Kris Kristofferson Country-Poet der Vietnam-Generation


Er feierte große Erfolge als Songschreiber wie als Schauspieler. In den 70er Jahren war er eine gefeierte Szenegröße. Seinem 70. Geburtstag verbringt Kris Kristofferson zurückgezogen auf Maui - und kann doch nicht ganz von der Musik lassen.

Kris Kristofferson hat schon gegen Präsidenten angesungen, als George Bush noch ein kleiner Student war. In den 60er und 70er Jahren verkörperte der Country-Poet das gebrochene Lebensgefühl der Vietnam-Generation. Seine Lieder haben "dazu beigetragen, seine Zeit zu definieren", hat die "Washington Post" einmal geschrieben. Am 22. Juni wird er 70 Jahre alt.

Der Enkel schwedischer Einwanderer studierte mit einem Stipendium für Hochbegabte in Oxford und wollte zunächst Schriftsteller werden. Als er damit keinen Erfolg hatte, wurde er Hubschrauberpilot beim US- Militär und war von 1962 bis 1965 in Bad Kreuznach stationiert. Danach sollte er an einer Militärakademie unterrichten, doch ein General riet ihm: "Folge deinem Herzen." Also ging er in die Hochburg der Countrymusik, nach Nashville. Seine Mutter war entsetzt: "Keiner über 14 hört sich solche Musik an", hielt sie ihm vor. "Und wenn doch, dann wollten wir ihn nicht kennen."

Zahlreiche Hits

Schon bald stand er neben Bob Dylan im Studio - allerdings als Reinigungskraft. Um sein Vorbild Johnny Cash von seinen Qualitäten zu überzeugen, landete er mit einem Hubschrauber in dessen Garten. Es funktionierte. Ein paar Jahre später stand er wieder neben Dylan, diesmal auf der Bühne. In dieser Zeit schrieb er einen Hit nach dem anderen: "Sunday Morning Coming Down", "Help Me Make It Through the Night", "Me and Bobby McGee".

Der gesellschaftskritische, melancholische Kristofferson wurde zum "existenzialistischen Troubadour Nashvilles" (Rocklexikon). Zu Recht urteilte er aber über sich: "Ich glaube nicht, dass mich irgendjemand für einen guten Sänger hält." Die "New York Times" schrieb: "Mr. Kristofferson ist über drei Akkorde nie hinausgekommen." Das Gute waren die Texte. Außerdem mochten ihn die Frauen: "Ich konnte an seinem Gesicht nicht vorbei", erinnert sich die Sängerin Rita Coolidge, Ehefrau Nr. 2. "Diese Farben, dieses braune Haar, der graugescheckte Bart und diese unglaublich tiefgründigen Augen." Sein vorteilhafter Look verhalf ihm auch zu einer zweiten Karriere beim Film. Western wie "Pat Garrett jagt Billy the Kid" oder "Heaven's Gate" erreichten vor allem in Europa Kultstatus.

Politisch links

In den 80er Jahren war er ein engagierter Fürsprecher der linken Sandinisten-Regierung in Nicaragua und vertrat die Überzeugung, dass die Sowjets in Amerika "falsch verstanden und falsch beurteilt" würden. Seine Fans verstanden deshalb die Welt nicht mehr, als er 1987 die Hauptrolle in der antikommunistischen Fernsehserie "Amerika" übernahm, in der die USA von UN-Truppen besetzt sind. Zu seiner Verteidigung sagte er: "Der Film wäre so oder so gemacht worden, und ich hatte das Gefühl, dass der Held lieber von einem wie mir als von einem Rechten gespielt werden sollte."

Zeitweise leerte Kristofferson eineinhalb Whiskyflaschen am Tag. Heute ist er trocken und lebt als Familienmensch mit seiner dritten Frau und drei Pflegekindern auf der Hawaii-Insel Maui. Ab und zu tritt er noch auf und singt seine kritischen Lieder: "Das hilft angesichts einer US-Regierung, die so unverantwortlich handelt wie keine andere, an die ich mich erinnern kann."

Christoph Driessen/DPA


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