HOME

Iggy Pop: Der Urvater des Punk wird 60

Niemand verkörpert das Motto "Sex and Drugs and Rock'n'Roll" so sehr wie Iggy Pop. Nun feiert er einen Geburtstag, der seinem Ruf als Urvater des Punk gerecht wird.

Er ist ein zynischer Provokateur, der nie seinen Frieden mit dem Establishment machte. Mit den Stooges wurde er schon in den 60er Jahren zum Paten des Punk, als Solokünstler war er nicht weniger exzessiv: Iggy Pop. Diesen Samstag wird er 60 Jahre alt. Weder in den 60er noch in den 70er Jahren hätten viele darauf gewettet, dass James Osterberg dieses Alter erreicht. Wenn auf jemanden die Phrase von Sex and Drugs and Rock'n'Roll zutrifft, dann auf diesen Musiker, der seinen Künstlernamen aus seiner ersten Band The Iguanas und dem Nachnamen eines Junkies aus dem heimatlichen Michigan, Jim Popp, bildete. Zum großen Popstar ist er trotz seines großen Bekanntheitsgrades nicht geworden, er ist immer der schrille Außenseiter geblieben.

Die auf der Bühne mit Glasscherben auf der sehnigen Haut zelebrierte Selbstzerfleischung hat Iggy Pop ebenso wie seine Drogenprobleme überwunden - geblieben ist aber bis heute seine exzessive künstlerische Grundeinstellung. So sagte er dem "WOM-Magazin" zum neuen Stooges-Album "The Weirdness": "Die Dämonen tauchten nicht auf, bevor ich mit den Stooges auf Tour ging. Ich achtete darauf, sie in einem Käfig zu halten. Sie machten sich aber auf dem neuen Album bemerkbar. Sie sagten: Fuck you, ich will nicht sein wie du, ich will nicht leben wie du, keine Erwartungen erfüllen, ihr seid alle voller Scheiße, Gut ist Böse und Böse ist Gut, Oben ist Unten und Unten ist Oben, der Papst ist kein netter Typ. Dieses Gefühl kommt da raus."

Musikalische Orgien auf der Bühne

Und es war eigentlich nie anders in der Karriere Iggy Pops gewesen. Die Stooges gründete er mit den Brüdern Ron und Scott Asheton 1967. Zwei Jahre waren die Stooges nichts anderes als eine "Jam-Band", die ohne Songs zu haben Abend für Abend eine musikalische Orgie auf der Bühne veranstalteten. 1969 gab es dann einen Plattenvertrag, und die Plattenfirma erwartete natürlich Lieder für ein Album.

Die Stooges hätten sich nur groß angesehen und schnell versichert, natürlich habe man Songs, erinnert sich Gitarrist Ron Asheton: "Wir rasten nach Hause und schrieben die Songs, die auf unser Debüt kamen. Bei der zweiten Platte ('Fun House') waren wir ein bisschen besser vorbereitet, weil wir ständig auf Tour waren. In jeder Pause haben wir komponiert und neue Songs ins Programm eingebaut. Das Material war live erprobt, und wir waren dementsprechend entspannter im Studio. Und wir spielten alles live. Das dritte, 'Raw Power', zählt für mich nicht, das war ein Iggy-Pop-Album. Iggy war da schon als Solokünstler unter Vertrag, wir fühlten uns wie Studiomusiker."

Keines der drei Stooges-Alben wurde ein Bestseller. 1971 war die Band wegen Streitereien und Drogen zum ersten Mal am Ende, Iggy fuhr nach Florida, um dort sein Golf-Handicap zu verbessern. Seinen Lebensunterhalt verdiente er, indem er anderer Leute Rasen mähte. 1974 löst sich die Band für 33 Jahre auf - das Comeback kam mit "The Weirdness". Die Ashetons produzierten einen Sound wie sonst keiner, erklärt Iggy: "Das ist nicht der Sound der großen Rockstars. Nicht der Sound jener Fettärsche, die den Rock verrauchen."

Musikalisch wie kommerziell waren die Produktionen der zehn Jahre nach dem Stooges-Split dürftig - Ausnahme: "The Idiot" mit dem späteren David-Bowie-Hit "China Girl" und "Lust for Live" mit dem Klassiker "The Passenger". Freund David Bowie, der beide Alben unüberhörbar produziert hatte, half ihm mehrfach auf die Beine. Erst 1986 erreichte Pop mit der Single "Real Wild Child" dann eigenständig größeren kommerziellen Erfolg. Ron Asheton beschreibt Iggy Pop so: "Das ist nicht die Norm eines Frontmanns. Er ist der Kerl, der direkt in die Menge geht, der dir direkt alles ins Gesicht sagt. Wir waren anders, haben aber nie darüber nachgedacht."

Uwe Käding/AP / AP
Themen in diesem Artikel