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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Herr Lehmann, Merz und Helene. Deutschland - ein Reichtumsbericht

Wir müssen über Geld reden. Helene Fischer verdient 28 Millionen pro Jahr - obwohl sie nicht ein einziges Bundesliga-Tor geschossen hat. Friedrich Merz empfindet sich dagegen als gehobene Mittelschicht. Und dann ist da noch Jens Lehmann.

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Friedrich Merz und Helene Fischer

Gehobene Mittelschicht: Friedrich Merz und Helene Fischer.

Heute morgen wäre mir vor Entsetzen fast der Bentley-Schlüssel aus der Hand gefallen - musste ich doch lesen, dass Helene Fischer laut "Forbes"-Liste 28 Millionen Euro pro Jahr verdient und somit wohl reicher ist als ich. (Klarheit habe ich, sobald die Einnahmen aus dem Jeans-Sparbuch der Spar-und-Darlehenskasse vom Weltspartag, Oktober 1984 ausgewertet sind.) Wieder ein Beleg für die absurde Ungleichheit in der Vergütung verschiedener Berufe: Fischer hat nicht ein einziges Bundesliga-Tor geschossen.

28 Millionen! Damit verdient die Teflon-Tenorette sogar mehr als Britney Spears - und das ganz ohne Glatze rasieren. Nicht einmal einen Vormund hat sie. Gut, dafür hat sie Florian Silbereisen. Auch eine Lektion in Demut.

Gedruckt hat all diese Zahlen die "Bild"-Zeitung, deren Chefredakteur es sich verbittet, sein Gehalt veröffentlicht zu wissen, und es ist fest davon auszugehen, dass wir bereits am Wochenende mit der "großen Deutschen Gehaltsdebatte" rechnen dürfen, in der sämtliche Bevölkerungsschichten turnusgemäß aufeinander gehetzt werden. Reife Krankenschwestern in deiner Umgebung posieren in diesen Minuten mit traurigem Blick für den Fotografen.

Durchschnittlich 70 Euro muss man bezahlen, um eine musikalische Rundfahrt mit der fleißigen Helene, der AIDA unter den Gesangsstars, zu erleben, die in einer gerechteren Welt heute nur als der "weibliche Karsten Speck" bekannt wäre.

28 Millionen! Mit dem Gehalt wäre sie doch sofort etwas für den CDU-Parteivorsitz! Das würde auch ein wenig den Druck vom bedauernswerten Friedrich Merz nehmen, der sich zuletzt wie ein Internatsschüler, der beim Kekswichsen ertappt wurde, um die Antwort herumdrückte, ob er denn nun Millionär sei oder nicht. Was zu der bemerkenswerten Aussage führte, er empfinde sich als gehobene Mittelschicht. Seitdem macht sich Prinz Marcus von Anhalt wieder Hoffnung auf den SPD-Vorsitz - und der Käsemann auf dem Wochenmarkt versucht, Merz einen Liter Milch für vierzig Euro zu verkaufen. Könnte ja klappen.

Gönnerhochburg Deutschland

Zumindest besser, als das Vorhaben von Merz, die Herzen der Menschen zu gewinnen. Oder wenigstens der CDU-Delegierten. Was in der Gönnerhochburg Deutschland nicht leichter wird, ist erst einmal ruchbar geworden, dass man eine private Fliegerstaffel besitzt. Selbst wenn die, laut Experten, so etwas wie einem Dritteldutzend fliegender Nissan Micras entspricht. Das einzige, das Flying Fritz noch mit dem normalen Bürger gemein hat, ist, dass er mit den Dingern nicht in die Innenstädte darf. Hätte Merz beim Parteitag am Trapez von der Decke gehangen und was Schönes gesungen, man hätte ihm den Reichtum gegönnt.

So wird es natürlich schwer. Dabei wäre ein echtes Mittelstandsvermögen doch ungleich verdächtiger: Ich zumindest möchte nicht von jemandem regiert werden, der in zehn Aufsichtsräten gesessen hat und dabei zu dumm war, Millionär zu werden. Sei's drum: Merz ist soeben das Kunststück gelungen, ein wenig Wind aus der Neiddebatte zu nehmen, indem er sich auf seine Kernkompetenz, die Herzlosigkeit, besonnen und das deutsche Asylrecht gestürzt hat. Jetzt oszilliert er gefühlt irgendwo zwischen Hitler und Jo Gerner.

Ob Jens Lehmann seinen Hubschrauber während seiner Stuttgarter Zeit selbst vollgetankt hat, davon ist nicht auszugehen. Schon eher, dass er noch während des Fluges versucht hat, die Quittung dem Piloten heimlich aus der Jacke zu ziehen. Schlimme Dinge musste man zuletzt über den Ex-Nationalkeeper lesen: Dass er über 100.000 Euro an die Steuer nachzahlen musste. Sein Finanzgebaren gilt als so windig - ein Platz in der Jury von "die Höhle der Löwen" ist ihm sicher.

#BlackFriday ja, Blackrock nein

Am Ende soll er so oft doppeltes Kindergeld kassiert haben, dass er bereits in einigen Völkern als Fruchtbarkeitsgott verehrt wird. Beim FC Bayern erkennen sie langsam, dass er doch gut zu ihnen gepasst hätte, und im Haus der Deutschen Geschichte in Bonn überprüft man jetzt nochmal den Zettel im Stutzen vom Elfmeterschießen, ob es sich womöglich um eine gefälschte Steuererklärung handelt. "Cambiasso, Tevez, Rodriguez, was sind das für Namen, Herr Lehmann?" "So heißen meine Kinder, für die ich gerne Unterstützung beantragen möchte." 

Dennoch ist er in dieser Betrachtung, ganz Schalker, nicht an Nummer eins. Denn dann ist ja noch oben erwähnte Helene Fischer. Und die ist so reich, dass manche* behaupten, sie könne Jens Lehmann kaufen, damit er an ihrer Villa vorne das Tor hütet. Schönes Bild. Und wieder mal ein schlimmes von Deutschland und der Welt, wo es denen da oben nur darum zu gehen scheint, möglichst viel Gewinn zu machen und an keinem Schnäppchen vorbeizugehen. #BlackFriday ja, Blackrock nein! Und vorm #Tankboykott am Montag nicht vergessen, am Sonntag nochmal vollzutanken! Das wird allen eine Lehre sein!

Merke: Wer nicht mit dem Herzen sieht, ist arm. Und wer kein Geld hat.

Oder kurz: Helene Fischer ist so reich - Friedrich Merz dürfte sie maximal zu ihren Auftritten fliegen.

(*Kollege Oli Hilbring)