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Barbra-Streisand-Konzert: 500 Euro sind noch nicht zu viel

Weltstar Barbra Streisand wird am Samstag zum ersten Mal in ihrer Karriere in Deutschland auftreten. Kartenpreise von bis zu 550 Euro sorgten im Vorfeld für Empörung. Doch noch sind genügend Fans bereit, diese Summen zu zahlen.

Von Carsten Heidböhmer

Die Überraschung war groß: Anfang Mai dieses Jahres kündigte die als publikumsscheu geltende Sängerin Barbra Streisand eine Konzerttournee durch Europa an, mit einem Halt in Deutschland. Nie zuvor war die Sängerin in Kontinentaleuropa aufgetreten, Konzerte in Deutschland hatte die aus einer jüdischen Familie stammende New Yorkerin bislang immer abgelehnt - mit Hinweis auf die Vergangenheit des Landes. Nun tritt die Entertainerin ausgerechnet in der ehemaligen Reichshauptstadt auf - ein starkes Signal für das lange verschmähte deutsche Publikum. Doch angesichts von Kartenpreisen von bis zu 550 Euro verging so manchem eingefleischten Fans die Freude. Vor allem in Internetforen wurde heftig über die Kartenpreise diskutiert. Tenor: Das ist reine Abzocke.

Berechtigte Wut über eine aus den Fugen geratene Preispolitik oder Kleingeistigkeit angesichts des erstmaligen Besuchs der großen Künstlerin? Michael van Almsick, Pressesprecher der Deutschen Entertainment AG, die das Konzert veranstaltet, kann den Wirbel um die Preise nicht ganz nachvollziehen. Immerhin reise die Entertainerin mit einem 58-köpfigen Orchester an. Während klassische Konzertorchester bei ihren Auftritten vom Staat großzügig subventioniert würden, müssten die Kosten in diesem Fall zu 100 Prozent über den Eintritt gedeckt werden. Zudem liege Streisand mit Einstiegspreisen von unter 100 Euro durchaus im Rahmen der vergleichbaren Weltstars, sagt van Almsick im Gespräch mit stern.de.

Rolling Stones für 188 Euro

Tatsächlich ist die Tendenz zu immer teureren Konzertkarten schon seit längerem zu beobachten. Parallel zur Krise der Musikindustrie haben immer mehr Künstler Tourneen als Einnahmequelle für sich entdeckt. Topstars wie U2 haben in der Vergangenheit bewiesen, dass Konzerte sehr viel Geld in die Kassen spülen. Auch in diesem Sommer dürfen die Musikfans wieder tief in die Taschen greifen: Wer die Rolling Stones sehen will, muss zwischen 82 und 188 Euro berappen. Die in die Jahre gekommenen Rocker von Police kosten bis zu 122 Euro. Und selbst die Konzerte eines Jungspunds wie Michael Bublé kann man nicht unter 83 Euro besuchen.

"Letzten Endes bestimmt der Markt die Höhe", sagt van Almsick. Im Fall Streisand scheint die Preispolitik durchaus aufgegangen zu sein: Mehr als 17.000 Tickets sind für die Waldbühne bereits verkauft, nur noch wenige hundert Restkarten erhältlich.

Viele Plätze blieben leer

Grundsätzlich seien Konzertveranstalter an maßvollen Preisen interessiert, so van Almsick. Allerdings ist ihr Einfluss nur begrenzt. Das Problem ist: Sind die Preise zu hoch, bleibt das Publikum weg. Die Rolling Stones mussten erst unlängst diese Erfahrung machen, als bei ihrem Konzert in der Frankfurter Commerzbank-Arena etliche Plätze leer blieben.

Barbra Streisand bleibt dieses Schicksal erspart: In Deutschland - und in den übrigen europäischen Stationen - war das Publikum bislang noch bereit, die hohen Preise zu zahlen. Nur das ursprünglich als Tourauftakt geplante Konzert in Rom wurde abgesagt - angeblich wegen der Proteste gegen die zu hohen Preise. Aus Branchenkreisen hört man hingegen eine ganz andere Erklärung: Streisand sei einfach mit ihrer Produktion nicht fertig geworden.

So beweist die Tournee vor allem eines: Die Schmerzgrenze scheint auch bei 500 Euro noch nicht erreicht. So wird sich die Preisspirale wohl noch eine ganze Weile nach oben bewegen.