Eurovision Song Contest Vier Engel singen für Deutschland


Die "No Angels" haben den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest für sich entschieden. Die vier Sängerinnen haben die Konkurrenz dabei allerdings nicht unbedingt durch ihren Gesang ausgestochen.

Die No Angels singen für Deutschland beim Grand Prix. Mit dem eingängigen Popsong "Disappear" setzten sich die vier Sängerinnen am Abend beim Vorentscheid in Hamburg gegen vier Konkurrenten durch. Die Zuschauer der ARD-Live-Show hatten per SMS und Anruf die No Angels als Gewinnerinnen bestimmt, die am 24. Mai beim Eurovision Song Contest in der serbischen Hauptstadt Belgrad antreten. Im vergangenen Jahr hatte der Swingmusiker Roger Cicero Deutschland beim internationalen Finale vertreten. Trotz eines überzeugenden Auftritts kam er nur auf Platz 19.

Im Abstimmungsfinale am Donnerstag ließen Lucy, Sandy, Nadja und Jessica die Musicalsängerin Carolin Fortenbacher hinter sich. In Miniröcken und Glitzeroutfits hatte die Castingband den professionellsten und heißesten Auftritt hingelegt, dafür kamen die Stimmen eher schwach rüber - was die Fans aber offensichtlich nicht störte. Fortenbacher hatte bei ihrer Ballade "Hinterm Ozean" mit ihrer kraftvollen Stimme überzeugt, der Auftritt blieb hingegen farblos.

Kandidaten setzten unterschiedliche Akzente

Die fünf Kandidaten traten zwar alle mit Mainstream-Pop-Songs an, setzten aber sehr unterschiedliche Akzente. Die Hannoveraner Jungs von Marquess gaben mit "La Histeria" Latino-Pop zum Besten, ließen aber etwas südamerikanisches Feuer vermissen. Tommy Reeve sang sich am Flügel mit seinem sanften Song "Just One Woman" sicher in so manches weibliche Fan-Herz, was ihm aber nicht reichte. Die ungewöhnlichsten Teilnehmer, Cinema Bizarre, dürften mit ihrem Elektro-Pop-Rock-Song "Forever Or Never" sicher ihre Fans begeistert haben, das klassische Grand-Prix-Publikum aber wohl eher nicht.

Für den verantwortlichen Norddeutschen Rundfunk (NDR) war nicht nur der Ausgang des Wettbewerbs spannend, sondern auch die Einschaltquote. Im vergangenen Jahr hatten lediglich 4,60 Millionen Fans den Vorentscheid eingeschaltet, was einem Marktanteil von 14,3 Prozent entsprach - ein deutliches Minus zum Jahr 2006, als noch 5,28 Millionen Zuschauer live dabei waren (16 Prozent). Dazu konkurrierte der Vorentscheid am Donnerstag mit quotenträchtigen Angeboten auf anderen Sendern - zwei UEFA-Cup-Spiele sowie "Germany's Next Topmodel" standen dort beispielsweise auf dem Programm.

Wettbewerb mit geändertem Konzept

Der NDR hatte für den 2008er Wettbewerb extra das Konzept geändert: Statt drei Kandidaten gingen diesmal fünf ins Rennen um den Finalplatz, und jeder bekam einen mehr oder weniger prominenten Paten zur Seite. Grand-Prix-Urgestein Katja Ebstein (Carolin Fortenbacher), "Tagesschau"-Sprecher Marc Bator (No Angels), die TV-Komiker Oliver Pocher (Marquess) und Tetje Mierendorf (Cinema Bizarre) sowie Moderatorin Kim Fisher (Tommy Reeve) machten ordentlich Werbung für ihre Schützlinge, sangen ein Medley aus alten Eurovisions-Hits und sorgten für den ein oder anderen Witz.

Moderator Thomas Hermanns führte wie schon in den vergangenen Jahren souverän und witzig durch die 90-minütige Sendung, die vor allem in der Abstimmphase Längen hatte. Bei den Showeinlagen setzte die ARD diesmal nicht auf angestaubte Grand-Prix-Oldies der vergangenen Jahrzehnte, sondern auf frischeres Eurovisions-Blut. Zu Beginn wirbelte die ukrainische Grand-Prix-Siegerin Ruslana über die Bühne, trällerte die schwedische 1999er Gewinnerin Charlotte Nilsson ihren Popsong und schmetterte Vorjahressiegerin Marija µerifovic aus Serbien ihre Ballade. Zwischendurch durfte Roger Cicero auf der Bühne mit seinem Grand-Prix-Song "Frauen regier'n die Welt" swingen und später den goldenen Umschlag mit dem Endergebnis überreichen.

DPA DPA

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