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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Exzess mit Helmpflicht - Todesfalle Australien

Urlaub in Australien - klingt traumhaft, hat aber so seine Tücken. Micky Beisenherz war Down Under und musste feststellen: Hier ist eigentlich alles tödlich.

Micky Beisenherz

Trügerische Idylle: Micky Beisenherz schreibt über seinen Aufenthalt in Australien

Wenn Sie das hier lesen, habe ich mich schon zweimal gepellt. Januar. Die beste Zeit, um ein paar der miesesten Wochen zu umgehen, die Deutschland zu bieten hat.

Australien. Jahrelang nahm ich an, dieses Land sei nur erfunden worden, damit deutsche Mädchen wissen, wo sie nach dem Abi ein Jahr Au-pair machen sollen.

Es ist ja auch wunderschön hier. So viel Grün links und rechts der Straßen. Gegend kann er, der Australier. Dennoch ist es gut, dass ich nie lange bleibe. Ich würde schlicht sterben hier.

Allein die Schilder am Strand: Wovor dort an Viehzeug gewarnt wird, kennen wir hierzulande nur von den Covers wüster C-Movies mit mutierter Fauna. Haie, Schlangen und Quallen, deren bloße Berührung einen schmerzerfüllt bis Mitte März durchschreien lässt.

In Australien ist alles tödlich

Kein Witz. Hier ist eigentlich alles tödlich. Ich wurde beim Joggen mal hinterrücks von Elstern angefallen. Die machen das wohl hauptberuflich, wie man mir sagte, als ich mir die Kleidung abklopfte und aus dem Graben wieder aufstand.

Ein probates Mittel dagegen ist ein Helm, an dessen hinteren Ende Kabelstrapse herausragen, um die Viecher abzuhalten. Sieht bescheuert aus. Aber der Australier ist ohnehin ein Safety-Fan. Was ein wenig traurig ist, bedenkt man, welch wilden kulturellen Hintergrund er hat. Aber dazu noch gleich mehr.

Down under lebt man gut mit Gefahren aller Art. Jede körperliche Bedrohung nimmt der Känguruh-Panierer mit Leichtigkeit. Auf der Strandpromenade von Kingscliff (wir sind hier circa anderthalb Stunden von Brisbane entfernt) gibt es genauso viele Hautarztpraxen wie Eisdielen. Kurz rein, wegschneiden, raus, zwei Kugeln Schoko. Danke.

Männer Mitte 30 sehen aus wie Keith Richards

Ohnehin, die Haut. Jeder altert hier schneller als der Nazi am Ende von Indiana Jones III. Männer von Mitte dreißig sehen aus wie Schulkameraden von Keith Richards und Frauen knistern beim Lächeln wie dieses Schutzfolie um Zigarettenschachteln. Übrigens: Kippen sind unfassbar teuer. 20 Dollar die Schachtel. Ein Sixpack Bier liegt in derselben Range. Alles kostet ein Schweinegeld. Der Australier hat wohl ein recht hohes Grundeinkommen. Was dazu führt, dass man permanent zum Geldautomaten rennt, während man der Scheinschmelze zusieht wie dieser fassungslose Waschbär, dem sich die erbeutete Zuckerwatte beim Wasserbad in den Pfoten auflöst.

Dafür sind alle sehr freundlich. Wird man an der Supermarkt-Theke mit einem freundlichen "How's your day?" begrüßt, ist das tatsächlich eine ernst gemeinte Frage. Die Antwort ist eigentlich unnötig. Man sieht sich ja häufiger. In dem Laden steht der Geldautomat.

Trinken Sie niemals Bier in der Öffentlichkeit!

Haben Sie gerade neun Dollar für ein Bier bezahlt, kommen sie bitte NIE auf die Idee, dieses draußen, auf einem öffentlichen Platz genießen zu wollen. Es könnte Ihnen passieren, dass sie einen Polizeieinsatz auslösen und man sie noch vor Ort unter heftigster Strafandrohung zwingt, die Pulle auf dem Rasen auszukippen.

In diesem Land ist alles dermaßen bitter durchreglementiert, dass man als Deutscher(!) mit den verbrannten Ohren schlackert. An jedem Ort gibt es mehr Verbotsschilder als Bodenfliesen und das mit der freiwilligen Selbstkontrolle wird vom Bürger gut angenommen, gewünscht sogar. O- Ton vieler Einheimischer: "Es ist gut, dass hier alles so streng reglementiert ist. Würde man uns loslassen, bräche hier Chaos und Zerstörung aus." Eine ehrliche Selbsteinschätzung, deren Wahrheitsgehalt man erahnt, sobald man mal gesehen hat, wie sich diese Export-Engländer nach ein paar Bieren verhalten.

Auweia. Man möchte ständig mit dem Kopf auf die Tischplatte knallen. Mit Helm, selbstverständlich.

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