Unaufgeregte Verleihung des Turner-Preises Richard Wrights Wandgemälde aus Goldblättern gewinnt


Es ist ein Wort, das lange verpönt war: Schönheit. Vor allem im Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunst klang das schlicht nach Kunstbanause. Nun ist das Wort urplötzlich wieder aufgetaucht. Und ausgerechnet bei der Verleihung des begehrtesten britischen Kunstpreises, dem Turner-Preis.

Es ist ein Wort, das lange verpönt war: Schönheit. Vor allem im Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunst klang das schlicht nach Kunstbanause. Nun ist das Wort urplötzlich wieder aufgetaucht. Und ausgerechnet bei der Verleihung des begehrtesten britischen Kunstpreises, dem Turner-Preis. Den bekam dieses Jahr der Künstler Richard Wright für ein riesiges Wandgemälde.

So traditionell und unaufgeregt hatte sich der Turner-Preis lange nicht mehr gezeigt. Sorgten die Ausstellungen mit Werken wie Sexpuppen beim Oralverkehr (Chapman Brothers), einem ungemachten Bett (Tracey Emin) oder einem schlafwandelnden Mann im Bärenkostüm (Mark Wallinger) doch stets für Wirbel. Doch nach Kritik in den letzten Jahren, die ausgezeichnete Kunst sei zu unverständlich und zu sensationsheischend, legte die Jury nun eine Kehrtwende hin: Schönheit statt Schocker.

Dieses Mal konnte nicht das Rinderhirn und das pulverisierte Flugzeugtriebwerk des Favoriten Roger Hiorns oder der Walschädel der Mitbewerberin Lucy Skaer überzeugen. Wrights fresken-ähnliches Wandgemälde aus Goldblättern machte das Rennen. Der 49 Jahre alte Brite hatte es extra für den Wettbewerb in der Londoner Tate Britain geschaffen. Es sieht aus wie ein überdimensionales, schimmerndes Klecksbild. Manch Kritiker nannte es gar "dekorativ" - ebenfalls lange ein Tabuwort für zeitgenössische Kunst.

Wrights Kunst mutet zwar traditionell an und wird konservative Kunstfreunde begeistern. Sie ist jedoch äußerst vergänglich. Denn nach der Ausstellung zerstört Wright seine Wandgemälde. "Das Gute daran ist, dass meine Werke mich so nicht verfolgen. Das ist traurig, aber auch eine Erleichterung", erklärte er.

Nach dem Boom auf dem Kunstmarkt, bei dem es um immer teurere Besitztümer ging, sehen Kritiker Zeit für Besinnung: "Wright legt nahe, dass wir die Macht des Kapitalismus infrage stellen. Denn seine Wandgemälde kann niemand besitzen", schreibt Rachel Campbell-Johnston in der "Times".

Die Wahl zeigt aber auch, dass sich die Museen in wirtschaftlichen Krisenzeiten auf publikumsnahe Kunst konzentrieren müssen. Während beim Wettbewerb im vergangenen Jahr - den der Brite Mark Leckey mit einer komplexen Videoinstallation gewonnen hatte - die Besucher böse Kommentare auf einer Pinnwand hinterließen, war dieses Mal fast nur Positives zu sehen. Der Kritiker Richard Dorment vom "Daily Telegraph" lobte gar: "Hier kommt ein Satz, den ich niemals dachte über einen Turner-Preis-Gewinner zu schreiben: Das Werk ist so verdammt schön, dass man versteinert davor steht."

Wrigth selbst blieb - so wie seine Kunst - vor allem eines: ruhig. Mit dem Preisgeld von 25 000 Pfund (rund 27 700 Euro) wolle er nun seine Rechnungen bezahlen, kündigte an.

DPA DPA

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