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Lennart Gäbel: Hamburger Zeichner erklärt, warum Donald Trump die perfekte Vorlage für Karikaturen ist

Sein Bild von Donald Trump, wie dieser der Freiheitsstatue in den Schritt greift, hat sein Leben verändert. Trotzdem wollte Illustrator Lennart Gäbel nicht einfach "auf den Trump-Zug" aufspringen. Manchmal macht er es trotzdem.

Das linke Bild von Illustrator Lennart Gäbel geht seit 2016 um die Welt, das rechte erdachte er unter der Woche

Das linke Bild von Illustrator Lennart Gäbel geht seit 2016 um die Welt, das rechte erdachte er unter der Woche

Drew Barrymore zog mit seinem Werk durch die Straßen von Los Angeles, bei Gerhard Schröder hängt es im Büro in Hannover und über das Internet haben es Millionen von Menschen gesehen. Lennart Gäbel hat 2016 ein Bild gezeichnet, das Donald Trump zeigt, wie er der Freiheitsstatue in den Schritt greift – und das seitdem "ein Eigenleben entwickelt hat", wie Illustrator Gäbel dem stern sagt. In den USA wurde es auf T-Shirts gedruckt und landete auf dem Cover eines Magazins, Bekannte von Gäbel schickten es ihm per Whatsapp zu, ohne zu wissen, dass es ja eigentlich sein Bild war. 

Und obwohl die Illustration dermaßen durch die Decke ging, hat Gäbel seit 2016 kaum Bilder vom US-Präsidenten gezeichnet. "Ich wollte nicht einfach auf den Trump-Zug aufspringen", sagt er. Sein Werk "They Let You Do It" sollte für sich stehen. Benannt hatte er es nach einer entsprechenden Passage aus einer geleakten Aufnahme, in der Trump sich damit brüstete, Frauen in den Schritt greifen zu können. Die Damen würden sich nicht einmal dagegen wehren, führt Trump darin stolz aus, "they let you do it". Obwohl die Aufnahme damals kurz vor der US-Wahl 2016 an die Öffentlichkeit gelangte, kostete es Trump – bekanntermaßen – nicht den Sieg.

Lennart Gäbel hat mal wieder Trump gemalt

Ein reiner Trump-Zeichner wollte Gäbel also nie sein. Aber so ganz ohne den wütenden Mann im Weißen Haus geht es dann auch nicht. Und so hat er unter der Woche erstmals seit zwei Jahren wieder einen echten Gäbel-Trump entworfen und auch gleich ins Netz gehoben. Am Mittwochabend kurz vor Mitternacht lud er ihn hoch. Den ganzen Tag lang war das erste Foto von einem Schwarzen Loch rauf und runter in den Nachrichten gelaufen. Und Gäbel machte daraus das hier: 

Schon nach knapp 48 Stunden wurde der neue Trump allein über seinen Facebook-Account mehr als 5000-mal geteilt. Wenig bewegt die Menschen eben so sehr wie Donald Trump. Und für einen Illustrator hat der Präsident noch weitere Vorteile: "Er ist an sich schon eine lebende Karikatur", sagt Gäbel. "Ob von hinten oder als Silhouette: Trump erkennt man immer sofort." Der Mann sei schlicht "eine Marke", ziehe die Menschen aber auch unabhängig von seinem Äußeren in den Bann. Für Gäbel ist es noch immer "einfach absurd", dass so jemand Präsident ist. Er meint: "In 100 Jahren wird man sich fragen: Waren die damals alle auf Drogen, oder warum haben die den gewählt?" 

Das berühmte Trump-Bild machte übrigens nicht nur potenzielle Kunden auf Gäbel aufmerksam, sondern auch ehemalige Bundeskanzler. Gerhard Schröder lud ihn wegen dieses Bildes zum Essen ein. Weil Gäbels Frau damals hochschwanger war und die beiden entsprechend eingeschränkt, reiste der Altkanzler samt seiner neuen Gattin Gattin Kim So-yeon dafür sogar extra nach Hamburg an. Beim Abendessen versicherte Schröder dem Illustrator, das Trump-Bild derart prominent in sein Büro zu hängen, dass "niemand es übersehen kann".

Lennart Gäbel wurde 1981 in Hannover geboren, lebt mittlerweile mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern in Hamburg. Er arbeitet als redaktioneller Illustrator unter anderem für den stern, den "Spiegel" und die "Zeit". Sie können ihm hier auf Instagram folgen. 

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