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Hip-Hop-Urvater: Was macht eigentlich … Kurtis Blow?

Der New Yorker Kurtis Blow ist einer der Urväter des Hip-Hop: 1980 wurde er mit dem Song "The Breaks" berühmt.

Interview: Severin Mevissen

Kurtis Blow: Was macht einU rvater des Hip-Hop eigentlich heute?

Kurtis Blow, 59, mit seiner Frau Shirley. Die beiden sind seit 35 Jahren verheiratet.

Man sah Sie zuletzt viel auf der Straße: Sie unterstützten streikende Arbeiter und demonstrierten gegen den Boykott des Footballstars Colin Kaepernick. Rappen Sie überhaupt noch?

Aber ja, ich trete noch auf, zuletzt als MC der Show "The Hip Hop Nutcracker“ Es war mir aber schon immer wichtig, mich für Menschen einzusetzen, die unfair behandelt werden. Ich bin seit 2009 auch Priester und bete mit Gefangenen.

Wie entstand Ihr Künstlername Kurtis Blow? Blow ist ein Synonym für Kokain.

Der Name war die Idee meines Freundes Russell Simmons, des Mitbegründers der Plattenfirma Def Jam. Der war Fan von DJ Eddie "Cheeba" – Slang für Marihuana. Ich mochte den Namen erst nicht, fand dann aber im Lexikon lauter positive Bedeutungen für "Blow": vom kraftvollen Schlag eines Kämpfers – ich war ein guter Boxer – bis hin zu Pflanzen, die in voller Blüte stehen. Von da an akzeptierte ich den Namen.

Sie waren der erste Rapper mit einem lukrativen Plattenvertrag und auch der erste mit einer Goldenen Schallplatte. Was waren für Sie die Highlights?

Im ausverkauften Madison Square Garden als Opener von Bob Marley und den Commodores aufzutreten und dann backstage von Marley gelobt zu werden war sicher ein Höhepunkt. Mich mit dem Musiker Jimmy Castor, einem meiner Idole, anzufreunden ein weiterer. Am stolzesten bin ich aber auf den Song "King Holiday", den ich mit Whitney Houston und Run-D.M.C. zu Ehren von Dr. Martin Luther King aufgenommen habe.

Vor zweieinhalb Jahren erlitten Sie einen Herzinfarkt und wären beinahe gestorben. Was war passiert?

Ich war überarbeitet, hatte zu viel Red Bull getrunken, und dann stritten sich auch noch zwei meiner Söhne lautstark übers Geschäft. Irgendjemand rief die Polizei, und die hätten mich beinahe verhaftet, hätte ich nicht meinen Priester-Ausweis vorgezeigt. Es war zu viel Stress, und ich kippte um. Herzstillstand.

Haben Sie das Licht am Ende des Tunnels gesehen?

Nein, aber ich sah mich in Deutschland, auf dem Weg von Frankfurt nach Würzburg! Und ich erzählte meinen Mitreisenden, dass die Fahrt nur 40 Minuten dauern würde. Dann, nach fünf Minuten, hörte ich die Stimme meines Sohnes. Zwei Cops hatten mich wiederbelebt.

Hat Sie das Erlebnis verändert?

Ich danke Gott für jeden Tag, aber das habe ich schon vorher getan. Ich konzentriere mich auf meine Aufgaben. Derzeit arbeiten wir daran, das "Universal Hip Hop Museum" zu eröffnen. Das erste seiner Art, in der Bronx, der Wiege des Hip-Hop.

Sie stammen allerdings aus Harlem.

Ja, Mutter Näherin, Stiefvater Matrose, und meine Nachbarin war die Tochter von Malcolm X. In die war ich verknallt, aber sie hatte einen Freund. Neulich habe ich sie am Flughafen getroffen …

Und da haben Sie ihr Ihre jugendliche Schwärmerei gestanden?

Nein, denn sie erzählte mir, dass sie damals schwer genervt von mir war: Ich spielte die Jimmy-Castor-Platten wohl viel zu laut.

Hätten Sie je gedacht, dass Hip-Hop einmal solch ein Phänomen sein würde?

Schon, denn Hip-Hop ist Kommunikation auf Steroiden. Der meistgewünschte Song im israelischen Radio stammte von einer palästinensischen Hip-Hop-Gruppe. Hip-Hop hat die Kraft, Dinge zu verändern. In Zeiten, in denen der Ku-Klux-Klan wiederaufersteht, ist dies wichtiger denn je.

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