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BENEFIZ-SHOW: Künstler sammeln Millionen Spendendollar

Millionen Fernseh-Zuschauer auf der ganzen Welt haben in der Nacht eine gigantische Benefiz-Show für die Opfer der Terrorattacken in den USA verfolgt.

Es war eines der größten Benefiz-Konzerte: Stars aus der Pop- und Film-Szene haben in den USA Spenden für die Opfer der Terroranschläge gesammelt. Zehn Tage nach dem Inferno mit tausenden Toten an der amerikanischen Ostküste hatten die Veranstalter Furcht vor neuen Attacken. Die Gala in der Nacht zum Samstag fand ohne Publikum an geheimen Orten zugleich in New York und Los Angeles statt; Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt verfolgten die Show live im Fernsehen. Statt Applaus füllte betretenes Schweigen die Pausen zwischen den Auftritten. Die Bühnen waren in gedämpftes Licht getaucht. Im Hintergrund flackerte ein Kerzenmeer.

Eröffnung durch Bruce Springsteen

Als die Silhouette der New Yorker Skyline langsam auf dem Bildschirm verschwand, erklang der Eröffnungs-Song von Bruce Springsteen. Mit feuchten Augen bot er sein neues Lied »unseren Brüdern und Schwestern« als Gebet an und sang »Meine Stadt liegt in Ruinen« und »Komm, steh auf!«. Auch Julia Roberts war den Tränen nah. Mit stockender Stimme rief die Schauspielerin die Zuschauer auf: »Bitte, liebt Euch, helft Euch gegenseitig - jeden Tag. Frieden sei mit Euch.«

Bratt Pitt und Al Pacino am Telefon

Die Kanadierin Celine Dion symbolisierte mit ihrem Refrain »Gott segne Amerika« die internationale Solidarität mit der verwundeten Supermacht. Bilder von trauernden Menschen auf der ganzen Welt wurden eingeblendet. Hollywood-Stars wie Jack Nicholson, Whoopie Goldberg, Brad Pitt, Sylvester Stallone oder Al Pacino nahmen während der Sendung vor einem gigantischen Banner der Vereinigten Staaten persönlich die Telefonate der Spender entgegen.

Der Name der Veranstaltung war Programm: »America: A Tribute to Heroes« (Amerika: Ein Tribut für Helden). Zwischen den Songs erzählten Angehörige Geschichten über die Opfer. Die Stars in schwarzen Anzügen und Kleidern berichteten bewegt von den letzten Minuten einzelner Opfer im Gerangel mit den Entführern in ihren fliegenden Bomben oder während ihres beherzten Einsatzes im brennenden Glutofen des World Trade Centers in New York.

Jim Carrey sprach von einem Helfer, der eine gelähmte Frau mehr als 80 Stockwerke hinunter aus dem qualmenden Wolkenkratzer trug - und rettete. George Clooney beschrieb die letzten Momente eines New Yorker Polizisten, der trotz Dienstschlusses zum Unglücksort eilte und nie mehr zurück kam.

»Islam bedeutet Frieden«

Auch die Angst vor dem, was noch kommen kann, floss zwischen die getragenen Lieder. Ein moslemisches Schulmädchen mit einem weißen Kopftuch kam zu Wort: »Ich habe Angst, dass sie jetzt unsere Moschee in die Luft jagen.« Ein moslemischer Junge mit großen, braunen Augen sagte verständnislos: »Die Leute sagen zu mir: Du hast es getan.« Das Boxer-Idol Mohammed Ali - zitternd und von der Parkinson- Krankheit gezeichnet - beteuerte: »Alle Moslems sind gegen dieses Töten und gegen Gewalt« und »Islam bedeutet Frieden«.

Der mehrfache Oscar-Preisträger Robert de Niro brach eine Lanze für die Religionsfreiheit. Auch die freie Meinungsäußerung und Freiheit von Not und Angst gehörten zu den Werten, die standhaft verteidigt werden müssten. Gestärkt zeigte sich Pop-Diva Mariah Carey, die nach ihren Nervenzusammenbrüchen bei dem Benefiz-Abend zum ersten Mal öffentlich auftrat.

Erstmals in der amerikanischen Fernseh-Geschichte schlossen sich 31 Fernsehsender zusammen und strahlten die Show gemeinsam aus. Mehr als 8.000 Radiosender klinkten sich ein. Auch im Internet war die Show zu sehen. Bereits innerhalb weniger Stunden gingen mehr als 116 Millionen Dollar (244 Mio Mark) an Spenden ein. Am Samstagabend (Ortszeit) nach Schließung der Telefonleitungen und Internet-Seiten wurde mit der Bekanntgabe der endgültigen Summe gerechnet.

Erinnerungen an »Live Aid«

Die Show weckt Erinnerungen an die großen Benefiz-Shows der 80er Jahre: Damals nahm Bob Geldof mit britischen Musikern die Single »Do They Know Its Christmas« auf, deren Erlös an hungerleidende Menschen in Äthiopien ging. 1985 organisierte er das Benefiz-Konzert »Live Aid«, bei dem im Londoner Wembley Stadium und in Philadelphia Größen des internationalen Musikbusiness spielten.

Michael Jackson mit eigenem Projekt

Pop-Star Michael Jackson reihte sich bei dem Tribut an Amerikas Helden nicht in die Gäste der Sendung ein. Stattdessen hatte er Anfang der Woche einen neuen Song ankündigen lassen, mit dem er den Opfern der Terroranschläge helfen wolle. Die Single mit dem Titel »What More Can I Give?« soll etwa 100 Millionen Mark einspielen. Mit einem ähnlichen Projekt half Jackson in der Vergangenheit Afrika. Der Song »We Are the World« brachte knapp 125 Millionen Mark ein.