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Kommentar

Heimatlieder: "Schnätterängtäng": Warum die Kritik an Heino am Ziel vorbei geht

Heino hat mal wieder Ärger mit der Vergangenheit: Grund ist eine alte Platte mit Volksliedern, die auch von der SS gesungen wurden. Die Schuld an der rückwärtsgewandten Debatte trägt jedoch die Politik.

Heino

Sieht so ein Nazi aus? Heino muss sich mal wieder mit Vorwürfen auseinandersetzen, er sei zu rechts.

DPA

"Aber noch bin ich ja hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie ein Windhund." Das sagte Heino vor fünf Jahren in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" - und zitierte damit ohne mit der Wimper zu zucken Adolf Hitler. Es war nicht der erste Ausrutscher nach rechts, den sich der Volksmusiker geleistet hat. 1977 nahm er - auf Wunsch des damaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Hans Filbinger - alle drei Strophen des Liedes der Deutschen auf und sang dabei aus voller Brust "Deutschland, Deutschland über alles".

Keine Frage: Heino hat es schon immer an Sensibilität im Umgang mit der deutschen Geschichte gefehlt. Da sich der Sänger auch mit teils von den Nazis kontaminierten Volksliedgut befasst hat, ist derlei Sorglosigkeit zu bedauern. Das macht Heino jedoch nicht zu einem Rechten, geschweige denn zu einem Nazi.

Heino singt Vaterlandslieder

Und so ist auch der jüngste Skandal um den Musiker bei genauerem Hinsehen nicht mal ein Skandälchen. Auf dem NRW-Heimatkongress hatte Heino der nordrhein-westfälischen Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) ein Exemplar seines 1981 erschienenen Doppelalbums "Die schönsten deutschen Heimat- und Vaterlandslieder" überreicht. Da einige der darauf enthaltenen Lieder während der NS-Zeit Eingang ins "Liederbuch der SS" gefunden hatten, reagierten einige Medien und die Opposition empört. Zumal Heino selbst einer der "Heimatbotschafter" ist.

Tatsächlich klingen manche Texte für heutige Ohren verstörend: "Wir wollen heute Mann für Mann mit Blut das Eisen röten, mit Henker- und mit Knechteblut, o süßer Tag der Rache! Das klinget allen Deutschen gut, das ist die große Sache" - diese Zeilen aus "Der Gott, der Eisen wachsen ließ" würde heute wohl niemand mehr so schreiben. 

Allerdings stammt dieser Text nicht von den Nazis - sondern entstand mehr als 100 Jahre früher. Der berühmte Historiker und Schriftsteller Ernst Moritz Arndt dichtete die Verse anlässlich des Befreiungskrieges gegen Napoleon.

Das Übel liegt in der Politik

So verhält es sich mit den meisten Volksweisen. Keines der auf dem 24 auf dem Doppelalbum eingesungenen Lieder hat ihren Ursprung in der NS-Zeit. Manche wurden von den Nazis missbraucht, weshalb sich ein Künstler gut überlegen sollte, ob er sie wirklich noch einmal singen will. Heino fehlt in dieser Hinsicht jedes Fingerspitzengefühl. Kritik daran hätte man aber 1981 äußern sollen, als die Platte erschien. 

Dass diese Musik Jahrzehnte später für Aufregung sorgt, hat vermutlich andere Ursachen, die mit Heino wenig zu tun haben. Es ist die Unart der deutschen Politik, neuerdings überall Heimatministerien gründen zu müssen. Denn das lenkt den Blick zurück und führt geradewegs in den volkstümlichen Sumpf, der Heino und Ina Schnarrenbach gerade gefangen hält.

Anstatt sich Gedanken über die Zukunft zu machen, müssen wir uns mit von Heino gesungenen volkstümlichen Texten wie diesem befassen: "Herr Quintilius Varus, wau, wau wau. Herr Quintilius Varus, Schnätterängtäng, schnätterängtäng, schnätterängtäng, schnätterängtäng." 

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