Red Hot Chili Peppers Rodeoreiten auf der E-Gitarre


12.000 Fans waren begeistert: Zur Veröffentlichung ihres neuen Album "Stadium Arcadium" geben die Red Hot Chili Peppers gerade mal zwei Konzerte in Deutschland. Eins davon fand in der Westfalenhalle statt.

Rockig und zugleich ein wenig sphärisch dröhnen die ersten Takte durch die Westfalenhalle. Es klingt nach Punk, es klingt nach Funk - die "Red Hot Chili Peppers" sind wieder da. Mit einem Intro stimmen Gitarrist John Frusciante, Schlagzeuger Chad Smith und Bassist Flea Balzary Tausende Fans auf ihren Sound ein. Neu ist der zwar nicht - aber noch immer mitreißend. Das bewiesen die Kalifornier am Sonntagabend beim Auftakt ihrer kurzen Deutschland- Tournee in Dortmund: Nach einem zweiten Konzert am Montag ebenfalls in der Westfalenhalle treten sie nur noch in Berlin auf (15. Juni) - in bereits ausverkauften Hallen.

12 000 Fans wollten in Dortmund live erleben, wie die Red Hot Chili Peppers ihr neues und neuntes Album "Stadium Arcadium" live präsentieren. Die vier Musiker selbst halten es für ihr Meisterwerk - und die Fans scheinen der gleichen Meinung zu sein. Seit Wochen steht "Stadium Arcadium" auf Platz 1 der deutschen Album-Charts. Neben einem Einblick in das Doppelalbum mit seinen 28 Songs spielte die Band überraschend viele ältere Hits, vor allem aus den letzten beiden Erfolgs-Alben "By the way" und "Californication". Klassiker wie "Give it away" oder "City of Angels" hoben sich die Peppers für die Zugabe auf.

Rodeoreiter-Rock

Sänger Anthony Kiedis, Mitte 40 und mit seiner bewegten (Drogen-)Vergangenheit ein Rockstar wie aus dem Bilderbuch, hat sich über seine Tätowierungen ein schwarzes Hemd mit rot-schwarzer Krawatte gezogen. Keine drei Lieder später steht er nur noch im Unterhemd und später ganz oben ohne da. Kein Wunder: Kiedis fegt über die Bühne wie ein Rodeoreiter ohne Pferd, rappt hart ins Mikro, verausgabt sich. Die Feuerzeuge blieben bei diesem Konzert in der Tasche: Wer eher auf die melodiösen Balladen der Kalifornier steht, hatte das Nachsehen.

Wenig Show, viel Musik

Charakteristisch für den neuen alten Sound der Band ist die erste Single-Auskopplung aus dem neuen Album, "Dani California", ein opulentes Stück Punk-Rock über den Verfall Hollywoods. Mit einem langen Solo des Gitarristen Frusciante endet der Hit - nur eine seiner funkigen Alleingänge, die das Album prägen, das Konzert durchzogen und das altersgemischte Publikum in Jubelstürme versetzen. Des öfteren bleibt die Bühnen-Kamera an seinen Fingern auf den Saiten hängen. Die Bilder, groß auf die Bühne projiziert, sprechen für sich: Sie versuchen nicht, die Musiker als Stars zu inszenieren, sondern stellen die Musik in den Vordergrund.

Keine lahmen Socken sondern Rock pur

Unaufwendig und angenehm schlicht auch die Bühnenshow: Wechselnde Lichtstimmungen, einige illustrierende Bilder, vier Musiker und ihre Instrumente. Die Red Hot Chili Peppers, die auch schon einmal nur mit einer Socke am Geschlecht aufgetreten sind, präsentieren sich als gereifte Rocker, die solche Mätzchen nicht mehr nötig haben.

Katrin Pinetzki/DPA DPA

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