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Stefan Heine: "Rätseln steckt im Menschen drin"

Eros - den griechischen Liebesgott mit vier Buchstaben kennt fast jeder, der Kreuzworträtsel löst. Hinter den Fragen in den kleinen Kästchen steckt der "Rätselmacher" - ein ungewöhnlicher Beruf.

Im täglichen Sprachgebrauch kommen die Bezeichnungen für den Schutzapostel der Eskimos, die griechische Göttin der Morgenröte und einen südamerikanischen Goldhasen - Egede, Eos und Aguti - kaum vor. In unzähligen Kreuzworträtseln sind sie gesucht. Denn für Rätsel eignen sie sich perfekt. "Die Wörter kreuzen sich am besten, wenn sie viele Vokale und gängige Konsonanten wie g, s oder t beinhalten und dazu möglichst kurz sind, also aus zwischen drei und sechs Buchstaben bestehen", sagt Stefan Heine. Heine muss es wissen, schließlich ist der 37-Jährige "Rätselmacher" von Beruf.

Seit mehr als zehn Jahren beliefert Heine deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften auf der ganzen Welt mit Rätseln jeder Art. Ob Sudokus, also Zahlenrätsel, oder Buchstabensalate, Personen-, Silben- oder Kreuzworträtsel - Heine hat in seinem "presse service" in Hamburg mehr als 120 Arten im Angebot. Damit gehört der 37-Jährige nach Angaben von Bettina Rothärmel zu weniger als einhundert Menschen in Deutschland, die Rätsel herstellen und damit ihr Geld verdienen. Rothärmel ist Mitglied einer Gruppe aus Freunden vor allem mathematischer und logischer Rätsel. Derzeit ist die Gruppe mit der Gründung des Vereins "Logic Masters Deutschland" beschäftigt. Heine kennt die Rätselmacherriege hier zu Lande deshalb gut.

Jedes Rätsel ein Unikat

Monat für Monat werden Heines Rätsel nach seinen eigenen Angaben mehr als 300 Millionen Mal gedruckt - weltweit. "Dabei ist jedes Rätsel ein Unikat", sagt er ein wenig stolz. Dass ein und dasselbe Produkt nicht noch einmal an einen Kunden geht, dafür sorgen die Computer in seinem Büro. Die arbeiten nach dem Zufallsprinzip. "Man muss nur die Rätselart und den Schwierigkeitsgrad vorgeben und der Computer beginnt zu rechnen und in meist nur wenigen Minuten ist das Rätsel fertig", erklärt Heine. Früher wurden Rätsel mit der Hand geschrieben und entsprangen einzig dem Wissen des Machers - eine bis zu mehrere Tage dauernde Prozedur mit bisweilen nur mäßigem Ergebnis.

In der Datenbank, aus der sich die Rechner in Heines Büro etwa zur Produktion von Kreuzworträtseln bedienen, sind mehr als 50.000 Begriffe gespeichert, nach denen wiederum mit bis zu 130.000 Fragen gesucht werden kann. "Nach "Rente" kann man suchen, indem man nach einem anderen Wort für "Lebensabend" oder "Pension" fragt", erklärt Heine, der sowohl Betriebswirtschaft als auch Jura ohne Abschluss studiert hat.

Immer Zettel und Bleistift dabei

Die Qualität eines Wort-Rätsels ist nach Heine vor allem an der Aktualität der gesuchten Begriffe zu messen. Das Wort "Tsunami" wird nach der Flutkatastrophe in Südostasien inzwischen häufiger gesucht als früher. Ebenso werden Britney Spears und David Beckham heute oft nachgefragt, Hans Rosenthal und Joachim ("Blacky") Fuchsberger dagegen immer seltener. "Wort-Rätsel müssen in die Moderne transportiert werden, um zur Welt des Ratenden zu passen", sagt Heine. Deswegen hat der 37-Jährige auf Schritt und Tritt - ob beim Zeitungslesen oder in der Kneipe - Zettel und Bleistift dabei, um Wissenswertes und Neues zu notieren und anschließend als Suchbegriff in seine Datenbank einzupflegen.

Von Rätseln geht für Heine eine Magie aus. "Die Neugier, angeblich Verborgenes zu entdecken, steckt in jedem Menschen", sagt er. Und: "Rätsel sind einfach eine klasse Unterhaltung." Auch Rothärmel sieht ihre dauernde Beliebtheit. "Es scheint ein Urbedürfnis des Menschen zu sein, Fragen zu stellen und Antworten zu suchen - Rätseln ist eines der ältesten Hobbys der Welt", sagt die 38-Jährige.

Sudoko hieß früher "Magische Zahlenquadrate"

Seit das Sudoku-Fieber vor etwa einem Jahr auch die Menschen in Deutschland gepackt hat und das aus Japan stammende Trendspiel in vielen Zeitungen und Zeitschriften fester Bestandteil ist, gehören Sudokus gemeinsam mit Kreuzworträtseln zu den am meisten nachgefragten Produkten von Heine und seinen rund 15 Mitarbeitern. "Unter dem Namen "Magische Zahlenquadrate" biete ich Sudokus schon mehr als acht Jahre an, aber richtig haben wollte die bis vor Kurzem niemand", sagt der Rätselmacher, der sich selbst als "ein bisschen Sudoku-süchtig" bezeichnet. Von Rätseln kann man eben auch als Rätselmacher nie genug bekommen, das steckt wohl drin im Menschen.

Maria Panagiotidou/DPA / DPA