunkelt. Damien Hirst darf sich freuen. Man könnte die 14 Meter hohen Figuren als Kitsch bezeichnen, aber das wagt in Doha natürlich niemand. Stattdessen fragen die Katarer sich, ob ein nacktes Baby aus Bronze gegen die guten Sitten verstößt.

"Nein, tut es nicht", sagt die Sheika al Mayassa. "Im Koran gibt es einen Vers über das Wunder der Geburt. Was wir hier zeigen, steht im Einklang mit unserer Kultur und unserer Religion."

Mal sehen, wie mutig sie in Zukunft einkaufen wird. Klar ist: Sie will etwas ändern. Aber klar ist auch: Wer von den Öl-Millionen der Sheika profitieren will, der muss sich den Regeln Katars unterwerfen - einer absoluten Monarchie ohne Parlament, in der die Gesetze von der Scharia vorgegeben werden.


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