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Kolumne

"Mein geliebtes Ich": Markus Söder: "Das ist wie beim Cowboy der Colt. Ohne Handy geht es nicht"

Niemandem kommen wir näher als uns selbst. Und sind uns doch auch immer wieder fremd: Um dieses Spannungsverhältnis geht es in der Kolumne "Mein geliebtes Ich". Hier sprechen Prominente über den Umgang mit sich selbst. Dieses Mal: Markus Söder.

Von Frank Lübke (Fotografie) und Alexandros Stefanidis (Interview)

Markus Söder kommt nicht mehr ohne sein Handy zurecht 

Markus Söder kommt nicht mehr ohne sein Handy zurecht 

Ein Jahr lang haben der Fotograf Frank Lübke und der Journalist Alexandros Stefanidis für die Kolumne "Mein geliebtes Ich" Prominente in ungeahnter Pose porträtiert. Für sie wurde schnell klar: Jeder Mensch hat eine zweite Seite, die manchmal hell erstrahlt, manchmal im Dunkeln bleiben soll. Oft haben sie diese freilegen können – zum Erstaunen der Leser wie auch der Dargestellten.

Der stern veröffentlicht nun zwölf dieser ungewöhnlichen Porträts online: dieses Mal Markus Söder. Der Politiker ist seit 2018 Ministerpräsident des Freistaates Bayern und seit 2019 CSU-Parteivorsitzender. Seit 1994 gehört Söder dem Bayerischen Landtag an.

stern: Herr Söder, Sie machen ein Selfie und schauen sich selbst dabei zu. Stimmt es, dass Sie ohne Ihr Smartphone nicht mehr auskommen?

Söder: Ja. Das ist wie beim Cowboy der Colt. Ohne geht es nicht.

Früher haben Sie Wählerwünsche gewittert, heute twittern Sie sie lieber?

Ich mag den direkten Draht zu den Menschen. Auch wenn man bei Twitter manchmal unfaires Feedback bekommt.

Zum Beispiel?

Linke Trolle schlagen bei Twitter gern unter die Gürtellinie. Aber ich kann das gut aushalten. Auch in der CSU werde ich ja gern geprüft, bin da also geübt.(lacht) Vertrauensentzug und Vertrauensgewinn sind heute in der Politik volatiler als zu früheren Zeiten. Bei manchen Tweets gibt es eine hohe Erregungskurve. Da muss man bei aller Authentizität auch aufpassen.

Aufpassen? Sie gelten – mit Verlaub – als politisches Urvieh, das gern polarisiert.

Jeder pflegt seine Klischees. Natürlich bin ich nicht wirklich schüchtern und hoffentlich auch nicht langweilig. Und wenn ich einen Raum betrete, werde ich auch nicht übersehen. Ich bin nun mal 1,94 Meter, das lässt sich nicht ändern. Aber die Menschen wollen auch keine stromlinienförmigen Politiker, und das bayerische Temperament ist auch ein anderes als das hanseatische. Als Politiker sollte man eigene Ideen und Vorstellungen haben und keine glatt gebügelte Variante sein.

Wie sehr stört es Sie, dass Sahra Wagenknecht 370.000 Freunde auf Facebook hat, Sie aber nur 50.000 aufweisen können (Stand Juni 2017)?

Gar nicht. Ich bin Landes- und kein Bundespolitiker.

Wie bescheiden, kennt man gar nicht von Ihnen. Gibt es einen Unterschied zwischen den beiden Söders auf dem Foto?

Nein. Ich bin seit Kindesbeinen ein "Star Wars"-Fan und mag die Marvel-Figuren! Trotzdem erwähne ich in einer Rede über den Euro nicht, dass ich Captain America gut finde. Das wäre ja albern.

Wenn Sie im Bierzelt frenetisch begrüßt werden, sagen Sie manchmal: "Danke, das war angemessen!" Ist das nicht eitel?

Nee, das ist lustig. Ein Bierzelt ist keine Sonntagsmatinee zum Reformationstag. Da ist Humor angesagt – und den habe ich.


Dieser Text erschien ursprünglich im Heft Nr. 23 am 1. Juni 2017.