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Neue Nationalgalerie Berlin: Invasion der schönen Franzosen

Das New Yorker Metropolitan Museum schickt seine Schätze nach Berlin: 150 Werke von großen Franzen wie Monet, Rodin oder Gauguin sind in der Neuen Nationalgalerie zu sehen. Die Leute stehen schon vor der Eröffnung Schlange.

Die Farben blau, weiß und rot werden in den kommenden vier Monaten in Berlin nicht zu übersehen sein. Begleitet von einem "Feuerwerk von wunderbaren Ideen" startet am Freitag eine spektakuläre Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie: Das Metropolitan Museum of Art in New York baut um und hat einen Teil seiner berühmten französischen Sammlung aus dem 19. Jahrhundert an die Spree geschickt. Das Jahrhundert der Impressionisten, von Delacroix über Ingres, Courbet, Monet und Degas, Cézannes, Toulouse-Lautrec bis zum frühen Picasso ist in rund 150 Gemälden und einigen gewaltigen Skulpturen Auguste Rodins eindrucksvoll ausgestellt.

Die Bronzefigur "Die Bürger von Calais" beherrscht allein das Erdgeschoss der Nationalgalerie. Im Untergeschoss sind chronologisch und thematisch an weißen Wänden die Gemälde angeordnet. Unter dem Motto "Die schönsten Franzosen kommen aus New York" sollen nicht nur die berühmtesten Werke des Impressionismus gezeigt werden. "Nicht nur Sommerfrische und Augenschmaus", sondern das ganze Spektrum, "einen Querriegel des Geschmacks des 19. Jahrhunderts", sei das Thema, sagt der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster. Aus New Yorker Sicht biete die Ausstellung einen unvergleichlichen Überblick über die französische Malerei der Zeit, meint Gary Tinterow aus dem Metropolitan Museum of Art. Es habe seine besten Stücke, "the cream of the crop", geschickt.

Aber nicht ganz eigennützig: Mit den Ausleihen wolle das New Yorker Museum die Besucher in Berlin neugierig machen und zu einer Reise nach New York inspirieren. Plakate mit blau-rot-weißem Rand werben überall in der Stadt für "die schönsten Franzosen". Kataloge, CDs, Souvenirs aller Art und große Papiertüten, um die Einkäufe im Museumsshop zu verstauen, sind in den Farben der Trikolore bedruckt. Das von Luftpost-Briefpapier vertraute Muster soll an die Farben der amerikanischen und der französischen Flaggen erinnern.

Köhler eröffnet Ausstellung

Der Aufwand und die Kosten sind gewaltig, das Risiko für den Veranstalter, den Verein der Freunde der Nationalgalerie, groß, wie sein Vorsitzender Peter Raue auf der Pressekonferenz vor der offiziellen Eröffnung durch Bundespräsident Horst Köhler einräumt. "Ein bisschen wie die Angst vor dem zweiten Salto mortale" stellt sich auch Schuster das Befinden des Fördervereins vor: Die Impressionisten-Ausstellung muss sich messen lassen an dem Riesenerfolg der MoMA-Ausstellung 2004. Damals zeigte das New Yorker Museum of Modern Art in der Nationalgalerie seine Meisterwerke, zog in sieben Monaten 1,2 Millionen Kunstfans an, machte noch Gewinn und stellte damit alle Erwartungen in den Schatten. Die Kosten seien etwa gleich hoch - die MoMA-Schau kostete 7,5 Millionen Euro - aber diesmal stünden nur vier Monate zur Verfügung, sagt Raue. Deshalb solle ein "Feuerwerk von wunderbaren Ideen" die Ausstellung mitfinanzieren und zu einem "Muss" in den nächsten Monaten in Berlin machen. 100.000 Exemplare des Kataloges sind gedruckt, es gibt einen extra Kinder-Katalog, eine Audioführung, zweierlei CDs und einen "darf ich das mal sagen - geilen Auftritt" im Internet (Raue). In einem blau-weiß-roten Zelt vor der Nationalgalerie finden an Sonntagen Lesungen für Kinder statt. Das Kaufhaus KaDeWe schmücke von nächster Woche an alle seine Schaufenster mit den Farben der "schönsten Franzosen".

SMS statt Schlangestehen

Die Frauen-Zeitschrift "Brigitte" sponsert die "Livespeaker", junge Männer und Frauen in blau-weiß-roten T-Shirts, die in der Ausstellung für Auskünfte zur Verfügung stehen. Die Telekom habe ein neuartiges Ticket-System entwickelt und sei auch sein Sponsor, berichtet Raue. Während zu MoMA-Zeiten Schlangestehen dazu gehörte, sollen Ausstellungsbesucher diesmal per SMS irgendwo in der Stadt oder über Monitore vor der Nationalgalerie darüber informiert werden, wann ihr Stunden zuvor gekauftes Ticket zum Einlass berechtigt. Zu den Kultursponsoren gehören die Tageszeitung "Die Welt" und unter anderen der Berliner Sender RBB. Dass die Sponsoren aber wie zur Weltmeisterschaft Schlange stehen, "davon konnte keine Rede sein", berichtet Raue. Erst Ende Januar sei der Hauptsponsor, die WestLB, gefunden worden. Die Bank trage ungefähr ein Viertel der Kosten. Über mangelndes Interesse können sich Raue, Schuster und die Ausstellungsmacher aber bereits heute nicht beklagen. Die bislang geplanten 2.300 Führungen sind im Vorverkauf schon ausverkauft. Er hoffe auf eine halbe Million Besucher, damit wäre er "unendlich glücklich", sagt der Berliner Rechtsanwalt. Von Freitag an bis zum 7. Oktober sind die "schönsten Franzosen" zu sehen.
Mehr Infos unter www.metinberlin.org

Doris Berve-Schucht/AP / AP