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Eurovision Song Contest in Düsseldorf: Pragmatismus schlägt Hauptstadt-Flair

Der Außenseiter hat gewonnen. Der Eurovision Song Contest 2011 findet in Düsseldorf statt. Die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens hat sich gegen den Favoriten Berlin durchgesetzt. Während man am Rhein jubelt, ist man an der Spree bitter enttäuscht.

Die Rheinmetropole Düsseldorf hat das Rennen um die Austragung des Eurovision Song Contests 2011 gemacht. Nach wochenlangen Spekulationen, wonach die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Austragungsort sein wird, gab der NDR die Entscheidung am Dienstag in Hamburg bekannt. Weitere Bewerberstädte waren Berlin, Hamburg und Hannover.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) sagte, dies sei "ein bedeutender Tag" für seine Stadt. Der Grand Prix wird im Mai 2011 in Deutschland ausgerichtet, nachdem die deutsche Song-Contest-Teilnehmerin Lena Meyer-Landrut in diesem Jahr den Gesangswettbewerb gewonnen hatte. Die Sängerin aus Hannover soll im kommenden Jahr noch einmal antreten.

Die ARD-Intendanten gaben am Dienstag auf Vorschlag des NDR Düsseldorf einstimmig den Zuschlag. Auch die Europäische Rundfunkunion (EBU) habe grünes Licht gegeben, teilte der NDR mit. Vorausgegangen war den Angaben zufolge eine "intensive Prüfung" der Konzepte aller vier Städte, die sich als Austragungsort beworben hatten. Düsseldorf bietet nach Einschätzung der Verantwortlichen die besten Bedingungen für das Event.

"Wir hoffen, dass wir in den nächsten vier Wochen mit dem Ticketverkauf beginnen können", erläuterte ARD- Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. Neben dem Finale am 14. Mai 2011 sollen in Düsseldorf zwei Halbfinals und drei Generalproben über die Bühne gehen. Die billigsten Tickets sollen 19 Euro kosten.

Nach Ansicht von OB Elbers wird der wirtschaftliche Effekt für die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt unbezahlbar sein. Über die Fernsehgeräte seien 160 Millionen Menschen in Düsseldorf dabei. Der Werbeeffekt lasse sich auf mindestens 140 Millionen Euro beziffern. Die Multifunktionsarena am Rhein, in der der Song Contest stattfindet, ist das Heimstadion des Fußball-Zweitligisten Fortuna Düsseldorf, der eigens für den Gesangswettbewerb für mehrere Wochen die Arena verlassen muss.

Die rund 25 Millionen Euro, die der diesjährige Musikwettbewerb in der norwegischen Hauptstadt Oslo gekostet haben soll, seien für den Song Contest in Deutschland eine realistische Orientierung. "Das ist für uns die Größenordnung, die wir natürlich versuchen werden noch zu unterbieten", sagte Gartzke. Davon zahle die ARD den größten Teil, ein kleinerer Beitrag komme von der Europäischen Rundfunkunion EBU.

Laut Gartzke tragen die ARD und die EBU die Kosten für die Veranstaltung. Von der EBU komme eine Sockelfinanzierung, den weitaus größeren Teil bezahle die ARD. Eine Refinanzierung soll auch durch den Ticketverkauf erfolgen.

Der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust sagte, sowohl die "optimalen Produktionsbedingungen" als auch die niedrigeren Kosten hätten den Ausschlag für Düsseldorf gegeben. NDR-Intendant Lutz Marmor sagte: "Natürlich hätte ich es als NDR-Intendant gern gesehen, wenn der ESC nach Norddeutschland gekommen wäre, nachdem der NDR diesen Wettbewerb nach 28 Jahren wieder nach Deutschland geholt hat." Der NDR habe aber "als Treuhänder der ARD und der Fans des ESC in ganz Deutschland im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit Gebührengeldern Düsseldorf empfohlen".

Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung, sagte: "Düsseldorf konnte vor allem mit seiner Arena und ihrem Umfeld punkten." Mehr als jeweils 24.000 Zuschauer könnten bei den beiden Halbfinals und dem Finale, aber auch bei den Generalproben dabei sein.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bedauerte die Entscheidung. "Eine solche Veranstaltung, die eine europaweite Ausstrahlung hat und die sich besonders an junge Leute richtet, hätte hervorragend in die jugendliche Metropole Berlin gepasst", sagte er. Der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft "visitBerlin", Burkhard Kieker, sagte: "Den Verzicht auf die deutsche Hauptstadt als Austragungsort für den Eurovision Song Contest 2011 halte ich für eine dem Ausland nur schwer zu vermittelnde Entscheidung."

Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) zeigte sich enttäuscht. Der Grand Prix hätte gut nach Hannover gepasst, sagte er. Hamburgs Erster Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) sagte: "Dass der Eurovision Song Contest nun am Rhein stattfindet und nicht an der Elbe, sollten wir hanseatisch-sportlich nehmen." In den vergangenen Jahren war beim Song Contest meist die Hauptstadt des austragenden Landes der Veranstaltungsort gewesen.

Deutschland hatte vor diesem Jahr den Grand Prix erst einmal gewonnen: 1982 siegte Nicole mit "Ein bisschen Frieden". Der Song Contest fand im Jahr darauf in München statt. 1957 war Frankfurt am Main Gastgeberstadt des ein Jahr zuvor gestarteten Gesangswettbewerbs.

Der deutsche Vorentscheid war in diesem Jahr von der ARD und ProSieben - mit dem Grand-Prix-erfahrenen Entertainer Stefan Raab - gemeinsam ausgetragen worden. Die Zusammenarbeit war eine Premiere für den öffentlich-rechtlichen Senderverbund und den Privatsender.

APN/DPA / DPA