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Grand Prix: Zwischen Disco-Show und drohendem Skandal

Nach einer Woche voller Proben, Partys und Presseterminen haben die Interpreten der 26 Teilnehmerländer in Riga ihre Vorbereitungen für den Eurovisions-Wettbewerbs abgeschlossen und fiebern dem Wettbewerb entgegen.

Werden t.A.T.u. den Grand Prix zu einem Skandal machen? Hat Lou die Chance auf einen der vorderen Plätze? Nach einer Woche voller Proben, Partys und Presseterminen haben die Interpreten der 26 Teilnehmerländer am Freitag im lettischen Riga ihre Vorbereitungen für die 48. Auflage des Eurovisions-Wettbewerbs nahezu abgeschlossen. Samstagabend werden sie vor erwarteten 100 Millionen Fernsehzuschauern um die europäische Musik-Krone konkurrieren.

Hitparaden-taugliche Popsongs

Die Probeneindrücke lassen unter dem Motto «Magisches Rendezvous» eine Disco-Show erwarten. Die 40 Meter breite Riesenbühne erinnert in ihrer ovalen Form an eine Tanzfläche, hunderte von Scheinwerfern erzeugen mit ständig wechselnden Lichteffekten Party-Stimmung. Der gläserne Bühnenboden zeigt Videoeinspielungen, beim Song des russischen Pop-Duos t.A.T.u etwa einen Vulkanausbruch. Die Mehrzahl der Interpreten hat Glitzerkostüme für den Auftritt ausgewählt, die modernen Popsongs sind meist Hitparaden-tauglich.

Siegel will gewinnen

Die deutsche Vertreterin Lou will im weißen Hosenanzug überzeugen. «Licht und Sound sind wunderbar», sagte die 39-Jährige mit den markant roten Haaren. Fünf Backgroundsängerinnen und eine dynamische Tanzshow sollen Lou helfen, ein ähnliches Debakel wie im Vorjahr zu verhindern, als Deutschland mit Corinna May auf dem drittletzten Platz landete. Lous Lied «Let's Get Happy» stammt aus der Feder von Grand-Prix-Profi Ralph Siegel. «Natürlich will man gewinnen», motivierte Siegel sich und seinen Schützling.

t.A.T.u. bei den Buchmachern vorn

Die Wettbüros allerdings sehen andere Favoriten. Ganz vorne steht bei ihnen die russische Band t.A.T.u. Das Mädchen-Duo hat bereits die internationalen Charts gestürmt und mit seinen lesbisch-erotischen Videos und Bühnenshows für PR-trächtige Furore gesorgt. Die Verantwortlichen der Eurovision befürchten, dass die beiden 18-Jährigen die Live-Übertragung der Familiensendung in einen Skandal verwandeln könnten. Falls die Pop-Diven Anstandsgrenzen überschreiten, soll das Paar ausgeblendet werden.

Auch Irland, Spanien und Frankreich mit Chancen

Geht es nach den Buchmachern, dürfen sich auch Spanien und Irland große Chancen auf den Prestige trächtigen Preis ausrechnen. Die iberische Halbinsel schickt mit der 22-Jährigen Sängerin Beth eine Interpretin, die in einer mehrwöchigen Casting-Show ausgewählt wurde. Der irische Beitrag von Mickey Harte ist eine Rock-Ballade, die zum Mitklatschen animiert. Als Geheimtipp gilt Frankreich mit einem modernen Pop-Chanson.

Großes Interesse am TV-Spektakel

Die Organisatoren des Grand Prix sagten am Freitag in Riga, die Vorbereitungen für das Musikfest seien nahezu abgeschlossen. Sicherheitsvorkehrungen wie an Flughäfen sollen Zwischenfälle vermeiden. Die baltische Reformdemokratie will das Großereignis nutzen, um sich in aller Welt beliebt und bekannt zu machen. «Hello From Mars» heißt der lettische Beitrag, der nach Möglichkeit den Vorjahreserfolg von Marie N wiederholen soll. Gut 1000 Journalisten aus aller Welt zeigen das ungebrochene Interesse an dem TV-Spektakel.

In Deutschland hingegen dauern nach dem Quoteneinbruch bei dem nationalen Vorentscheid die Diskussionen über die Zukunft des Grand Prix weiter an. Beim verantwortlichen Sender NDR will man die Show erneuern und überlegt, sie durch eine Zusammenarbeit mit dem Musiksender Viva vom altbackenen Schlagerimage zu lösen. Russland hat das mit dem Rummel um t.A.T.U bereits geschafft.

Jakob Lemke / DPA