HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Dieser Jubel wird Ihnen präsentiert von… – Aubameyang, und der Stuss nach dem Schuss

BVB-Stürmer Aubameyang jubelt nach seinem Führungstreffer im Revierderby mit einer Maske seines privaten Ausrüsters. Micky Beisenherz sagt: Nix begriffen, der Kerl. Und die Message ist ne Katastrophe.

BVB-Star Pierre-Emerick Aubameyang (l.) nutzte seinen Torerfolg für eine Werbeaktion

BVB-Star Pierre-Emerick Aubameyang (l.) nutzte seinen Torerfolg für eine Werbeaktion

Tore sind etwas wunderbares. Die Fleischeinlage in der immer fader werdenden Bundesliga-Suppe.

Manche sind so schön, dass wir sogar billigend den Jubel danach in Kauf nehmen:

Griezman, der gestikuliert wie ein Surfer mit Schlaganfall,

das Herzchen Richtung Tribüne (was bei Boyfriend Van der Vaart damals immer mehr nach einem Loch aussah. Gott weiß, was er gemeint haben könnte)

und natürlich das obligatorische Wappenküssen, das internationale Symbol für "nach der Saison bin ich weg".

Recht lustig war auch damals der Auftritt von und Reus als Batman und Robin.

Lustig ist jetzt irgendwie gar nix mehr.

Sie können sich vorstellen, dass ich als BVB-Fan nach Aubas Tor im Derby schwer gejubelt habe.

Als er sich, wenig spontan, die Maske seines Sponsoren überzog, wurde daraus im Raum müdes Abwinken.

Schade.

Dieses Produkt Bundesliga ist mitterweile durchgesponsert und marketifiziert, dass man sich in manchen Stadien schon eher wie im Multiplex-Kino oder Musical vorkommt.

Plastikkarten ersetzen Bargeld, irgendwelche armen Trollos ziehen sich Plastiktüten über, um auf dem Rang ein gewaltiges Telekom-Logo zu bilden, Dosensekten kaufen sich einen Verein.

"Dieses Tor wird Ihnen präsentiert von..."

Das Ärgerliche am Torjubel von Aubameyang (den ich für einen prima Typen halte) ist, dass eine an sich lustige Tor-Zelebration verkommt zu einer Werbeinsel, die am Ende die Frage offen lässt:

Wofür schießt der eigentlich seine Tore - um der Mannschaft zum Sieg zu verhelfen?

Oder, um endlich eine Gelegenheit schaffen zu können, sich medienwirksam für seinen an der Eckfahne zu platzieren?

Etwas weniger fachkundige Fans begriffen erst gar nicht, was uns Pirelli-Man mit dem schwarzen Altreifen über dem Schädel sagen wollte.

Was sollte die Gummimaske? Wirbt der für den Swingerclub Uelzen-Kirchweyhe oder Uschis Peitschenkeller in Dortmund-Oespel?

Erst mit Blick auf die Homepage seines Vertragspartners wurde klar, dass es sich bei der ganzen Sache um eine konzertierte Aktion handelt.

Womit der letzte Rest Charme dieser einst ganz witzigen Superhelden-Geschichte verflogen ist.

Sich dafür ne Gelbe zu holen ist natürlich hochgradig behämmert.

Und was ist die Botschaft des (immer wieder mit radikal störenden Aktionen auffallenden) Sportartikelherstellers?

"Hol Dir ne Gelbe, fehl deshalb in einem wichtigen Spiel,

Scheiß aufs Team, mach ne Show.

Wichtig bist DU."

Top Message. Nix begriffen.

Am Ende desselben Derbys griff sich Erwin, das aufgebrachte Maskottchen der Schalker die verlorene rote Karte des Schiedsrichters, um sie ihm ob seiner Leistung symbolisch hinzuhalten.

Was ein herrliches Bild.

Natürlich entbrannten daraufhin heiße Diskussionen darüber, dass sich so eine Respektlosigkeit gegenüber dem Schiedsrichter nicht gehöre und da jetzt auch die Sportgerichtsbarkeit eingreifen müsse.

Das möchte ich sehen, wie Maskottchen Erwin auf der Hannibal Lector-Gedenk-Sackkarre vorm DFB-Sportgericht erscheint.

Ernsthaft dankbar war ich für dieses Spurenelement Lebendigkeit, dieses Aufblitzen echter Emotion in einem durchchoreografierten Sport.

Lieber ein Erwin, der unartig den Schiedsrichter anpflaumt, als ein Stürmer, der sich nach dem Tor artig die Maske seines Sponsoren überzieht.

Dass ich an einem Montagmorgen als Dortmunder schon einem Schalker danken muss, zeigt, wie beschissen sich dieser Sport gerade entwickelt.

Fußball-Angeberwissen: Die verrücktesten Rekorde der Bundesliga