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PATRIOTISCHE MUSIK: Salbungsvolle Lieder braucht das Land

Der 11. September hat die amerikanische Musiklandschaft gehörig durcheinander gewirbelt: Während Bands wie Rage against the Machine komplett verbannt wurden, erlebt patriotische Musik eine überraschende Wiederkehr.

Wenige Meilen entfernt war gerade ein Flugzeug in das Pentagon gerast, die Trümmer des World Trade Centers brannten. Da versammelten sich in Washington Kongressabgeordnete spontan auf den Treppen des Capitols und sangen: »God Bless America«. Nach den Terroranschlägen vom 11. September hat Musik in den USA eine besondere Rolle. Sie tröstet, ist Ventil für Trauer und Wut, gibt das Gefühl von Gemeinsamkeit.

Patriotismus ist Trumpf

Jimi Hendrix? eindringliche E-Gitarren-Version der amerikanischen Nationalhymne in Woodstock, damals ein Protest gegen den Vietnam- Krieg, ist out. Stattdessen vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo das getragene Lied vom »Star-Spangled Banner« zu hören wäre. Auch in Rock und Pop dominieren Töne wie Bruce Springsteens 80er-Jahre-Hit »Born In The USA« oder Lee Greenwoods vaterlandstreuer Countryklassiker »Good Bless The U.S.A«. Selbst MTV zeigt sich dieser Tage eher besinnlich und legt softe Statements wie George Michaels »Freedom« oder Bob Marleys »One Love« wieder auf.

Schwarze Liste im Umlauf

Viele Lieder wirken aber auch nach den Anschlägen makaber. Der texanische Radiosender Clear Channel Communications, zu dem fast 1200 Stationen im ganzen Land gehören, gab eine Liste mit 150 Liedern heraus, die besser nicht gespielt werden sollten. »Blow Up the Outside World« von Soundgarden, »Ticket To Ride« von den Beatles oder »You Dropped A Bomb On Me« von der Gap Band gehören dazu.

Rage Against the Machine wird schlicht insgesamt zur Band non grata erklärt. Selbst die Hymne »New York, New York« von Frank Sinatra ist tabu, klingen die Zeilen »If You Can Make It There, You Can Make It Everywhere« mittlerweile eher nach amerikanischer Bedrohung als nach amerikanischem Traum.

Enya bekommt Konkurrenz

Zu Trauerhymne mit Tränenfaktor avancierte Enyas »Only Time«, neu abgemischt mit Originalzitaten von US-Präsident George W. Bush und Kommentaren von Reportern. Dazu laufen Fernsehbilder mit erschöpften Feuerwehrmännern, Steckbriefen der Vermissten und Menschen, die sich weinend in den Armen liegen. Auch in Deutschland führt der Song inzwischen die Charts an. Die Irin dürfte aber bald Konkurrenz bekommen: Michael Jackson will eine Benefiz-Single mit dem Titel »What More Can I Give?« einspielen. Bono, ?NSync und Li?l Kim planen eine Neuauflage von »What?s Going On«.