VG-Wort Pixel

Erfolgreicher Pianist Jazzmusiker Michael Naura ist tot

Jazzpianist Michael Naura wurde 82 Jahre alt
Jazzpianist Michael Naura wurde 82 Jahre alt
© Markus Scholz/Picture Alliance
Erfolgreich vor und hinter den Kulissen: Michael Naura zählt zu den brilliantesten Jazzmusikern Deutschlands. Nun verstarb der Pianist nach einem erlebnisreichen Leben im Alter von 82 Jahren.

Mit Michael Naura hat die deutsche Jazz-Szene einen großen Musiker verloren. Am Montag verstarb der Pianist im Alter von 82 Jahren. Er erlag in Hollbüllhuus bei Husum einer langen und schweren Krankheit. Erfolge feierte der Jazzmusiker vor allem in der Nachkriegszeit neben Albert Mangelsdorff, Heinz Sauer, Ernst-Ludwig Petrowsky und dem Vibrafonisten Wolfgang Schlüter. Anschließend übernahm er bis 1999 die Leitung der NDR-Jazzredaktion. 

Urgestein des deutschen Jazz

"Michael Naura war brillant. Von vielen als Jazz-Papst verehrt, hat Michael Naura im NDR unüberhörbare Akzente gesetzt", sagte NDR- Intendant Lutz Marmor. "Er verantwortete die legendären NDR Jazzworkshops, kämpfte unermüdlich für 'seine' Musik und jazzte selbst am Klavier. Mit seinem Tod verliert der deutsche Jazz eines seiner Urgesteine."

Naura, 1934 in Memel (heute Klaipeda/Litauen) geboren, kam als Sechsjähriger mit der Mutter nach Berlin. Hier studierte er Philosophie, Soziologie und spielte nebenher Klavier. Die Musik verdrängte die Wissenschaften. 1953, mit 19 Jahren, gründete er in Berlin das Michael-Naura-Quintett; 1956 Umzug nach Hamburg. Im Jazzkeller in den Colonnaden spielte die 1962/63 zur besten deutschen Band gewählte Formation jahrelang sechs Nächte die Woche.

Erfolg auf der Bühne und beim Hörfunk

"Es war schlimmer als Bergbau, schlimmer als Untertage-Arbeit", berichtete Naura einmal. Die Nächte in verqualmten Räumen vor alkoholisiertem Publikum forderten ihren Tribut. Von 1963 bis 1966 musste Naura pausieren. Die besten Jazzer Deutschlands taten sich zu einer Benefizvorstellung zusammen, um ihm zu helfen, die Kosten für die Behandlungen aufzubringen. Das hatte es in der deutschen Jazzgeschichte nie zuvor gegeben.

1966 begegnet Naura dem Lyriker Peter Rühmkorf. Die Zusammenarbeit unter dem Stichwort "Jazz und Lyrik" zeigt vielfältige Früchte. Als Leiter der NDR-Jazzredaktion produzierte, organisierte, schrieb, sammelte er und machte weiterhin auch Musik. "Mit seiner ausdrucksstarken Stimme gab er seinen Worten im Radio einen hohen Wiedererkennungswert. Facettenreich und intuitiv sprach er ins Mikrofon, mal sanft berührend, mal provozierend", hob der NDR hervor. Seine Kritiken waren sprachlich brillant, konnten aber auch herb ausfallen. "Kaum ein kritisches Wort im Jazz (...) besitzt mehr Gewicht", schrieb einmal die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Leidenschaft für Kunst und Musik

In Hollbüllhuus hatte er viele Jahre sein Zuhause, das fast an ein Museum erinnert. Bauernschränke, ausgefallene Hüte oder Gehstöcke trug der leidenschaftliche Sammler auf Trödelmärkten zusammen. Neben dem Jazz widmete er sich dem Malen, er hatte sogar ein eigenes Atelier. Zu seinem 80. Geburtstag setzte er sich für den Fotografen noch ans Klavier und improvisierte Jazz.

fri DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker