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Vorbericht: Bunte Mischung, aber keine Paradiesvögel

Zahlreiche bekannte Künstler wie die Kelly Family, Joy Fleming und Corinna May waren beim »Countdown Grand Prix Eurovision 2002« am Start.

Keine Paradiesvögel, kaum Skandale und nur wenige Schlagzeilen - der große Wirbel vor der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision in Kiel blieb diesmal aus. Kein Guildo Horn, der mit seiner langen Mähne und seinem »Piep, piep, piep: Ich hab Dich lieb« über Monate für Zündstoff sorgte. Kein TV-Moderator Stefan Raab, der mit »Wadde hadde dudde da?« schon lange vorher die Nation spaltete. Und auch kein Modeschöpfer Rudolph Moshammer und kein Big-Brother-Bewohner Zlatko, die an ihre Qualitäten als Sänger glauben.

Qualität, keine Langeweile

»Langweilig wird es in Kiel dennoch nicht«, sagt Jürgen Meier-Beer, der TV-Unterhaltungschef des NDR und somit verantwortlich für den Musikwettbewerb in Deutschland. Diesmal gehe es nicht darum, ob Qualität gewinnt, sondern welche Qualität das Rennen macht. 15 Kandidaten werden auf der Bühne der Kieler Ostseehalle stehen und sich um das Ticket zum internationalen Finale am 25. Mai in Tallinn (Estland) bewerben. Die Mischung, die von den Plattenfirmen gemixt wurde, reicht vom klassischen Schlager über Pop-Balladen bis hin zu einem Klamauk-Beitrag.

Newcomer und alte Hasen

In diesem Jahr treten nicht nur Grand-Prix-Dinosaurier wie Joy Fleming, Bernhard Brink und Ireen Sheer, Nino de Angelo oder Corinna May gegeneinander an. Mit dabei sind auch die Disco Brothers mit den stimmgewaltigen Weather Girls und die berühmte Kelly Family, die eine riesige Fangemeinde hinter sich weiß. Und natürlich viele Newcomer, darunter Zarah aus Dortmund, die Deutschrussin Natalie, das Damen-Duo Unity 2 oder die einstige Background-Sängerin von Sabrina Setlur und Xavier Naidoo, Linda Carriere.

Die Band Normal Generation? gilt als der erfolgreichste Act der christlichen Musikszene. Die junge Formation Tuesdays dürfte sich bei Vorjahressiegerin Michelle Tipps geholt haben: Nicht nur, dass die Band auf der jüngsten Tour der Sängerin auftrat, ihr Song entstand unter derselben Leitung wie der Erfolgs-Titel von Michelle. Wenig Siegchancen, dafür aber einige Lacher auf ihrer Seite dürften das Comedy-Duo Mundstuhl und die Spaßrocker der Cottbuser Band SPN-X haben.

18-jährige Isabel mit Chancen

Zu den Anwärterinnen auf Deutschlands Grand-Prix-Krone gehört aber möglicherweise die jüngste Teilnehmerin: Die 18-jährige Isabel aus Hamburg. Sie gewann eine Aktion der »Bild«-Zeitung, bei der sich rund 5000 Leser um den Start beim Vorentscheid beworben hatten, und informiert die Leser seitdem täglich über ihre Vorbereitungen. Zudem stammt ihr Titel aus der Hitschmiede von Erfolgsproduzent Dieter Bohlen, der mit dem Pop-Duo Modern Talking auch als Gast in Kiel auftritt.

Skandal um Kelly Family

Dass der Grand Prix in diesem Jahr nicht in Vergessenheit geriet, dafür sorgte die »Bild«-Aktion sowie für kurze Zeit die Kelly Family: Bandmitglied Joey hatte das Auto von Fans zertrümmert, was zu zahlreichen Anfeindungen gegen die Band führte. Außerdem war ihr Grand-Prix-Song vorab bereits im Internet zu hören, allerdings kein Grund für eine Disqualifikation. Ireen Sheer machte zudem kein Geheimnis aus der Trennung von ihrem Mann und will nun in Kiel für Uschi Glas und alle anderen betrogenen Frauen singen. Und Corinna May kündigte ihre dritte und letzte Teilnahme an.

Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel, der Corinna May ins Rennen schickt, freut sich, dass nach Guildo Horn, Stefan Raab und Zlatko wieder »hohe Qualität« antrete. Gute Chancen habe Deutschland in diesem Jahr auch deshalb, weil die meisten Interpreten in englischer Sprache singen und damit für die »so wichtige Internationalität« stehen, sagte er nach der Vorstellung der diesjährigen Teilnehmer. Für ihn wäre ein Sieg seines Schützlings 20 Jahre nach seinem Triumph mit Nicoles »Ein bisschen Frieden« ein schönes Jubiläum. Übrigens geht Deutschland wie damals mit Startnummer 18 ins internationale Finale in Tallinn.