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Eurovision Song Contest in Oslo Wir sind nicht alle Lena


Gehören Sie auch zu den Menschen, für die es keinen Unterschied macht, ob es nun Eurovision Song Contest oder Grand Prix heißt? Und die bei Lena Meyer-Landrut an Loriot und nicht an "Satellite" denken? Keine Angst, Sie sind nicht allein!
Von Sophie Albers

Meine einzige Assoziation mit dem Eurovision Song Contest war bisher Hape Kerkeling, der 1987 in einem Sketch multilingual Punkte vergab, bis sein weißes Lächeln in einem Kauderwelschknoten verendete. Seitdem weiß ich, dass Großbritannien plus Irland auf Französisch "Royaume-Uni" heißt. Das - und ein Mädchen mit Gitarre und "Ein bisschen Frieden"- war's. Dann kam Lena.

Seit Monaten schon grinst dieses Mädchen zurück, wohin ich auch blicke. Der Superstar, den Deutschland ganz ohne Dieter Bohlen gefunden hat. "Unsere Hoffnung in Oslo", da sind sich sogar "Bild"-Zeitung und die seriöse Gegenwehr mal einig. Das Wort "kess" wurde für "Li-La-Laune-Lena" aus dem Museum geholt. Glaubt man Leitartiklern, ersetzt das flapsig-unschuldige Schäfchen von Stefan Raab gerade den Papst. Die enttäuschte Masse starrt jetzt nach Oslo statt nach Rom. Wir sind Lena.

Noch so ein "Event-Star"

42.100.000 Ergebnisse in 0,13 Sekunden auf Google erzielt ihr Name. Zum Vergleich: Bei Nicole und "Ein bisschen Frieden" sind es nur 103.000 Ergebnisse in 1,10 Sekunden. Lobpreisungen oder Erklärversuche auf Papier, im Radio, im Fernsehen, im Netz sind Tagesgeschäft und versteigen sich zu so lustig-verzweifelten Auswüchsen wie diesem hier: "Mit ihrer Natürlichkeit und Frische hat sie offenbar nicht nur einer bröckelnden Mittelschicht den Glauben an sich selbst zurückgegeben, sondern einen flächendeckenden Blümchenteppich über das krisengeschüttelte Land gebreitet." ("Süddeutsche Zeitung"). "No points for anybody, Koan oinzig'n Punkt für so an Schmarrn", um mit Kerkeling zu sprechen.

Und hier kommt das Beruhigungsmittel: Es ist bald vorbei. Selbst wenn sie gewinnen sollte, wird Lena ganz schnell wieder vergessen sein, so wie all die anderen "Event-Stars" vor ihr - von "Big Brother"-Zlatko über "Deutschland sucht den Superstar"-Daniel Küblböck bis zur Copy-and-Paste-Autorin Helene Hegemann. Das sind Hysterie-Luftballons, die so lange aufgepumpt werden, wie das zahlende Publikum Luft hat. Dann doch lieber alte Meister mit Ausdauer.

80 Jahre alt wird der Kinohaudegen Clint Eastwood am Montag. Und am Samstagabend zeigt Arte um 23:50 Uhr den grandiosen Western "Erbarmungslos". Da kann man vorher sogar noch ein bisschen Lena gucken, wenn es denn unbedingt sein muss.

P.S.: Sind Sie auch froh, dass die Hysterie um Lena am Samstag endlich vorbei ist? Oder sind Sie ein glühender Anhänger und können von Lena nicht genug bekommen? Diskutieren Sie mit auf der Facebook-Seite von stern.de.


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