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Eurovision Song Contest 2011 Fahrstuhl fahren streng verboten


Eine perfekte Show mit "olympischen Dimensionen" soll es werden, doch bisher laufen die Proben zum Eurovision Song Contest längst nicht fehlerfrei. Es liegt noch reichlich Arbeit vor Künstlern, Technikern und Regie. Ein Blick hinter die Kulissen der Düsseldorf-Arena.
Von Jens Maier, Düsseldorf

Eric Saade zuckt mit den Schultern. Der Teilnehmer aus Schweden absolviert gerade seine erste Bühnenprobe in Düsseldorf. Die läuft für den 20-Jährigen alles andere als rund. "Ich mag es bombastisch", sagt er stern.de und meint damit seine Show. Die verlangt nicht nur ihm und seinen fünf Tänzern, sondern auch den Machern hinter den Kulissen alles ab. Eine Glasscheibe soll Eric mit einem riesigen Knall während seines Auftritts zum Bersten bringen. Damit ihm dabei nichts passiert, ist die Initialzündung dafür nicht sein Ellbogen, sondern ein kleiner Knopfdruck hinter der Bühne - ferngesteuert. Doch heute klirrt nichts. Die Scheiben bleiben ganz.

Das ist nur eines von vielen Problemen, die nach den ersten Probendurchläufen in Düsseldorf noch zu lösen sind. 38 Länder haben bereits geprobt, nur die fürs Finale gesetzten Länder Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien und Frankreich kommen erst am Wochenende dran. Bis zum ersten Semifinale am Dienstag ist eine gigantische Armada von Mitarbeitern aus Regie, Licht, Ton, Design, Kostüm und Maske jetzt damit beschäftigt, Änderungswünsche umzusetzen und Fehler abzustellen. Denn schließlich soll der Eurovision Song Contest die "beste Unterhaltungsshow der Welt" werden.

Ein weißes Mikrofon mit Diamanten

Die Fäden dafür laufen in den Katakomben der Düsseldorf-Arena zusammen. In einem fensterlosen Raum, in dem sonst die Pressekonferenzen von Fortuna Düsseldorf abgehalten werden, ist jetzt der sogenannte Viewing-Room eingerichtet. Hier treffen sich Künstler und ihre Delegationen mit Vertretern von Regie, Ton, Licht und Technik, um sich den gerade geprobten Auftritt anzuschauen und etwaige Änderungen zu besprechen. 20 Minuten haben sie dafür nur Zeit. "Wir versuchen, den Künstlern ein Nest zu bauen", sagt Viewing-Room-Chef Stuart Barlow stern.de. Jeder soll sich auf der Bühne wohl fühlen. "Wenn jemand ein weißes Mikrofon mit Diamanten haben möchte, können wir das besorgen", sagt er. Doch die Kosten dafür müssten die Delegationen selbst tragen. "Dann ist es oftmals nicht mehr so wichtig", erklärt Barlow. Sehr zufrieden ist er mit dem Verlauf der bisherigen Proben, auch wenn hier und da ein paar Probleme zu lösen wären. Die Glasscheibe von Eric Saade ist eine davon.

Thomas Schreiber kann das nicht aus der Ruhe bringen. Der NDR-Unterhaltungschef und Boss des gesamten Eurovision-Song-Contest-Teams sieht stolz aus, wenn er durch die weitläufige Arena geht. Zufrieden sei er, sagt er stern.de: "Was hier zu sehen ist, sind die Früchte der Arbeit, die zwei Tage nach Lenas Sieg in Oslo begonnen haben." Seit fast einem Jahr ist Schreiber mit den Vorbereitungen zum Eurovision Song Contest in Deutschland beschäftigt. Viele Male sei er nach Oslo gefahren, um aus den "wenigen Fehlern" der Norweger, wie er sagt, zu lernen. Er hat das Team zusammengestellt, das jetzt eine TV-Show "mit olympischen Dimensionen", wie Schreiber es nennt, auf die Beine stellen soll. Nervös wirkt er trotzdem nicht, sondern fast so entspannt, als habe er sich in der Düsseldorf-Arena einen Massagesessel installieren lassen. "Warum sollte ich nervös sein?", fragt er. "Ich kann mich auf ein Mosaik von Mitarbeitern verlassen, die perfekt zusammenarbeiten."

Live-Schaltungen in 43 Länder

Einer von ihnen ist auch Jerry Appelt. Er ist der Herr über Dutzende von Knöpfen an einem riesigen Schaltpult an der Kopfseite der Arena, gegenüber der Bühne. Zwischen den Logen ist die Regie aufgebaut. Appelt steuert von hier das Computerprogramm für die gigantische Lichtanlage. Tonnen von Lampen hängen an der jetzt geschlossenen Stadiondecke - normalerweise wird hier unter freiem Himmel gespielt. Die vielen Lampen sollen nicht nur die Künstler, sondern während der Shows auch die Zuschauer ins rechte Licht rücken. Denn die sollen "ein Teil der Inszenierung werden", sagt Thomas Schreiber geheimnisvoll. Mehr will er noch nicht verraten.

Der gigantische Aufwand, der in Düsseldorf betrieben wird, ist mit keiner gewöhnlichen Samstagabend-Liveshow zu vergleichen. Die Arena hat ihre eigene Stromversorgung, um die Übertragung auch dann nicht zu gefährden, wenn in Düsseldorf durch einen Stromausfall die Lichter ausgehen. Dutzende von Übertragungswagen sind auf dem Parkplatz der Arena postiert. Schließlich müssen beim Finale am 14. Mai die Live-Schaltungen in 43 Länder stehen, damit aus ganz Europa die Punkte verlesen werden können. Allein der Aufbau der Bühne mit vier riesigen LED-Wänden hat vier Wochen gedauert. Ein so genannter Media-Content-Designer kümmert sich ausschließlich darum, die Animationen zu entwerfen, die während der Auftritte darauf zu sehen sein werden.

So sehr er sich auf sein Team verlässt, einer Sache vertraut Thomas Schreiber nicht: dem Fahrstuhl in der Arena. "Der ist für die Künstler tabu", sagt er. "Alle müssen die Treppen benutzen". Der Grund dafür ist einfach: Wenn während der Live-Show jemand stecken bleiben würde, könnte das den gesamten Ablauf gefährden.


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