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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: #Jesuismoi - über Terror-Selfies und den ranzigen Kuchen Aufmerksamkeit

Nach Terroranschlägen nutzen Promis wie Veronica Ferres oder Lena Meyer-Landrut die Gunst der Stunde, um in den sozialen Medien ihre Betroffenheit kund zu tun. Micky Beisenherz über Beispiele von radikalstem Narzissmus.

Micky Beisenherz über Terror-Selfies

Micky Beisenherz über Terror-Selfies und die Jagd nach Aufmerksamkeit

Es ist alles ganz fürchterlich. Und doch irgendwie alles wie immer.

An dieser Stelle könnte ein schäumender Text stehen. Darüber, wie Medien jeden Kardinalfehler machen, jede Schamgrenze überschreiten, jeden Klick-Köder auslegen, um aus dem Terror ein Geschäft zu machen und nebenbei Glorifizierungsanreize schaffen, neue Selbstmordattentäter zu einem letzten Karriere-Highlight als Seite-1-Boy zu animieren.

Aber mit der gleichen Abstumpfung, mit der ich die sich häufenden Terrormeldungen mittlerweile registriere, nehme ich auch die üblichen Reflexe zur Kenntnis. Wut über den Terror, Wut über die Medien, Wut über die Wut. Rede, Gegenrede, Gegenredengegengerede, Kommentarleistenkakophonie.

Es macht mich zusehends müde. Ich ermüde mich sogar selbst. Nur noch selten gerate ich in Wallung. Das geschieht allenfalls, wenn zum Beispiel jemand wie Schauspielerinnendarstellerin Veronica Ferres die Gunst der Stunde nutzt, um via Twitter ihre tiefe Betroffenheit kund zu tun. "An einem Tag wie diesem müssen wir noch mehr Liebe geben und mehr zusammenhalten. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen. #standtogether".

So weit, so pilchernd. Garniert wird die Botschaft allerdings mit einem circa achtfach gephotoshopten Selfie, sodass es einen förmlich anbrüllt: Hey, Leute, klar. Manchester ist schlimm. Aber guckt mal! Ein schönes Foto von mir! Der Terror hat viele Gesichter.

Getoppt wird das ganze nur von Lena Meyer-Landrut, deren Hirn sich offensichtlich noch nicht von den "Wo liegt Incirlik?"-Teufelsquizfragen bei "Schlag den Star" erholt hat.
Gleiches Prinzip: Schönes Foto von sich selbst, romantisch am Hibiskus schnuppernd und verträumt in die Gegend guckend, gepaart mit ein paar Worten der Anteilnahme und - Obacht! - Danksagungen für die netten Geburtstagswünsche. Oh, grausamer Supertanker Eitelkeit. Brächte sie doch zumindest ein paar Instagramm Würde auf die Waage. Beispiele radikalsten Narzissmus. Und doch im Kern nicht so weit entfernt von dem, wie wir selber mit den Horrormeldungen umgehen.

Stars nach Anschlag von Manchester: "Wir müssen besser werden. Wir müssen uns lieben."


Grenzbundespräsidiale Reden ans Facebook-Volk

Springen wir doch alle auf die eine oder andere Art auf das Ego-Karussell auf. Jeder befriedigt seine Eitelkeit. Jeder gibt zu Protokoll, wie fassungslos er oder sie ist. Jeder fühlt sich genötigt mitzuteilen, wie schlimm er diese Scheißterroristen findet. Während der nächste die noch viel, viel beschissener findet. Und wirft dabei den #Hashtag aus.

Wieder andere, so wie nicht selten auch ich, verspüren den Drang, grenzbundespräsidiale Reden ans Facebook-Volk zu halten, von Liebe und Respekt zu predigen und davon, was jetzt zu tun sei. Erbauliche Zeilen, die am Ende doch eigentlich nur dem ein gutes Gefühl geben, bei dem die Daumen einlaufen. Gibt es irgendwelche schönen Gebäude in Manchester, damit ich schnell ein Logo basteln kann? Je suis moi. Ein ranziger Kuchen, von dem jeder was abhaben will.

Ein Gefühl, das mit sehr vertraut ist. Auch mir ist es nicht gelungen, mich zurückzuhalten. Natürlich nicht. Sonst droht meine Senftube zu platzen, so scheint es. Wichtig für mich, öffentlichkeitswirksam von meinen Empfindungen zu berichten. Nicht ohne dann und wann auf die Anteilnahme der Anderen zu schielen. Selbst, wenn es ein ehrliches Empfinden ist.

Terror. Wahlen. Tatort.

Muss ich das posten? Kann ich dieses Gefühl nicht einfach - nun ja - für mich behalten? Können wir das überhaupt noch? Ist das Rauschen in der Echokammer so wichtig geworden, dass uns jedes Ereignis gelegen kommt, nochmal "Huhu, ich bin auch noch da!" zu rufen? Scheint so. Ich krieg es nicht hin. Terror. Wahlen. Tatort.

Schlussendlich bleibt die Erkenntnis: Social Media ist wie ein Baum, an den jeder pisst. Schafft persönliche Erleichterung, trägt zur gesellschaftlichen Entwicklung nur nichts bei.

Und morgen ist ein neuer (Hash-)Tag.

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.