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Soloalbum: Martin Gore dämpft die Erwartungen

Als Mitglied von Depeche Mode schrieb er Musikgeschichte. Seinem Ende April erscheinenden Soloalbum räumt Martin Gore hingegen keine großen Chartchancen ein.

Der Depeche-Mode-Musiker Martin L. Gore räumt seinem neuen Soloalbum «Counterfeit…», das am 28. April in die Läden kommt, keine großen Chartchancen ein. «Dieses Album ist sehr unkommerziell. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in irgendein Radioformat passt oder viel Geld einbringt. Das war aber auch nie meine Absicht», sagt er. Schnell schiebt er eine kleine Einschränkung nach: «Ich lasse mich natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen.»

Ausschließlich Coverversionen

Auf «Counterfeit…» präsentiert Gore elf Interpretationen fremder Songs. Von John Lennon über Nico bis zu Bob Dylan und Nick Cave reicht die Palette der Originalinterpreten, denen Gore auf seine Art huldigt, was für ihn aber auch Schwierigkeiten mit sich brachte. «Ich fand es schwieriger, als eigene Songs zu schreiben. Plötzlich waren da Grenzen, die ich beachten musste, weil ich doch die Originale alle sehr mag und ihnen nichts antun wollte», erklärt er. «Gleichzeitig erschien es mir aber sinnlos, reine Kopien der Originale abzuliefern. Also habe ich versucht, eine vorsichtige neue Interpretation zu versuchen und gleichzeitig den Geist des Originals zu bewahren.»

Besondere Probleme bekam der Brite bei der Einspielung des John-Lennon-Songs «Oh My Love»: «Da hatte ich das Gefühl, mich an etwas fast Heiliges heranzumachen, und vielleicht werden mich einige Leute dafür hassen.»

Kurt Weill ließ sich nicht verändern

Nur einmal ist Gore von seiner erklärten Absicht, die Songs nicht nur zu kopieren, sondern verändert zu interpretieren, abgewichen. «Für den Kurt-Weill-Song 'Lost In The Stars' musste ich mein Versprechen, keine reine Kopie zu produzieren, brechen», sagt er. «Weil das Original so komplex ist und die Akkorde und die Melodie so perfekt zusammenarbeiten. Mein Versuch, dem Stück einen elektronischen Stil zu verpassen, ist grandios gescheitert und klang ziemlich kitschig.»

Ein Lied auf Deutsch

Schwierigkeiten gab es auch beim deutschen Nico-Song «Das Lied vom einsamen Mädchen». Zwar spricht Gore, der Mitte der 80er wegen einer Freundin zwei Jahre in Berlin lebte, ganz passabel Deutsch, musste aber zur Kontrolle seiner Aussprache auf die Dienste einer 60-jährigen Nachbarin zurückgreifen. «Ich liebe die deutsche Sprache, aber auf Deutsch zu singen, war dann doch sehr schwierig», gesteht er. «Wahrscheinlich, weil ich stets so fasziniert von Nico war. Sie war so eine seltsame Erscheinung.»

Nun harrt der in Kalifornien lebende Musiker der Reaktionen, vor allem in künstlerischer Hinsicht. «Ich bin total gespannt, was die Originalinterpreten sagen werden», bekennt er. «Ich weiß aber nicht, ob ich das jemals herausfinden werde. Und wenn es ihnen nicht gefällt, kann ich mich ja auch nur entschuldigen.»

Die Heilkraft der Musik

Dass auf «Counterfeit…» unter dem elektronischen Soundgerüst eine ziemliche Moll-Stimmung herrscht, streitet Gore gar nicht ab. «Es ist etwas in mir, das traurige Songs mag.» Songs über das Glück interessieren ihn nicht. «Trotzdem komme ich mit dem Leben ganz gut klar und halte mich für eine ziemlich glückliche Person. Musik hat schließlich auch eine große Heilkraft.»

Von der profitiert er selbst schon seit über zwei Jahrzehnten bei seiner Arbeit mit Depeche Mode. Ende des Jahres will sich die britische Elektropopband wieder zusammensetzen und neue Pläne schmieden. «Vor Ende 2004 ist aber nicht mit einer neuen Platte zu rechnen, wenn überhaupt», dämpft Gore allzu eilige Erwartungen.

Zwei Deutschland-Konzerte

Martin Gore tritt mit seinen Songs in Köln (24.4.)und in Hamburg (26.4.) auf. Beide Konzerte sind ausverkauft

Hans Hoff

DPA
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