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Alice Cooper wird 60: "Die Leute brauchen Alice, den Wüterich"

Marilyn Manson oder Lordi haben bei ihm abgekupfert. Seine Shows mit Schlangen, Monstern und Riesenspinnen sind gruseliger als das Dschungelcamp. Rockstar Alice Cooper, König des Schockrocks, wird 60 Jahre alt.

Auf der Bühne floss literweise das Blut, Schlangen, Monster und Riesenspinnen sorgten für Entsetzen, und am Schluss wurde der geisterhaft geschminkte Sänger unter der Guillotine enthauptet. Als Alice Cooper mit solch exaltierten Bühnenshows das amerikanische Bürgertum verschreckte, lagen seine "Schüler" wie Marilyn Manson oder Lordi noch in den Windeln. Als "Erfinder" des Schockrocks hat Cooper Musikgeschichte geschrieben und bisher mehr als vier Jahrzehnte lang in der Szene mitgemischt - schräg, schrill und musikalisch packend.

An Zurückschalten denkt Alice Cooper nicht. "Ich halte mich an Mick Jagger", sagte er einmal. "Der ist sechs Jahre älter als ich. Deshalb denke ich, wenn der in Ruhestand geht, habe ich immer noch sechs Jahre vor mir." Mit seinem 2005 erschienenen Album "Dirty Diamonds" tourte er fast zwei Jahre rund um die Welt. In Deutschland stand er zuletzt 2006 unter anderem in Berlin, Kiel, München, Nürnberg und Wetzlar mit den gefeierten Altrockern von Deep Purple auf der Bühne.

Eigentlich wurde Alice Cooper 1948 als Vincent Damon Furnier in der US-Autostadt Detroit geboren. Noch während der Schulzeit gründete der Beatles-Fan seine erste Band "The Earwigs" (Die Ohrwürmer), die nach mehreren Namenswechseln in "Alice Cooper" umbenannt wurde. Angeblich stammt der Name von einer Frau, die im 17. Jahrhundert auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Alice Cooper, damals noch Vincent, soll sich bei einer spirituellen Sitzung als ihre Reinkarnation erfahren haben. Wie dem auch sei - erst taufte er die Band auf den Namen, 1974 legte er ihn sich auch selbst offiziell zu.

Mit Hexenkräften und Satansbräuchen hält er es auch in seiner weiteren Karriere. Nach einigen Flops kann die Band 1971 mit "Love It To Death" ihren ersten Erfolg landen, 1972 gelingt mit dem bis heute legendären Album "School's Out" der internationale Durchbruch, gefolgt vom Verkaufshit "Billion Dollar Babies". Als Bürgerschreck machen die "bösen Buben" Kasse - je mehr ihre Shows für Aufregung sorgen, desto besser verkaufen sich die Karten.

Nach der Entzugsklinik kam der Glaube

1975 startet Alice Cooper eine Solokarriere, doch es geht bald bergab. Zunehmend machen ihm seine Alkoholprobleme zu schaffen. Er begibt sich in Therapie (verarbeitet in dem Album "From The Inside"), es kommt wieder zum Rückfall. Erst Mitte der 80er Jahre wird er endgültig trocken, im Glauben findet er Halt. "Ich war mein ganzes Leben Alkoholiker, aber all die Autos, Häuser, Frauen, Drogen - am Ende bleibt Dir nichts", sagte er. "Ich trinke nicht mehr, und in der Kirche habe ich gefunden, worum es geht: unsere Beziehung zu Gott, zu den Dingen."

1986 steigt er wieder ins Geschäft ein - die Single "He's Back" ist Programm. Mit dem Album "Trash" und dem Hit "Poison" gilt er nur drei Jahre später wieder als absolute Kultfigur, auch wenn seine Fans inzwischen eine Generation jünger sind. Es folgen einige ungewohnt harte und düstere Alben, bis er 2003 mit "The Eyes Of Alice Cooper" zu den Rock'n'Roll-Rhythmen seiner frühen Jahre zurückkehrt. Seit 2000 tritt seine Tochter Calico (26) in den Shows mit auf.

Die zwei Gesichter des Alice Cooper will der geläuterte Schockrocker auch weiter pflegen: "Für meine Familie bin ich ein Held - und vielleicht für einige Wohltätigkeitsvereine", sagt er. "Aber auf der Bühne brauchen die Leute Alice, den Wüterich."

Nada Weigelt/DPA / DPA