HOME
Show-Kritik

Super-Bowl-Halbzeitshow: Das macht Helene Fischer besser - der maue Auftritt von Justin Timberlake

Dass er Playback sang - geschenkt. Dass er mit einem Song startete, den kein Mensch kannte - okay. Aber dass Justin Timberlake außer ein paar Tanzbewegungen jeden Überraschungsmoment vermissen ließ, macht seinen Auftritt zu einem der schlechtesten der Super-Bowl-Geschichte.

Justin Timberlake

Wie bei seinen Konzerten auch, tanzte Justin Timberlake fleißig mit.

Schon der Beginn war völlig daneben. Justin Timberlake startete mit seinem neuen Song "Filthy" in die Halbzeitshow des Super Bowl 2018. Ein Titel, den keiner kennt. Doch es kommt noch schlimmer. Statt ihn möglichst gut zu präsentieren und mit einem Wow-Effekt in die Show einzusteigen, sang Timberlake in den Katakomben des US-Bank-Stadions. Doch wer geglaubt hatte, der Sänger würde auf spektakuläre Weise die Arena mit 66.600 Zuschauern betreten - einschweben wie Lady Gaga oder auf einem mechanischen Tiger einreiten wie Katy Perry, der irrte. Timberlake tänzelte die Stufe hinauf und stand dann irgendwann im Scheinwerferlicht. Kein Glamour, kein Showeffekt, nur Getanze. Das macht Helene Fischer bei jedem Konzert besser.

Eine Milliarde Menschen weltweit verfolgten am Sonntagabend das Finale des Super Bowl 2018 zwischen den Philadelphia Eagles und den New England Patriots live aus Minneapolis. Sie sahen ein gutes und spannendes Spiel, aber eine der schlechtesten Halbzeitshows der Geschichte. Wo sonst in den USA Maßstäbe in Sachen Unterhaltung gesetzt werden, wurde das Publikum Zeuge eines mauen und uninspirierten Auftritts.

Halbzeitshow: Der mit dem orangenen Halstuch - die besten Bilder von Justin Timberlake beim Super Bowl
Justin Timberlake beim Super Bowl

Der emotionalste Moment der Halbzeitshow: Justin Timberlake singt ein Duett mit dem verstorbenen Sänger Prince. . "This is for you, Minneapolis", sagt Timberlake und huldigt damit dem in der größten Stadt des US-Bundesstaates Minnesota geborenen Sänger, der 2016 dort in seinem Anwesen starb. 

So stimmungsvoll wie Weihnachten bei Karstadt

Einzig das Duett Timberlakes mit dem verstorbenen Sänger Prince vermochte für einen Moment Emotionen zu erzeugen. Doch auch hier fehlte jede Raffinesse. Statt eines angekündigten Hologramms bekamen die Zuschauer Prince auf ein überdimensionales Bettlaken projiziert zu sehen. Hätten die Fans im Stadion ihre Handylampen nicht eingeschaltet, wäre auch dieser Moment so stimmungsvoll wie Weihnachten bei Karstadt gewesen.

Damit wir uns richtig verstehen: Dass der Auftritt von Justin Timberlake so schlecht war, lag nicht an seinem Playback. Unterstützung vom Band hatten vor ihm auch Madonna und Lady Gaga - und hätten besser auch die Black Eyed Peas haben sollen (beziehungsweise noch mehr). Es lag auch nicht an Timberlakes Tanzeinlagen, die wie gewohnt hervorragend waren oder am Charme des Sängers, der ein Bad im Publikum nahm und einen kleinen Jungen als #SelfieKid berühmt machte. Es war die Summe des Mittelmaßes, die diese Show bot. Oder wie die Amerikaner sagen würden: Not so bad - aber eben auch nicht gut.

Die Macher verließen sich nur auf Justin Timberlake

Wenn der Sänger schon auf einem traurigen Holzpodest steht, dann muss es wenigstens eine zündende Idee sein, die den Auftritt trägt. Wie 1993 beim Auftritt von Michael Jackson (siehe unten). Damals noch bei Tageslicht, bekam jeder Zuschauer im Stadion-Rund von Pasadena ein Pappschild in verschiedenen Farben in die Hand gedrückt. Dieses musste zu "Heal The World" nach oben gehalten werden. Die Schilder ergaben die Umrisse von sich an den Händen haltenden Kindern. Eine einfache Idee, aber ein toller Effekt.

Obwohl inzwischen technisch überholt, ist Jacksons Auftritt bis heute die Messlatte für jeden Künstler, der zum Super Bowl will. Justin Timberlake ist am Sonntagabend weit, weit darunter geblieben.