BAYREUTHER FESTSPIELE Lance Armstrong von Bayreuth


Durch seine hervorragende Gesangstechnik, Selbstdisziplin und Begeisterung, hat es Robert Dean Smith bei den Bayreuther Wagner-Festspielen zum Weltstar mit »Schicksalsrolle« geschafft.

Es war ein weiter Weg von den endlosen Weizenfelder von Kansas bis auf den Grünen Hügel von Bayreuth. Und die Tour zu den höchsten Sängerweihen wies etliche Etappenziele auf: Kansas-City, New York, Bielefeld, Wiesbaden, Kassel, Bremen und Mannheim. Doch wer diese Strecke mit immer größeren Erfolgen und anhaltender Kondition absolviert hat, der ist wohl dazu bestimmt, auch bei einem der weltweit größten Musikereignisse eine Sonderrolle zu spielen. Eben diese hat Robert Dean Smith derzeit bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen.

Der jungenhaft wirkende Mittvierziger singt nicht nur den Siegmund in der »Ring«-Oper »Die Walküre«, sondern auch noch bei drei Vorstellungen die Titelrolle des »Lohengrin« sowie in vier von sechs »Meistersinger«-Abenden seine »Schicksalspartie«, den Walther von Stolzing.

Als Smith 1997 erstmals als Ersatzmann nach Bayreuth verpflichtet wurde, musste er kurzfristig für seine berühmten, aber indisponierten Kollegen Peter Seiffert einspringen und das berühmte »Preislied« singen. »Ich werde die Publikumsreaktion nie vergessen«, erinnert sich der damalige Debütant. Denn der riesige Saal mit dem extrem kritischen Publikum tobte vor Begeisterung. Auch in diesem Jahr hat der Amerikaner in seinen bislang zwei von insgesamt zehn Auftritten vor dem Vorhang Ovationen entgegennehmen können.

Smith, der von sich selbst sagt, ursprünglich »keine große Stimme« gehabt zu haben, verfügt heute über eine hervorragende Gesangstechnik, Fleiß, Selbstdisziplin, vor allem aber Begeisterung.

Seinen Wohnsitz hat Smith in der Schweiz, reist aber seit dem Durchbruch zum Weltstar durch die ganze Welt. Der »Cowboy aus der Prärie«, wie er sich selbst lachend bezeichnet, genießt die Engagements in Weltstädten wie Madrid, London und demnächst auch San Francisco. »Jetzt komme ich als Amerikaner erstmals nach Kalifornien«.

Eine weitere kleine Heimat hat er jedoch in Oberfranken gefunden und die Zeit für Bayreuth möchte er sich deshalb auch immer frei halten. Für ihn sind die Festspiele kein »Tollhaus«, sondern ein Ort, für dessen speziellen Zauber er eine einfach Erklärung hat: »Jeder ist freiwillig hier, von den Musikern bis zu den Sängern.« Wagner hat er schon immer gemocht und politische oder weltanschauliche Vorbehalte gegen den Komponisten und dessen Kultstätte Bayreuth hat der aus einfachen Verhältnissen stammende »Cowboy-Tenor« nie gehegt.

Robert Dean Smith, der Lance Armstrong von Bayreuth, sieht in seiner Karriere, selbst im Wagner-Fach, noch viele Herausforderungen. »Ob ich mal den Siegfried oder Tristan singe? Das lasse ich auf mich zukommen.«


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