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Eurovision Song Contest 2019: "Nächstes Mal in Jerusalem" - eine banale Ankündigung der Siegerin sorgt für Ärger

Nicht einmal die Austragung einer harmlosen Veranstaltung wie den Eurovision Song Contest ist in Israel normal. Nachdem Gewinnerin Netta "nächstes Mal in Jerusalem" in die Menge rief, gibt es Bedenken gegen den ESC in der umstrittenen Hauptstadt.

Netta feiert ihren Sieg beim ESC

Netta feiert ihren Sieg beim ESC

DPA

"Nächstes Mal in Jerusalem", rief eine freudetrunkene Netta in die jubelnde Menge. Was angesichts des israelischen Siegs beim Eurovision Song Contest banal klingt, nämlich die Ausrichtung des Wettbewerbs im Siegerland, ist in diesem Fall eine kleine politische Provokation. Allein schon die Worte "Nächstes Jahr in Jerusalem" - eine feststehende Redewendung -, derer sich auch sofort Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bedient hat, werden traditionell am Ende des Yom-Kippur- und dem Pessach-Fest gesungen und gerne religiös verstanden.

Spricht etwas gegen den ESC in Jerusalem?

Gewinnerin Netta freut sich, dass der Wettbewerb 2019 in Israel stattfindet. "Das ist Wahnsinn, ich liebe mein Land", sagte sie nach ihrem Triumph. Montagabend wird Netta auf dem zentralen Rabin-Platz in Tel Aviv auftreten, die äußerst liberale Mittelmeer-Metropole wäre auch ein geeigneter Austragungsort - eigentlich spricht vieles gegen Jerusalem.


Denn Jerusalem ist nicht nur die Hauptstadt Israels, sondern wird als solche auch von den Palästinensern beansprucht, zumindest der Ostteil der Stadt. Zudem leben dort sehr viele Ultrareligiöse und Erzkonservative, denen der pluralistische ESC ein Dorn im Auge sein dürfte. Traditionell findet das Finale an einem Samstag statt, was zu Protesten strengreligiöser Juden wegen der Verletzung des jüdischen Ruhetags Sabbat führen könnte. Auch eine Massenanreise schwuler und lesbischer Fans zu dem Event könnte in dem eher religiös und konservativ geprägten Jerusalem zu zusätzlichen Spannungen führen.

Machen Muslime mobil gegen den ESC?

Auf Seiten der Muslime kommt Protest von der Bewegung "Boykott, Desinvestition und Sanktionen" (BDS). Dies ist eine von Palästinensern gegründete transnationale Kampagne mit dem Ziel, Israel politisch, kulturell und wirtschaftlich zu isolieren. Alles, was sie als "Normalität" und friedliche Koexistenz in einer Lage der Unterdrückung ausmacht, ist für sie zutiefst unethisch. BDS wird alle Künstler auffordern, dem Event fernzubleiben.

Zuletzt fand der ESC vor 20 Jahren in Jerusalem statt, nachdem Dana International in Birmingham gewonnen hatte. Der Bürgermeister der Stadt, Nir Barkat, twitterte, er werde alles tun, um "Eurovision 2019" in der israelischen Hauptstadt zum Erfolg werden zu lassen. Zunächst aber steht Jerusalem vor einer anderen Herausforderung: Im Laufe des Montags wird dort die umstrittene US-Botschaft eröffnen, nachdem US-Präsident Donald Trump Jerusalem im Alleingang als Israels Hauptstadt anerkannt hat.


nik mit DPA