Popkomm 2007 "Musik ist ein Lebensmittel"


Um bessere Rahmenbedingungen für deutsche Pop- und Jazzmusikern zu schaffen, hat die Regierung eine Millione Euro locker gemacht. Verwalten soll das Geld die "Initiative Musik". Jetzt hoffen alle Beteiligten, dass diese Musikszene wachgeküsst wird.
Von Kathrin Buchner, Berlin

Es gleicht schon fast einer Revolution im Kulturverständnis der Bundesrepublik Deutschland: Erstmals waren sowohl Kulturstaatsminister Bernd Neumann, als auch die Wirtschafts- und Finanzminister Michael Glos und Peer Steinbrück auf die Popkomm, immerhin die größte Musikmesse Europas, gekommen. Popmusik ist sozusagen "hoffähig" geworden als ein Wirtschaftsfaktor, der Milliarden-Umsätze generiert.

Das möchte man jetzt weiter fördern. Deswegen wurden im Bundeshaushalt eine Million an Fördergeldern bereit gestellt, die in die sogenannte "Initiative Musik" fließen. Zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Initiative wurde Dieter Gorny gewählt, Vorstands-Vize des Bundesverbands der Phonografischen Wirtschaft. Im Aufsichtsrat sitzen zwölf Mitglieder, die eine Hälfte kommt aus der Politik, die andere aus der Wirtschaft: Eine sogenannte "public private partnership", wie Carsten Schneider, Haushaltsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, es auf Neudeutsch ausdrückt. Schneider ist ebenso wie sein CDU-Kollege Steffen Kampeter im Aufsichtsrat der neu gegründeten"Initiative Musik".

Eine Million Euro an Fördermitteln wurde dafür vom Bundeshaushalt in einem Beschluss genehmigt. Peanuts im Vergleich zu den Geldern, die in die Filmförderung fließen - aber auch da habe man mal klein angefangen, sagt Kampeter. Zusätzlich stellen die Verwertungsgesellschaften GEMA und GVL zunächst je 150.000 Euro zur Verfügung. Als Gründungsgeschäftsführer fungiert Peter Zombik, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL). Ein Geschäftsführer, der für die operativen Aufgaben zuständig ist, wird derzeit gesucht, die Stellenanzeigen sollen laut Dieter Gorny demnächst rausgehen.

Popmusik war hierzulande ein "unterentwickeltes Business"

Jahrelang sei Popmusik "ein unterentwickeltes Business" in Deutschland gewesen. Doch jetzt wurde auch diese Branche als einer der "Leitmärkte der Zukunft auf dem Weg in eine postindustrielle Zukunft entdeckt", so Gorny. Seit Jahren betreibt der Ex-Gründer des ersten deutschen Musikfernsehen Viva - das er mittlerweile an den Konkurrent MTV verkauft hat - Lobbyarbeit für Popmusik. Unter anderem hat Gorny 1993 die Popkomm ins Leben gerufen. Allein durch die Ankündigung dieser Initiative sei "Bewegung in die Sache" gekommen, so Gorny. "Die privaten Rundfunkanbieter wollen mitreden und 3Sat hat seine Bereitschaft signalisiert, das Format 'Newcomer TV' wieder aufzunehmen".

Hoch erfreut über die "Initiative Musik" zeigten sich auch die Vertreter der Verwertungsgesellschaften, Jörg Evers und Frank Dostal, die beide im Aufsichtsrat sitzen. Als einen "Meilenstein in der musikkulturellen und politischen Landschaft" bezeichnet Evers die Initiative. "Musik ist Lebensmittel", sagte Dostal, der in den sechziger Jahren bei den Rattles spielte und als Texter unter anderem das "Lied der Schlümpfe" und sämtliche Disohits von Baccara ("Yes Sir, I can boogie") schrieb. "Und dass Lebensmittel subventioniert werden müssen, wissen wir alle." Er hoffe, dass das Projekt nicht gleich von Anfang an von Klugscheißerei und Besserwisserei begleitet werde, sondern von wohlwollender und anregender Kritik.

Projekte müssen noch gefunden werden

Konkrete Projekte gibt es allerdings noch nicht, die werden erst in den nächsten Wochen und Monaten beschlossen werden. Neben der Ankurbelung des Exports von deutscher Musik ins Ausland wolle man sich besonders um Jugendliche mit Migrationshintergrund kümmern. Für Ideen, Vorschläge und Anregungen sei man offen, so Peter Zombik. So lange es noch kein Büro gibt, werden diese bei der GVL gesammelt, die Mailadresse findet man auf der Homepage www.gvl.de.


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