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Kraftwerk-Tournee: "Die Musikarbeiter"

Die Elektro-Musiker Kraftwerk gehen wieder auf Deutschlandtournee. Insgesamt zehn Konzerte gibt die legendäre Band aus Düsseldorf, die als die weltweit einflussreichste deutsche Popgruppe gilt.

Die Elektro-Musiker von Kraftwerk machen nach fünf Jahren zum ersten Mal wieder mit zehn Konzerten Station in Deutschland. Dabei gibt es eine Besonderheit: Im Berliner Tempodrom, wo sie das erste Konzert geben, sowie in Köln und Dresden findet nach dem regulären Konzert am Abend eine zusätzliche Mitternachtsshow statt. Die Konzerte in Deutschland sind Teil einer großen Europatournee, die seit Anfang Februar läuft.

Kraftwerk gelten als die einflussreichste deutsche Band überhaupt. Sie sind die Pioniere der elektronischen Popmusik. Heerscharen von jungen Musikern, die in irgendeiner Form Elektro-Pop fabrizieren, kennen die Werke der Düsseldorfer. Ihre bekanntesten Hits sind "Autobahn" (1975), "Die Roboter" (1978) oder "Boing Boom Tschak" (1986). Mit ihrem bekanntesten Album "Autobahn" schafften sie es 1975 in die amerikanische Hitparade, Schwarze DJs mixten schon damals ihren Song "Trans Europa Express" in den Clubs. Letztes Jahr meldeten sie sich mit ihrem Album "Tour de France Soundtrack" nach über zehnjähriger Abstinenz zurück.

Sie gelten als typisch deutsch

Im Ausland gelten die vier Musiker - bei allem Respekt - als typisch deutsch: distanziert, kalt, perfektionistisch und sehr effektiv. Und wohl zu Recht: "Wir entwickeln Konzepte, Formeln und Denkmodelle. Wir verbringen unsere Zeit nicht damit, dass wir 20 Versionen eines Liedes aufnehmen, von denen 19 dann in der Schublade landen. Wir arbeiten sehr zielorientiert". Das klingt nicht nach kreativem Chaos, sondern wie die kühle Mechanik einer Präzisionsmaschine. Sie bezeichnen sich selbst als "Musikarbeiter".

Gegründet wurde die Band von Ralf Hütter und Florian Schneider 1970 in Düsseldorf, heute beide 57 Jahre alt. Seitdem arbeiten die Musiker mit wechselnden Mitstreitern im berühmten Kling Klang Studio, in dem es angeblich weder Telefone und Faxgeräte gibt. In einem Interview im vergangenen Jahr sagte Hütter über das Studio: "Es ist seit 33 Jahren unser elektronisches Labor, unsere Arbeit dort erfordert Konzentration. Wir sind an sieben Tagen die Woche im Studio. (...) Wir haben für uns die 168-Stunden-Woche eingeführt." Warum das im letzten Jahr erschienene Album "Tour de France Soundtrack" dann das erste seit zehn Jahren war, hat Hütter allerdings nicht verraten.

Sie spielen immer live

Um gleich einem verbreiteten Vorurteil zu begegnen: Kraftwerk spielen ihre Songs immer live. Sie stehen nicht auf der Bühne und drücken nur einen Knopf auf ihren Synthesizern. "Damit haben wir uns in unseren Texten auseinandergesetzt. In dem Song 'Taschenrechner' zum Beispiel heißt es: 'Und wenn ich diese Taste drück, spielt er ein kleines Musikstück'. Die Verfechter der so genannten handgemachten Musik vergessen immer, dass sie meist mit kunstvoll konstruierten Instrumenten und Strom entsteht."

Tim Schulze